UNLEASH THE ARCHERS - Apex
Unleash the archers - apexGenre: Power Metal
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 02.06.2017
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Wenn es ein Metal-Genre gibt, mit dem ich bisher nie so wirklich warm geworden bin, dann ist es wohl Power Metal. Irgendwie muss ich dabei immer an DRAGONFORCE und Guitar Hero denken. Und dann soll ich auch noch ein Power Metal Album bewerten? Aber nun gut, man ist ja nicht voreingenommen und lässt sich ja auch gerne überraschen. Der Name der kanadischen Formation UNLEASH THE ARCHERS ist natürlich sehr klischeehaft für das Genre (Ok, vielleicht bin ich doch etwas voreingenommen!).

Egal, Kopfhörer auf, Augen zu, Musik ab. Der erste Song „Awakening“ beginnt mit einem düsteren, verheißungsvollen Intro. In meinem Kopf sehe ich eine große Freifläche im Sonnenaufgang, umrandet von dichten Wäldern. Nebelschwaden ziehen über das baldige Schlachtfeld. Die Gitarren und Drums setzen kurz ein, der Bass ist zu hören, ich sehe Äxte und Schwerter in den Nebeln blitzen. Und als Brittney Slayes einen lang gezogenen Kampfschrei loslässt, sehe ich zwei Armeen aufeinander zu rennen. Ja, all das klingt erst mal so, wie ich es erwartet hätte. Aber es gefällt. Die Saiteninstrumente sind ordentlich gespielt, melodiös und treibend. Die Drums wummern ordentlich aus den Boxen. Und über allem schwebt der fantastische Gesang der Sängerin. Dieser rutscht aber nie wie bei ähnlichen Formationen so ab, dass man das Gefühl hat, in der Oper zu sein, noch wird es kratziges Gekreische. Es bleibt stets beim Klargesang in angenehmer Tonhöhe. Die Screams der beiden Gitarristen stehen dazu im schönen Kontrast, nehmen aber nie zu viel Raum ein.

Musikalisch zieht sich das Album so weiter, Abwechslung gibt es nicht wirklich. Aber Langeweile kommt auch nie auf: immer wieder ein präzis gespieltes Soli, theatralische Crew-Vocals als Kampfschreie, dazu ein nie enden wollendes Blastbeat-Trommelfeuer und ne Menge Lieder jenseits der fünf-Minuten-Marke. Textlich geht es natürlich um Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld, den Ruf nach Freiheit, Berge, Schilder, Schwerter usw. Das ist jetzt alles nicht wirklich innovativ, aber gleichzeitig auch nicht schlecht. Schließlich will man diese Dinge hören, wenn man Bock auf Power Metal hat. Und UNLEASH THE ARCHERS schaffen es dazu noch, nicht zu übertreiben. So wird zum Beispiel auch auf das genretypische Keyboard verzichtet. Der Combo gelingt es auch so, ein episches Klangbild zu schaffen, in dem man unwillkürlich mit dem Kopf bangen muss. Und ab und zu blitzen dann eben doch Song-Highlights heraus, die das Album aus vielen anderen Power Metal Alben hervorstechen lassen. Zu nennen sei der epische Kampf zu Beginn von „Cleanse The Bloodlines“ zwischen den Gitarren und den Drums. Und spätestens bei „Ten Thousand Against One“ möchte ich aufspringen, Mantel und Axt schnappen und der Armee aus Orks entgegen sprinten – mein absoluter Favorit auf dem Album, und ich kann es jedem nur empfehlen, zu dem Song eine Runde joggen zu gehen. Ihr werdet eure übliche Strecke anders wahrnehmen und Bestzeit laufen.

Ich versuche mal ein Fazit zu formulieren. Klar, meine voreingenommene Meinung hat sich irgendwie bestätigt. Aber mir gefällt richtig gut, was ich da höre. Die Platte ist technisch einwandfrei produziert, klingt dabei aber nie gekünstelt oder retouchiert. UNLEASH THE ARCHERS haben hier wirklich ordentliche Arbeit geleistet. Bestimmt werde ich jetzt kein Power Metal Fan und dieses Review würde von jemanden, der dem Genre näher steht, auch anders geschrieben werden, aber meinen Horizont hat es auf jeden Fall erweitert. So und jetzt lasst mich in Ruhe: ich muss noch ein paar Feinde mit meinem mächtigen Bidenhänder niederschnetzeln.