36 CRAZYFISTS - Lanterns
36 Crazyfists - Lanterns.jpgGenre: Metalcore / Post-Hardcore
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 29.09.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Es ist das insgesamt siebte Album der aus Alaska stammenden Band, die ihren Sound von Platte zu Platte perfektioniert hat, wodurch ein eigenwilliger, aber dennoch liebenswürdiger neuer Metalcore Sound entstanden ist. Zudem sind sie spürbar düsterer geworden, vielleicht macht das auch das Alter, denn 23 Jahre Bandgeschichte sind schon eine Hausnummer, wenn man bedenkt, dass sich ein Großteil der Bands heutzutage schon nach drei Jahren mindestens 50 mal zerstritten hat.

Das erste, was man von dieser Platte vernimmt, ist ein zorniges Gitarrenriff, welches zusammen mit den Drums den ersten Verse einleitet. Dort mischen sich direkt die ersten Screams ein, gefolgt von unbiegsamen Vocals, die sich nur ungern von den Saiteninstrumenten inspirieren lassen und lieber ihr eigenes Ding machen. Der Chorus stellt mit einem wunderbar tiefen und schleppendem Riff ein kleines Gegenteil dar, welches quasi die extra Prise Salz in einem Kuchenteig ist und somit den Klang noch ein bisschen mehr verfeinert.

Ein paar Tracks weiter begegnen wir einer etwas anderen Seite von 36 CRAZYFISTS. Bei dem Intro von „Damaged Under Sun“ ist ein deutlicher Punk Einfluss zu hören, der schnell von dem typischen Sound des Quartetts übertönt wird, in der Bridge jedoch wieder auftaucht. Gegen Ende kommt man dann in den Genuss, der wunderbaren Stimmfarbe von Sänger Brock Lindow, denn hier ist er für ein paar wenige Takte nur mit einer Gitarrenbegleitung zu hören. Danach geht’s wiederum schon wieder mit dem Chorus im vollen Ausmaß weiter.

Mit dem darauf folgenden Song „Sea And Smoke“ kommen wir an den weichen Kern der Band, denn jetzt wird die Härte eingepackt und dafür die großen Emotionen ausgepackt. Stellenweise sind sogar balladeske Einflüsse zu erkennen, die aber keine allzu große Lücke zwischen dem ansonst recht straighten Sound schlagen. Es ist, als befände man sich bei einem Wohnzimmerkonzert und könnte der Band direkt in die Augen schauen.

„Where Revenge Ends“ ist dabei sogar noch einen Ticken ruhiger und basiert hauptsächlich auf einer Grundlage von Akustik Klampfe und erdiger Stimme. Allerdings hält die beruhigende Atmosphäre nicht lang an, denn danach geht es mit tiefen Growls und einem saftigen Riff wieder mit 180 in den nächsten Track, als gäbe es sowas wie Ruhe auf „Laterns“ überhaupt nicht.

Der letzten Song „Dark Corners“ ändert zum Ende nochmal alles, was man in den knapp 40 Minuten von 36 CRAZYFISTS gehört hat, denn auf einmal gibt es keine verzerrten Gitarren oder wütende Drums mehr. Immer wieder fällt alles lautstärkenmäßig zusammen, nur um sich gemeinsam wieder zu steigern, wobei es wider Erwarten nicht zu einer endgültigen Eskalation kommt, jedoch mit einem kräftigen Chorus und einem einsamen Gitarrengedudel zum Ende kommt.

Mit diesem soloarmen Album haben sich die Jungs mal wieder selbst übertroffen. Es steckt voller Energie, die sie aus einer gesunden Mischung zwischen cleanem und gutturalem Gesang sowie dynamischer Feinarbeit mühevoll untermalt wird. Allein der Grundaufbau der Platte ist hervorragend gelungen, denn im Gegensatz zu manch anderen musikalischen Werken, steigern sich 36 CRAZYFISTS nicht an Wildheit oder Wucht, sondern arbeiten auf einen ruhigen Höhepunkt hin. Doch obwohl sie sogar mit dem gediegenen „Dark Corners“ abrunden, bleibt das Album primär als episch ausgemalte Musiklandschaft im Gedächtnis.

Die Becken der Drums sind jedoch teilweise nur ein Gezischel im Hintergrund und vom guten, alten Bass bekommt man des Öfteren nur die Nebengeräusche der Saiten anstatt eigentlicher Töne mit. Dennoch ist „Lanterns“ ein Album, das einen direkt trifft und mitnimmt, da sind solche kleineren Makel schnell vergessen.