ITCHY - All We Know
Itchy - All We KnowGenre: Alternative Rock / Punk Rock
Label: Arising Empire Records
Veröffentlichung: 21.07.2017
Bewertung: Klasse (8/10)
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Ganze 15 Jahre Bandgeschichte und sieben Studioalben haben ITCHY schon auf dem Buckel und sind immer noch nicht müde. Mit „All We Know“ erschien im Juli das erste Album unter neuem Namen (denn wie ein Großteil von Euch sicherlich weiß, begannen sie mit dem wohlklingenden Namen ITCHY POOPZKID), mit dem sie es wieder geschafft haben, eine weitere kleine Facette ihrer Künste zu kreieren und dem deutschen Punk Rock ein mal mehr frischen Wind zu bringen.

Der Opening Track „Stuck With The Devil“ swingt sich in die Gehörgänge und verursacht schon mal den ersten Ohrwum des Tages. Mit dem Intro lassen sich ITCHY keine Zeit und hauen mit ein paar fast schon dissonanten Akkorden kräftig in die Saiten. Der Chorus zögert ebenfalls nicht und fügt sich selbstbewusst in den Verse mit leichter Vintage Note, der regelmäßig von einem sauber abgepassten Gitarrenriff durchkreuzt wird.

„Fall Apart“, den sicherlich schon einige als Singleauskopplung gehört haben, könnte mit Leichtigkeit ein Rock Cover verschiedenster Pop Songs sein, da man alle naselang auf kleine Melodieabschnitte trifft, die einem recht bekannt vorkommen, allerdings nicht richtig zugeordnet werden können. Diese Single hat einen grandiosen Aufbau mit deutlicher Steigerung, instrumental als auch im Vocalbereich und ist ein super Song für nächtliche Autobahnfahrten, denn ITCHY haben es hier textlich erreicht, uns unterschwellig die Abhängigkeit von Technologie, insbesondere Internet und Konsorten, vorzuwerfen. Ein aktuelles Thema, das zwar schon oft angesprochen wurde, aber dennoch musikalisch interessant unterlegt wurde.

Zwischendurch tauchen immer mal wieder recht poppige Passagen auf, die die Grenze zur Popmusik allerdings (und glücklicherweise) nicht ganz überschreiten, dennoch aber für eine vermeintlich fröhliche Atmosphäre sorgen, denn eigentlich sind es ernste Themen, die hier besungen werden. Ein Beispiel ist „Black“, das gerade in der Bridge langsam aber sicher an Aggressivität gewinnt. Der Verse dagegen ist überschaubar von Bass und Drums dominiert, zwar einfach, dennoch wird für das Aufrechterhalten des Tempos gesorgt.

Was zudem noch auffällt sind solche Lyrics wie „together it’s fun to drown“, die einen deutlich makaberen Nachgeschmack mit sich ziehen, somit aber für die Verdeutlichung der Standpunkte sorgen. Die komplette Platte ist von solchen Äußerungen gespickt und teilweise braucht man ein paar Sekunden, bis man realisiert, was das gerade Gesungene überhaupt bedeutet.

Wer aufmerksam zuhört, erkennt schnell, dass es sogar ein paar Songs mit dezenten Reggae-Einflüssen auf  „All We Know“ geschafft haben, wie beispielsweise „Before You Go“. Jedoch halten diese Stilbrüche nur für ein paar Takte an und wandeln sich schnell wieder in fetzige Punk Passagen.

Auch vor ungeraden Takten schrecken die Jungs nicht zurück und somit taucht in „Danger!“ ein schnuckeliger 5/8 Takt auf, der von einem aufmüpfigen Gitarrenriff geprägt ist, das später zu einem geläufigen 4/4 Takt ergänzt wird, während das Schlagzeug freudig die Synkopen auf der Hi-Hat mitspielt, was an dieser Stelle für ordentlich Drive sorgt. Die Vocals im Verse klingen ein bisschen wackelig auf den Beinen, dafür legen sie im Chorus aber ordentlich los und wir kommen sogar in den Genuss der einzigen Screams der Platte.

Wo wir gerade beim Thema sind, an sich ist „All We Know“ ein eher gediegenes Album, welches an einigen Stellen gerne eine Prise mehr Aggressivität beziehungsweise Punch gebrauchen könnte. Dafür wird es gegen Ende der Platte dezent härter und auch das Wutlevel der Jungs scheint gepusht zu werden.

Müsste ich „All We Know“ in einem Wort zusammenfassen müssen, würde ich mich für „stabil“ entscheiden, denn man merkt deutlich, wie stark der Zusammenhalt innerhalb der Band ist und auch ihre Erfahrung versteckt sich nicht hinter irgendwelchen luschigen Refrains. Es ist nicht zu überhören, mit wie viel mehr Ernsthaftigkeit sie nun ihre Songs schreiben, denn gerade die Texte sind sowohl politisch als auch sozialkritisch geprägt. Auch wenn es musikalisch weitaus anspruchsvollere Sachen gibt, lebt dieses Werk von ITCHYs Passion und Hingabe, der sich wohl kaum einer entziehen kann.