ARCH ENEMY – Will to Power
Arch_Enemy-Will_To_Power-2017-CoverGenre: Melodic Death Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 8.9.2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Es gibt ja sehr wohl Beispiele dafür, wie man es als Band schafft, über 20 Jahre CDs zu veröffentlichen, die den Anspruch der Fans stets erfüllen, siehe HEAVEN SHALL BURN oder NAPALM DEATH. Die meisten dieser Combos bleiben ihrem Stil dafür treu, versuchen nur wenig Experimente und verzichten dafür dann ab und an auf ihre eigenen Interessen und Selbstverwirklichungen. Dem gegenüber stehen die Bands, die sich wie IN FLAMES oder AMON AMARTH für den kommerziellen Kurs entschieden haben, oder wie OPETH, die einfach nur noch das machen, worauf sie persönlich Bock haben. ARCH ENEMY reihen sich mit ihrem neuesten Werk in der Mitte ein, denn den Pfad, den sie vor 20 Jahren beschritten haben, haben sie definitiv verlassen, allerdings versuchen sie ihre Art von Metal zu modernisieren. Ob das nun funktioniert, ist sowohl eine sehr persönliche wie auch eine Herzensentscheidung.

Das Intro “Set Flame To The Night” klingt zunächst typisch nach ARCH ENEMY, eine etwas schleppend-melodiöse Gitarre und Synthies, „The Race“ gibt dagegen gleich Gas und überrascht mit einem groovig-treibenden Riff, das auch im Mittelteil zum Kopfnicken einlädt. Die Growls von Alissa sind gewohnt am Limit und mit Doppelspur, um ein bisschen mehr Power reinzubekommen. Charakteristische Amott-Solo-Gitarrenläufe sind ebenfalls verbaut, ein mehr als solider Auftakt. „Blood in the Water“ drosselt das Tempo zugunsten einer sehr groovigen Strophe, die gespickt ist mit einem eingängigen Refrain und singenden Gitarren. „The World is Yours“ beginnt mit typischen ARCH ENEMY Kreisch-Gitarren, unterstützt vom Galoppel-Schlagzeug, das in den Doublebass-Part überleitet, der mit viel zu poppigen Melodien verhunzt ist. Auch soundtechnisch ist das Ganze natürlich wie auch schon auf dem vergangenen Album massentauglich ohne Ecken und Kanten weichgespült worden. Die Synthies sind modern und bedienen den reizüberfluteten Geschmack der Jugend, meiner Meinung nach aber völlig überflüssig. „The Eagle flies Alone“ (Hommage an HELLOWEEN??) startet mit einem mächtigen Riff und haut einen hymnenartigen Refrain raus, der live bestimmt Gänsehautfeeling erzeugen kann. Gegen Ender verliert der Song dann etwas an Power, bevor das klassische Solo zum Refrain überleitet und mit einem Keyboard-Outro endet.

„Reason to Believe“ wartet zu Beginn mit Akustik und starkem Heavy-Clean-Gesang von Alissa auf, bevor es dann ins Midtempo und zu den Growls geht, um danach wieder ins Balladenhafte zu schwenken. „Murder Scene“ ist ein solider Song, der nichts falsch macht. „First Day in Hell“ führt den Zuhörer in die Untiefen der Gitarrensaiten und ist wohl am nächsten am tatsächlichen Death Metal. Nach dem Interludium „Saturnine“ knüpft „Dreams of Retribution“ direkt an das Vorgängeralbum an und hat einige Knaller-Riffs zu bieten, die zwar irgendwie klingen, als würden ARCH ENEMY sich selbst kopieren, aber in gelungener Art und Weise, auf die Keyboards/Synthies hätte man allerdings locker verzichten können. „My Shadow and I“ zeigt ein bisschen mehr Härte, sowohl im Tempo, als auch in den kehligen Growls. Die typische Prise Melodie bringen die Gitarren mit ihren Höhen und Soli, wie auch die zurückhaltenden Synthies. „A Fight I Must Win“ beginnt nach einem fast einminütigen Intro mit einem eingängigen Riff, der Refrain hat dagegen viel zu viel Violinen-Synthie abbekommen, was den Track zu poppig macht.

Alles in allem ist es wahnsinnig schwer, ein Album einer derartigen Größe des Metal Business objektiv zu beurteilen, wenn die Erwartungen ins Unermessliche gehen und man persönlich mit den Anfängen der Band seit der Jugend verquickt ist, dennoch muss ich sagen, dass die CD Licht und Schatten bietet und sowohl genügend Fans wie auch ausreichend Kritiker finden wird. Auf der Haben-Seite stehen viele schöne Riffs und Soli, die aus der Feder zweier exzellenter Gitarristen stammen (neu an Board: Jeff Loomis von ex-NEVERMORE, der noch etwas zu wenig zum Tragen kommt), die ihre Arbeit verstehen, wie auch eine saubere Produktion und nicht zu viele Experimente. Auf der Soll-Seite steht zu wenig Härte in der Produktion, der meiner Meinung nach eher mäßige Gesang von Alissa (stark allerdings im Clean-Bereich), dem mit viel Technik nachgeholfen wird, zu viele überflüssige Synthies und zu wenig Wow-Effekt.