EMIL BULLS - Kill Your Demons
Emil Bulls - Kill Your DemonsGenre: Alternative Metal
Label: AFM Records
Veröffentlichung: 29.09.2017
Bewertung: Bombe (9/10)
Facebook YouTube

Kaum zu glauben, aber die Jungspunde aus Bayern haben letztes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert und liefern nun mit „Kill Your Demons“ ihr neuntes Studioalbum ab. In dieser Zeit ist viel passiert, nicht nur die Jungs sind älter geworden, sondern auch ihre Musik hat sich verändert, allerdings nicht zum schlechten, denn irgendwie schaffen sie es immer wieder, ihre Fans zu überraschen und verlieren dabei trotzdem ihren Charakter nicht.

Der Opener und zugleich Titeltrack schwillt langsam von einem kleinen fisseligen Gitarrenriff zu hämmernden Takten an, zuerst von einer dumpfen Snare angetrieben, die jedoch recht schnell von kaum wahrnehmbaren Becken abgelöst wird. Sänger Chris wechselt im Verse wie im Chorus gekonnt zwischen sehr melodiösen sowie rauen und aggressiven Parts, immer von soliden Gitarren begleitet.

Der zweite Track „The Ninth Wave“ beginnt zuerst mit einem seichten Intro und ein paar geraunten Worten, danach geht aber erstmal eine Knüppelrunde los, die zum einen den gewohnten BULLS Sound verkörpert, sich auf der anderen Seite wiederum an ein wenig härteren Elementen bedient. Dieses Schema zieht sich durch den ganzen Song und sogar der Chorus öffnet sich auf eine epische Weise zu einem ausschweifenden Solo, das nach kurzer Zeit in einen Breakdown anmutenden Teil überleitet. Dort fällt auf, dass sich die Jungs mal an ein paar ausgefalleneren Synthesizer Sounds bedient haben, die nicht nur im Hintergrund unterstützen, sondern sich auch mal in den Vordergrund drängen.

Das düstere Albumthema haben die Bayern gut versteckt, da man es auf den ersten Blick nicht sofort in den Songs wiederfindet sondern erst eine Runde suchen muss. Primär sind es die ausladenden Refrains, die eine unterschwellige Lawine an Melancholie freilassen. Die subtilen Andeutungen sind zudem eher in den Lyrics zu finden als in der Musik selbst, da diese sich lieber in härteren Gefilden bewegt.

Durch Streicher Elemente (im Chorus von „Mt. Madness“ beispielsweise) oder auch der Einsatz eines Klaviers  bei „Euphoria“ wird den Songs eine weitere, tiefe Ebene verliehen, die manchmal ein wenig mit den tiefen Gitarrenriffs zu kollidieren scheinen. Bei dem besagten Track sorgt das Piano beispielsweise für eine Verstärkung des eh schon poppigen Vibes, der sich von vorne bis hinten durch den Song zieht. Abgelöst wird es im Nachhinein kurz von einem kitschigen Gitarren Solo, bei dem man sich nicht ganz sicher ist, ob man das jetzt erst nehmen soll oder nicht.

Genau wie bei ihren bisherigen Veröffentlichungen haben es die EMIL BULLS nicht verlernt mit Ohrwürmern verseuchte Songs zu schreiben. So bohrt sich „In Any Case Maybe“ auch ohne Erbarmen in das Hirn, was sicherlich nicht nur durch den Chorus bedingt ist, in dem die Gesangsmelodie mit einer Gitarre gedoppelt wird und später im C-Part von allen quasi im Chor gespielt wird. Ein super Live Song, der als Special Gimmick mit einem 8-bit Outro abschließt.

Neben dem veränderten Einsatz von Synthesizern hat sich auch die Arbeit mit Backing Vocals ein wenig verändert. Bei „Levels And Scales“ zum Beispiel kann man im Hintergrund des Chorus immer die selben drei absteigenden Töne vernehmen, die im Vergleich zum eigentlich kräftigen Gesang etwas sehr verweichlicht klingen. Dies knüpft jedoch wieder sehr gut an die subtile Melancholie an.

Der letzte Track „Winterblood – The Sequel“ fällt so komplett aus dem Raster, da er hauptsächlich aus Klavier, Synthesizern und Background Gesang besteht. Ruhig singt sich Chris bis zum Chorus durch, bei dem die komplette Band einsteigt und sich alles ein Stückchen mehr öffnet. Rockig wird es auch von Zeit zu Zeit, aber ohne die gewohnte Härte zu erreichen. So ein bisschen erinnert dieser Song an den ebenfalls letzten Track ihres Albums „Pheonix“ (2009), der allerdings bis auf das ausschweifende Outro nur auf Gesang und Piano reduziert war.

Auch an den gewohnt vielen Soli wurde nicht gespart und so wurde in alter Tradition in so gut wie jedem Song eins eingebaut. Mal mehr mal weniger kitschig, dafür jedoch außerordentlich kreativ als auch innovativ umgesetzt.

Dieses Album ist ein perfektes Beispiel für eine gelungene Weiterentwicklung, die nicht gezwungen klingt, sondern in der Natur der BULLS zu liegen scheint. Auch wenn einige kritisieren, dass sie früher härter waren und damit besser; was man allerdings nicht immer auf eine Stufe stellen sollte. Sie haben ihren eigenen Stil gefunden und hängen sich jedes mal mit viel Schweiß und viel Blut in die Sache.

Gezeichnet von epischen Refrains, starken Gitarren Riffs und Passion wird „Kill Your Demons“ also nicht allzu schnell in Vergessenheit geraten.