WOLVES IN THE THRONE ROOM – Thrice Woven
CS3_12GatefoldJktGenre: Black Metal
Label: Artemisia Records
Veröffentlichung: 22.9.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Bei den Amerikanern aus Olympia, WA, sucht man vergebens nach den typischen Black Metal Attributen wie Corpse Paint, Satanismus oder kontinuierlichem Geknüppel auf Rauschbasis, trotzdem stehen sie diesem Musikgenre durch ihre Naturinspiration und ihrer musikalischen Härte und Experimentierfreude am nächsten. Mit „Thrice Woven“ liefern die zwei Brüder Nathan und Aaron mit Sänger Kody ihr bereits sechstes Werk ab und führen den Zuhörer in die Welt der Naturwunder des Nordwest Pazifik. Sie legen darin wie auch bei ihren verweihräucherten Live-Shows viel Wert auf Atmosphäre und Mystik.

Der erste Song „Born from the Serpent’s Eye“ ist bereits knapp zehn MInuten lang, beginnt aber nur mit einem kurzen akustischen Intro, bevor das Gitarrengewitter losbricht. Das Schlagzeug ist zurückhaltend, der Sound ganz nach WITTR Prinzipien etwas retro, verwaschen und dumpf. Die ruhigeren Passagen zwischendurch sind doomig-medidativ gehalten und geben dem Zuhörer Zeit, sich in die Stimmung hinein zu fühlen. Die Riffs sind in Black Metal Natur nicht zu komplex, meist in den Höhen und setzen auf Wiederholungscharakter. Nach den ersten viereinhalb Minuten wird der Song für einen elfenhaften Frauenchor unterbrochen, der nur von einem leichten Windspiel und etwas Keyboard begleitet wird. Dies wird in einen ruhigen schleppenden Midtempo Gitarrenteil hinübergetragen, der mit den typischen Screams vertont wurde. Dieser Teil enthält ein sehr melodiöses meditatives Riff, das zum Träumen und Besinnen einlädt.

„The Old Ones are With Us“ beginnt mit einem schamanisch-pantheistischen Text, der beschreibt, wie die Natur erwacht, beschützt von alten Kräften. Musikalisch ist dieser kontemplative Midtempo Song ruhiger und unterbrochen von einem Singer Songwriter Part, der die Lyrics vom Anfang wiederholt. Hier treten auch die Keboards aus dem Hintergrund deutlich hervor, unterstützt von dumpfen Trommeln, die lediglich den Takt vorgeben.

Der zehnminütige „Angrboda“ drückt dagegen zu Anfang wieder mehr aufs Gas und ist bestimmt von Doublebass-Passagen und Gitarren, die mit dem typischen Picking des Black Metals gespielt sind und sich überwiegend rhythmisch gegenläufig bewegen. Der Gesang verschwindet zunächst teilweise etwas hinter den gewollt übersteuerten Instrumenten und jeder Menge Hall, was dann aber zugunsten der Melodien verschwindet. Das Schlagzeug schließt sich dem gewittrigen Sound an und steuert zum verregneten Eindruck bei, der sich in der Mitte des Songs als Interludium in eine Tropfsteinhöhle verwandelt, mitvertont von reduzierten Gitarrentönen und singenden Gläsern. Der zweite Teil des Songs ist wesentlich basslastiger und ruhiger, der Gesang ein heiser-keifender Sprechgesang.

„Mother Owl Father Ocean“ bildet ein reines Zwischenspiel, das nur mit einzelnen Tönen, Geräuschen und ein wenig Frauengesang als Stimmungseinlage dient. „Fire Roar in the Palace of the Moon“ beginnt zunächst im Midtempo mit einem eingängigen Riff und einem wirbelnden Schlagzeug, geht dann aber über in eine doublebasslastige Passage, in der der Gitarrensound im Retro-Style durch seine Übersteuerung changiert. Das Schlagzeug prügelt sich durch die verschiedensten Rhythmiken, die Gitarren dagegen bleiben medidativ-einförmig. Ein weiteres Interludium bringt diverse Tempowechsel und verträumte Melodien, der Gesang bleibt zurückhaltend fast im Hintergrund. Zum Abschluss gibt es noch Meeresrauschen von der Atlantikküste.

Zusammenfassend ist dem Trio ein kreatives und durchdachtes Werk gelungen, das ihren Prinzipien treu bleibt und Wert auf Old School Retro-Sound, Atmosphäre und Naturkonzept legt. Die Riffs sind eingängig und in ihrer Einfachheit schnörkellos. Der Gesang ist für meinen Geschmack oft etwas zu sehr im Hintergrund und der Sound manchmal etwas zu retro-verwaschen – aber das ist natürlich reine Geschmackssache. Für Black Metal Fans ist die Platte de facto ein Muss!