IMPLORE – Subjugate
Press_Cover_01Genre: Death / Grind
Label: Century Media
Veröffentlichung: 22.9.2017
Bewertung: Sehr Gut (7/10)

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Die Gründe, Musik zu machen, können ja recht vielfältig sein, aber im Großen und Ganzen bietet jegliche Form von Kunst eine Plattform, Meinungen, Gefühle und Gedanken in mehr oder weniger kurzer Form auszudrücken. Naturgemäß bewegt sich der Metal eher im düsteren, für Außenstehende im grausig-verängstigenden, oder auch sozialkritischen Bereich, der Death Metal kreist um angsteinflößende Themen, der Grind ist bekannt für seine linksgerichteten politischen Äußerungen. IMPLORE vereinen die Wut auf die Gesellschaft, ihre Ungerechtigkeit und Maßlosigkeit, und die Dunkelheit der Gedanken auf ihrer neuen Platte „Subjugate“, die sie als zweiten Longplayer unter die Leute bringen. Alle Titel sprechen zunächst für sich selbst und offenbaren die Kritik an Gesellschaft, dem Einzelnen und zeigen die blanke Wut über die eigene Existenz.

Bereits der erste Song „Birth of an Era“ macht schnell klar, wo der Frosch die Locken hat – rohe und ungeschliffene Gitarrenshreds, gepaart mit groovigen Death-Parts, wirbelnde Drums und wütende Growls, die Verachtung und Hass aus jeder Pore schreien. Aber kaum hat man den Groove des Songs aufgesogen, ist er mit seinen knapp drei Minuten schon wieder vorbei. „Loathe“ bringt es sowohl textlich, als auch musikalisch ebenfalls auf den Punkt in unter einer Minute: hier gibt es Vollgas in Blastbeat- und Doublebass-Manier, ein kurzes Basssolo und ein rauschendes Gitarrenriff.

Ohne Atempause geht es mit „Cursed Existence“ und „Paradox“ weiter. Hier dominieren Slayer-gleiche Riffs, die auf einen grindigen Wirbelsturm von Drums gelegt wurden, die Midtempo-Passagen sind deathig-groovig. Mal steht dabei das Schlagzeug in der Strophe im Fokus, dann die kreischenden Gitarren, der Bass liefert die dröhnende Grundlage im Hintergrund. „Disconnected from Ourselves“ überzeugt durch die Balance zwischen Geknüppel mit einem Hi hat-lastigen und galoppierendem Schlagzeug zu Beginn und einen Midtempo-Riff, gepaart mit einem klassischen Gitarrensolo, das in einen shreddigen Deathpart überleitet.

„Patterns to Follow“ startet groovig-bassig mit einfachen disharmonisch-verzerrten, sich kreisend-wiederholenden Riffs, die eine kleine Verschnaufpause auf dem atemlos-brutalen Werk zulassen, ebenso wie das folgende „Ecocide“, das den Fokus auf eine gesprochene Rede setzt. Aber natürlich geht es danach wieder in ursprüngliche Gefilde zurück, „Technology A Justification For Killing“ ist dominiert vom kehligen hasserfüllten Gegrowle und einfachen Harmonien. „Cult of El“ überrascht mit einem recht dumpfen Schlagzeugsound, der dem kehligen Gesang und den groovig-tiefen Gitarren den Vortritt lässt. „Boundary“ ist das zweite Stück, das mit unter einer Minute auskommt und es trotzdem schafft, ein Riff mit Wiedererkennungswert vor einen Knüppelpart zu setzen.

Die CD zeigt mit 14 bzw. 16 Songs (auf der Erstpressung und der LP), dass es den Jungs definitiv nicht an Kreativität und musikalischem Spielraum fehlt – dies alles auf eine Scheibe zu packen, ist auf jeden Fall fanorientiert. Insgesamt haben IMPLORE einen professionellen Schritt nach vorne gemacht und ein solides Werk vorgelegt, das einen angenehmen Bogen zwischen Rohheit, Härte und Hass des Grinds und den Untiefen und des Grooves des Deaths spannt. Ob es sich aber zwischen all den anderen Konkurrenten innovativ abheben kann, mag fraglich sein – aber im Wohlfühlbereich des eigenen Geschmacks muss das ja auch nicht immer sein.