GLAM ‚N‘ SLEAZEFEST – Fundbureau / Hamburg, 09.09.2017

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Die 80er feiern ein Comeback! Am letzten Samstag gab’s im Hamburger Fundbureau wieder eine stilechte Zeitreise in die Epoche von Hairmetal, Glam und Sleazerock.
Also hieß es: Bandana umgeknotet, Leo-Leggings und Cowboyboots angezogen und losgestiefelt zum fünften Glam ’n‘ Sleazefest, das wider Erwarten zu vorangeschrittener Stunde doch recht voll war. Zu feiern gab’s unter anderem das Pre-Release des neuen Albums von SASSY SOCIETY.

Unglücklicherweise hatte die Astra Stube gegenüber mit einem Wasserschaden und dem damit einhergehenden Stromausfall zu kämpfen und damit war der Punk-Abend geplatzt – dachten sich zumindest die Besucher, bis die Organisatoren und Headliner des Abends Bands und Publikum ins Fundbureau einluden.
Der Opener hieß damit LACRY, eine Punkband, die mit dem Slogan „We steel your Beer“ warb und einen mit unzähligen Patches und Ketten übersäten Frontmann mit knallroter Spikefrisur ins Gefecht schickte, um eine Hand voll Leute vergebens zum Toben zu bringen. Die englischen Texte und das typisch punkige Gitarrengeschrammel waren sehr höhenlastig. Der gesamte Auftritt unter dem Banner von SASSY SOCIETY wirkte zudem auch ziemlich unpassend. Irgendwie wollte sich deren Stil nicht so ganz in die Veranstaltung einpflegen.

Es folgte der eigentliche Opener des Abends: Die LOVESHOCKS aus Bochum versorgten das schmal vertretene Publikum mit einer gehörigen Portion Glam, Glitter und Wetlook-Leggings. Den Übergang von der Vorband erleichterten sie gekonnt mit einer starken Prise Punk, der sich hauptsächlich im Gitarrenspiel widerspiegelte. Der Sound war schön bassig und die Vocals kratzig und recht hoch. Nach ein paar Songs war das Publikum schon etwas breiter aufgestellt, aber noch relativ verhalten. Spätestens beim vierten Song taute es aber allmählich auf und ließ sich zwar nicht von der Liebe zum Schalke 04, dafür aber von den Herzschmerz-Hymnen der Band mitreißen.
Die Atmosphäre war im Allgemeinen sehr familiär und locker; sämtliche Bandmitglieder hielten sich nicht wie üblich im Backstage-Bereich auf, sondern unterstützten die anderen Acts in der ersten Reihe oder genehmigten sich mit Fans und Freunden den ein oder anderen Drink. Gegen Ende der LOVESHOCKS-Show war der Sound noch bassiger und dumpfer, hin und wieder durchkreuzt von melodischen Gitarrensoli und dem herrlich rotzigen Gesang.

SNAKEBITE übernahmen das Zepter im Anschluss, alle mit einheitlichen Kutten und ebenfalls aus dem Ruhrpott. Die Drums waren wieder etwas höher als zuvor und die Performance wirkte ein wenig aufgesetzt. Musikalisch gab’s nicht viel zu meckern, aber dem Gesang fehlt es einfach an Überzeugungskraft. Diese holten SNAKEBITE allerdings mit ihren Showeinlagen wieder raus. Mit dem Song „After Dark“ von ihrem Debut-Album „Princess Of Pain“ hielt das vermisste Gefühl dann endlich Einzug. Die Band saß geschlossen auf der Bühne, das Licht wurde gedimmt und eine rockige Ballade wurde mit Akustikgitarre angestimmt. Passionierte und gefühlvolle Vocals komplettierten das Ganze. Mit einem klassischen Drumsolo im Anschluss und einem darauf folgenden Song mit vielen Backgroundvocals und hohen Gitarrensoli versorgten SNAKEBITE das Publikum wieder mit unbeschwertem 80er Hard Rock.

Die gesamte Veranstaltung wurde nicht nur von ihnen organisiert, sondern auch von ihnen als Headliner gekrönt: SASSY SOCIETY nahmen das diesjährige Glam ’n‘ Sleazefest zum Anlass, ihr neues Album „A Sassy Nation“ zu promoten. Offizielles Releasedatum ist am 29. September dieses Jahres, die Single „Gypsy Paradise“ ist schon jetzt erhältlich.
Mit dem obligatorischen Hüftschwung und ersten Songs der neuen Platte wurde das Konzert eröffnet. Gesanglich ist die Band eine Klasse für sich; die Vocals sind teils außergewöhnlich hoch und rockig, mit sehr viel Passion und gefühlvollen Akzenten darin. Der neue Song „Hail In Hell“ hat wie die meisten Neuheiten von SASSY SOCIETY einiges an Abwechslung zu bieten; neben dem schweren Sound der Rhythmusgitarre und mitreißenden Backgroundvocals führten tragende Gesangspassagen und harmonische Leadgitarren durch die Musik. Besonders schön zu beobachten war das Zusammenspiel der Band – nicht nur untereinander, sondern auch in Interaktion mit ihrem Publikum.
Nachdem sich der Mikrofonständer im Eifer der Darbietung verabschiedet und das ein oder andere Bier auf der Bühne die Stimmbänder geölt hatte, rollte der Sleaze-Zug weiter. Bekannte Songs wie „Infectious Love“ und „Lipstick Love Affair“ sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Der Sound war gegen Ende kurzzeitig etwas übersteuert, ansonsten aber gut eingestellt. Mit „Can’t Control Rock ’n‘ Roll“ erreichte die Stimmung ihren Zenith und SASSY SOCIETY gaben nochmal ordentlich Gas, bevor sie ein Trümmerfeld auf der Bühne zurückließen. Auf eben diesem saßen sie allesamt im gedämpften Licht und Rauchschwaden aus Zigarettenqualm und gaben als erste Zugabe die neue Ballade „Tears“ zum Besten. Gefühlvoller Gesang wurde von Akustikgitarren begleitet und ließ niemanden im Publikum unberührt, Bass und Drums blieben außen vor. Mit zwei letzten Zugaben wurde die Bühne dann final restlos zerlegt.

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