THE LURKING FEAR – Out Of The Voiceless Grave
The_Lurking_Fear_2017_CoverGenre: Death Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 11.8.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Supergroups oder sogenannte Allstar-Bands sind für Fans stets etwas Aufregendes, denn die Potenzierung des Talents von bereits erfolgreichen Bands klingt nach wahrer Glückseligkeit. Dass sich Musiker dieses Label nicht gerne selbst aufdrücken, ist dagegen klar – der Erfolgsdruck wird ungemein erhöht. Im Falle von THE LURKING FEAR steht mit Tomas Lindberg (At The Gates/Disfear) einer der wohl gefragtesten Death Metal Shouter der schwedischen Szene hinter dem Mikro, flankiert von Mitgliedern von God Macabre, Skitsystem, Tormented und The Haunted/At the Gates. Herauskommen sollte allerdings keine Mischung oder Kopie der genannten Bands, sondern die Jungs wollten etwas Neues, aber auch Old Schooliges kreieren. Dementsprechend standen die fünf bei den Aufnahmen zum Album alle gemeinsam in einem Raum und der Sound wurde reduziert-roh, aber dennoch modern-differenziert gemischt.

Den Old School-Charakter gibt ja bereits der Albumtitel vor, der die Band in die lange Tradition des Schweden Deaths rückt. Nach einem kurzen Intro knüppelt „Vortex Spawn“ ordentlich auf die zwölf, bevor es in den etwas ruhigeren, fast doomigen Zwischenpart geht. Die Riffs sind roh und auf das Wesentliche konzentriert, die Leadgitarre heult in Tremolo-Manier, das Schlagzeug ist dumpf und wenig basslastig. Die typischen Screams von Tomas Lindberg, der im Übrigen live immer durch seine typische weiße Truckercap besticht, die es für den Notfall backstage stets noch einmal gibt, sind einfach unverkennbar und erinnern an seine anderen Bands. „The Starving Gods of Old“ prügelt sich ordentlich durch Strophe und Refrain ohne jegliche Art von Schnörkeln oder Firlefanz. Im Zwischenteil tritt nur kurzzeitig eine simple Leadgitarre auf, die in ein klassisches jaulendes Solo übergeht, bevor wieder Knüppeltime ist.

„The Infernal Dread“ behält den Rhythmus des Schlagzeugs bei, trotz der tiefen Gitarren bleibt der Bass dezent, getreu der Vorgabe, dass der Sound an den alten Schweden orientiert werden sollte. Gut stehen dem Song die schleppenden Gitarren, die sich mit Gefrickel abwechseln. „With Death in Their Bones“ und „Upon Black Winds“ klopfen sich weiter durch da gesamte Schlagzeug-Repertoire und holen nur kurz zwischendurch einmal Luft. Das heiser-kehlige von Tomas‘ Gesang, der selbstredend etwas Hall abgekriegt hat, passt perfekt zum kratzigen Sound der Platte. Hier fällt mir auch zum ersten Mal bewusst eine Doublebass-Passage auf, der Instrumental-Teil bewegt sich für die unheimliche Atmosphäre geschickt in den Moll-Halbtönen.

Der dreiminütige „Teeth of the Dark Plains“ kommt weniger Old School daher, sondern bewegt sich in gemäßigterem Tempo und hohen, recht melodischen Gitarrenriffs, er ist nur leider etwas zu schnell vorbei. „The Cold Jaws of Death“ überrascht mit groovigen Midtempo-Parts und einem Hauch von Gitarrensolo. „Winged Death“ kombiniert tiefe meditative Gitarren mit einer quietschigen Leadgitarre und einem doomigen Zwischenspiel, das das Schlagzeug einmal etwas bremsen kann. Ein klassisches Heavy Metal-Solo rundet den Song ab. „Beneath Menacing Sands“ beschließt das Album im Midtempo, was ein bisschen Groove in die Sache bringt.

Insgesamt dominieren auf „Out Of The Voiceless Grave” simple, aber eingängige und sich stets mantramäßig wiederholende Gitarrenriffs, die auf ein unablässiges Geknüppel des Schlagzeugs gelegt sind, wie auch die krächzigen Growls von Tomas. Die vorgegebene Marschroute wurde eingehalten, sowohl Riffing als auch Sound sind in der Tradition des schwedischen Old School Death Metals, so dass hier wenig Innovation erwartet werden kann und aber ja auch sollte. Dass die Scheibe aber nicht aus den 90ern stammt, wird trotzdem deutlich, ebenso, dass die Herren ihr Handwerk einfach verstehen und dies unaufgeregt aufs Polycarbonat bringen. Den Preis für das beste Backdrop einer Live-Show haben sie eh schon auf dem Summer Breeze gewonnen – wer sonst kann ohne Ironie ein DIN A4-Blatt an der Bühnenwand platzieren, auf dem der Bandname mit Edding gekritzelt wurde?!