NOTHING IN WHITE – Oblivious
fmLcdPmatr8Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 7.1.2017
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Dass der Deathcore sein absolutes Hoch erlebt hat, ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her, und mittlerweile sind viele der Klone wieder in der Versenkung verschwunden oder haben sich neu orientiert. Dennoch gibt es immer noch eine beträchtliche Anzahl an Bands, die weiter fröhlich ihren Breakdowns, schwerem Bass, aggressiven Growls und dissonanten Riffs frönen. Zu dieser Fraktion gehören NOTHING IN WHITE aus Augsburg, die nicht nur schwarze Schatten, sondern auch Licht auf ihrer aktuellen EP zeigen.

„Control is Lost“ bedient sich unaufdringlicher Synthies, um die basslastigen Riffs aufzupeppen, die von einem Schlagzeug unterstützt werden, das sich fast ausschließlich am Rhythmus der Gitarren orientiert. Natürlich fehlen auch hier die Breakdowns und quietschigen Einzelnoten-Gitarren nicht. Die abgehakten Töne der Bridge erinnern stark an einen Maschinengewehr-Sound aus Computerspielen. Im Vordergrund stehen tiefe Growls, die recht deathig daherkommen. „Boundaries“ setzt dies ohne Unterbrechung fort und konzentriert sich zunächst auch auf den Breakdown-Part, der nur schwer in die Gänge kommt und wenig Tempo aufbietet, stattdessen quietschige Einzeltöne in den Raum wirft. Die dissonante Melodie dagegen zündet den Song dann besser – diese wirkt gegen Ende des Songs schon fast weich und verträumt und verpasst dem Track den nötigen Klebstoff.

„Rapid Convulsions“ übernimmt das melodische Thema des vorherigen Songs in abgewandelter Weise und konzentriert sich mehr auf geradlinigere Songstrukturen. Die Gitarren wirken trotz der Dissonanzen und Breakdowns spielerischer und passen gut zu den Doublebass-Passagen. Die Growls sind kräftig und bleiben nicht nur in den unteren Lagen. „Unfillable Void“ wartet zunächst mit etwas mehr Groove und weniger Breaks auf, verliert aber das übliche Muster nicht. Textlich beschäftigen sich die Tracks alle mit recht persönlichen Erfahrungen mit negativen Gefühlen und Rückschlägen, die in Frustration resultieren, was sich naturgemäß in der Aggressivität der Songs wiederspiegelt und die Band ins Genre des Cores rückt.

„The Path To Nothingness“ ist vermutlich der stärkste Song, nicht nur weil er am meisten Linie und Melodie zeigt, sondern auch am ausgewogensten geschrieben ist – Anspieltipp! „An Inconvenient Truth“ wurde als Bonustrack geaddet und noch einmal neu aufgenommen. Er präsentiert nach kurzem Intro einen melodisch-groovigen Part, der sich dann kurz im üblichen Break verliert, aber wieder auf die Linie im Midtempo zurückfindet.

Insgesamt zeigt die EP der jungen Augsburger, dass hier Potenzial drinsteckt. Die Kompositionen wirken stellenweise etwas stückelig und verhindern so etwas den Ohrwurmcharakter. Stark zeigt sich das Quintett in den melodischen Doublebass-Passagen, auch der Gesang ist kraftvoll-aggressiv und variabel in den Tonhöhen. Deathcore hin oder her – für meinen Geschmack hätte man an den Breakdowns mehr sparen können und sich auf straighte Riffs konzentrieren können, die dem Ganzen mehr Groove verleihen würden. Die nötige Härte wird hier vor allem durch Dissonanzen und Anti-Rhythmen erzeugt, nicht durch Geschwindigkeit. Die Produktion ist ordentlich und nicht verwaschen, die Gitarren hätten mehr Klarheit vertragen, so klingen sie etwas dumpf. Nur was für Die Hard-Core-Fans!