SYNDEMIC -Logo / Hamburg, 02.09.2017
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Am vergangenen Samstag feierten SYNDEMIC die Veröffentlichung ihres neuesten Werks „Annhilate The I“ im Logo. Einen Großteil der Hamburger Death Metal-Szene zog es damit in den Schuppen, dessen Geruch mich seit jeher an eine alte Sattelkammer und Hufsalbe erinnert. Mit dem Leben auf einem Ponyhof hatte der Abend allerdings weniger zu tun.
Als Opener holten sich SYNDEMIC die Jungs von INTERRA mit ins Boot, die nach einer kurzen Aufwärmphase gut voran preschten und das zunächst noch überschaubare Publikum rasch für sich gewannen. Die Soundqualität, anfangs noch sehr kühl und blechern, wurde von der kräftigen Stimmgewalt der Vocals gut überspielt, während die Drums bis zum Schluss ein wenig höhenlastig blieben. Die groovigen und doch recht fröhlich anmutenden Melodic-Parts kaschierten dies jedoch gekonnt und nach einem etwas holprigen Start füllte sich der Saal schnell und die Stimmung heizte sich gut auf. Zum Ende hin kamen vermehrt Doublebass und kräftige Gitarrensoli zum Einsatz, die sich harmonisch in die melodischen Passagen einfügten. Der Gesang schwankte vom Growling mal rüber zu Shouts und war neben Gitarre und Backingtracks ein musikalisches Zugpferd mit Potential.
Anfang diesen Jahres hatten INTERRA im Bambi ihre eigene Release Party zu ihrem Debut „All For None“ zelebriert und waren mäßig begeisternd. Letzten Samstag haben sie die Hütte allerdings trotz Ausfall eines Gitarristen dermaßen zum Kochen gebracht, dass es fraglich ist, warum sie nicht als Zweitband gespielt haben.
Die Debut-EP der folgenden Band liegt mit dem März 2016 schon etwas länger zurück als die der übrigen Bands des Abends. BENTHIC hatten aber, so schien es mir, unter dem zermürbenden Opening zu leiden. Ungefähr ein Drittel des Publikums musste draußen vor dem Logo nach dem Melo-Death-Orkan von INTERRA bei einem Bier erstmal wieder zu Kräften kommen. Dennoch verstand sich die Band durchaus auf den Umgang mit ihren zwei Gitarren; mächtige Soundwände zogen sich durchs gesamte Konzert und wurden hier und da vom alternativen Gesang aufgebrochen. Grundsätzlich gestaltete sich dieser Auftritt aber eher eingängig und ein wenig zäh. Vielleicht war es auch nur das Auge des Sturms, der mit SYNDEMIC im Anschluss seine volle Gewalt entfaltete.
Seit dem 18. August ist das neue Album „Annhilate The I“ auf dem Markt und hat auf neun Tracks verteilt jede Menge zügigen Deathmetal zu bieten. Daran ließen SYNDEMIC am Samstag auch ihr Publikum teilhaben. Fast zwei Drittel des Konzertprogramms boten einen Einblick in die neue Scheibe.
Vordergründig waren tiefe drückende Drums und Vocals, die eine ordentliche gesangliche Bandbreite lieferten. Doublebass und schwere Mittelpassagen verliehen der Musik Kraft und Stärke. Bei „Silent Wrath“ vom ersten Album blieb das Publikum nicht mehr still stehen. Nach stakkatoartigem Intro knüppelten Doublebass und tiefe Vocals los. Zusammen mit der harmonischen Gitarre im Background wurde eine schöne eingängige Schwere erzeugt, die durch das anhaltende Stakkato und melodische Parts an Variabilität gewann.
Die nötige Aggressivität zum Moshen lieferte auf jeden Fall der neue Song „Beneath The Weeping Skies“. Die Mischung aus tiefen und kreischigen Shouts, Doublebass und kräftigen Gitarrenriffs ließ die Haare fliegen. Gegen Ende des Tracks wurde instrumental eine kleine Verschnaufpause eingeleitet, die von in die Länge gezogenem Growling besiegelt wurde. Das Publikum hatten SYNDEMIC von Anfang an auf ihrer Seite und mit ihrem Auftritt erreichte die Stimmung ihren Zenith.
Auch die folgenden Songs wie „Carnal Sedation“ und „Mist Of Singularity“ boten ein hohes Maß an musikalischem Abwechslungsreichtum und ausdifferenzierten Klängen. Eines hatten aber alle Werke der Band gemeinsam: Sie gingen gut voran, waren prädestiniert zum Headbangen und fegten mit einer aggressiven Schwere durch den Laden. Die Release Party war ein gelungener Abend und macht Bock auf mehr!