FÄULNIS – Bambi Galore/ Hamburg, 01.10.2017 (Konzertbericht)

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Als Ruhetag geht der vergangene Sonntag jedenfalls nicht in die Geschichte ein. Im Gegenteil: Im Bambi Galore gab’s ordentlich auf die Mütze! Die beliebte Konzertreihe ‚Revolt!‘ stand an diesem Abend ganz im Zeichen des Black Metal. Fünf Bands brachten die Belegschaft dermaßen zum Brodeln, dass sogar der Feueralarm ausgelöst wurde. ARROGANZ und Headliner FÄULNIS nutzten indes die Gunst der Stunde, um ihre neuesten Scheiben vorzustellen.

Aber ganz von vorn: Mit verschwitzem Corpse Paint eröffneten SACRIFIZED die Show recht überraschend und abrupt. Die Drums waren zunächst sehr überladen und der Doublebass klang mit seinem blechernen Knattern auch nicht ganz gesund. Alles, was sich anfangs vom Rest der Band ausmachen ließ, waren einfache Gitarrenriffs und relativ hohe Vocals mit vereinzelten Deathmetal-Einflüssen. Was erst wie wahlloses Gekloppe wirkte, entpuppte sich recht zügig als gute Mischung aus Thrash und Black Metal mit einer schönen Geschwindigkeit und stilistischen Wechseln aus ruhigeren und flotten Passagen. Das Moshpit vor der Bühne ließ demnach auch nicht lange auf sich warten. Zum Ende hin wurde die Musik wieder krachiger und unkoordinierter, insgesamt waren SACRIFIZED aber ein gelungener Opener.
FUNERAL PROCESSION lieferten im Gegensatz zur ersten Band ein düster-sonores Intro, auf das solider Black Metal mit krächzenden Vocals folgte. Nach etwa jedem Song erhob sich der Drummer und formte mit seinen Drumsticks ein umgedrehtes Kreuz, was besonders in den vorderen Reihen großen Anklang fand. Verwundert und ein wenig irritiert blickte so mancher zur Bühne, als der Gesang während des zweiten Stücks kurz clean wurde, bevor das übliche Gekrächze wieder von treibenden Riffs und verhallenden Becken begleitet wurde. Vielleicht wäre an dieser Stelle eine Hand voll Hustinetten für den Sänger angebracht gewesen. Bis zum Schluss kredenzten FUNERAL PROCESSION guten atmosphärischen Black Metal, bei dem sich auch mal ein höheres Gitarrensolo zwischen die ansonsten recht eingängigen Akkorde mischte. Die wummernden Drums standen im Vordergrund und verliehen der Musik mit schwingenden Becken und dem Einsatz der Ride Bell die nötige Würze.
DEATHRONATION blieben der basslastigen Düsternis mit ihrer Show treu und versorgten das Publikum gekonnt mit wuchtigen Riffs, bevor ARROGANZ ihren Thron auf der Bühne einnahmen.
Ein schweres Deathmetal-Geschütz überrollte den Saal im Nu! Aggressiv, brutal und mit einer Prise Doom starteten ARROGANZ ihre Release-Show auch in Hamburg und stellten ihr neues Album ‚Primitiv‘ vor, das erst am letzten Freitag veröffentlicht worden ist. Wer jetzt denkt, der Titel sei Programm, der irrt gewaltig, denn die Scheibe ist alles andere als simpel. Musikalisch hat sie einiges an Facetten zu bieten, und das haben die Jungs aus Cottbus auch eindrucksvoll bewiesen – nicht zuletzt mit dem neuen Song ‚Another God, Dead‘, in dem sich ein stetiger Geschwindigkeitswechsel mit Offbeat und groovigen Bass-Passagen mischte. Leider fehlte ein wenig der Publikumsbezug, obwohl der Laden ziemlich voll und die Stimmung gut war – so aufgeheizt, dass mitten im Konzert ein Feueralarm losbrach, der sich seltsamerweise in die Musik fügte. Die Nebelmaschine wurde schnell als Auslöser entlarvt und ARROGANZ besiegelten ihren Auftritt mit ‚One Death‘ von ihrem ersten Album. Dieser Song ließ niemanden mehr still stehen und heizte die Menge weiter auf. Die Band hinterließ ein vernebeltes Schlachtfeld mit schweißnassen Gesichtern vor der Bühne und ebnete damit nahtlos den Weg für FÄULNIS.
Die starteten auch direkt durch mit ‚Metropolis‘ vom aktuellen Album ‚Antikult‘. Wer sich ob des punkigen Gitarrenklangs in den ersten Sekunden des Songs über das Genre noch unschlüssig war, wurde spätestens beim Einsetzen des Schlagzeugs und Gesangs von einem tosenden Blackmetal-Sturm niedergemäht! FÄULNIS sind vor allem nämlich eines: Der blanke Wahnsinn, und das gepaart mit Aggression und einer subtilen Note von Wut und Verzweiflung. Die volle Authentizität entfaltete sich vor allem mit den deutschen Texten, die eingefleischte Fans zum Toben brachten. Sänger ‚Seuche‘, vor der Show noch akkurat im grauen Sakko unterwegs, wurde auf der Bühne umgehend zum Tier in weißem Feinripp-Hemd, Hosenträgern und Bluejeans und gewann mit seiner barfüßigen Performance auch direkt die Meute für sich. Instrumental bewegte sich das Ganze hauptsächlich im Black Metal, die Punk- und Doom- Einflüsse waren aber in jedem Song spürbar. Besonders die neuen Stücke waren zum Teil noch brutaler als die älteren, so auch ‚Galgen, kein Humor‘, in dem die Drums den Takt angaben und die Gitarre immer wieder reinscratchte und dem Song damit noch mehr Feuer verlieh. Natürlich warteten FÄULNIS aber auch mit Altbekanntem, wie ‚Distanzmensch, Verdammter‘ und ‚Weiße Wände‘ auf und zerlegten damit restlos den Laden.
Allen, die die Show verpasst haben, sei gesagt: Seid wachsam und streicht euch den nächsten Konzerttermin knallrot im Kalender an, es lohnt sich!