ÓSSERP – Al Meu Pas S’alça la mort
Osserp-190x190Genre: Death Metal / Grindcore
Label: Blood Fire Death
Veröffentlichung: 6.10.2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

Facebook

Man mag sagen, gegrowlte Lyrics seien sowieso nicht zu verstehen – ein befreundeter Sänger gab zu, bei Live-Auftritten ganz auf den Text zu verzichten -, aber verständlich werden sie aus dem Booklet auf Deutsch oder Englisch dann halt eben schon. Schwieriger wird’s bei „exotischeren“ Sprachen wie Schwedisch, Isländisch, Holländisch oder eben auch Spanisch wie bei ÓSSERP aus Katalonien, Spanien, was gerade mit seiner umstrittenen Unabhängigkeitsbewegung durch die Nachrichten geht. Spanien ist im Metal vor allem in anderen Sparten wie Heavy, Power oder Melodic weit vorne, Death und Grind ist hier etwas nicht ganz so Gewöhnliches, umso interessanter der bereits zweite Longplayer der Katalanen.

„Entre Regnes“ erweist sich nach einem kurzen Intro als solider Brutal Death Song mit Blastbeats, tiefen Growls und typischen, wenngleich einfachen Gitarrenläufen im oberen Bereich. Der Track knüppelt sich ganz ordentlich durch den Gehörgang, der Verzerrtheitsgrad ist verhältnismäßig hoch, nichtsdestotrotz ist der Sound nicht zu roh, um in den Ohren zu schmerzen. Die Gitarren changieren zwischen klar-deutlichen Tönen und Riffs und schepperndem Soundgewitter, das vor allem durch den lärmenden Bass und den Einsatz der Becken am Schlagzeug erzielt wird.

„Io no ploro els màrtirs“ wütet noch einmal auf einem höheren Level durch die repetitiven Riffs, um dann aber in einen Midtempo-Part überzugehen, der schon fast groovig anmutet. Die Growls gehen in Screams über und lassen das Spanisch mit dem rollenden „R“ deutlich zu Tage treten. Die Gitarrenläufe bleiben einfach-wiederholend, gewinnen dadurch aber einen echten Wiedererkennungswert, wenngleich keine unglaublichen Innovationen geboren wurden.

„Caça furtiba“ bewegt sich im Bereich des Old School Death Metals im Midtempo und Kopfnick-Passagen, hat aber auch ein bisschen Blastbeat parat. Die Growls sind teils arg hinter die mächtige Instrumentenfront gemischt, werden aber zum Teil von Screams unterstützt. „La falç de saturn“ beginnt mit einem meditativen Intro, das in Gitarren übergeht, die einen sehr metallisch-dosigen Scheppersound produzieren. Im Hintergrund gibt es ein paar wenige elektronische Effekte in Anlehnung an das wohl extraterristische Thema, die einen Soundteppich kreieren. Das Riffmuster zeigt nur wenig Variation und bleibt im Midtempo.

„Amp el cap ben alt“ gibt mächtig Gas und begibt sich schon leicht in die Grind-Gefilde (bei nur knapp über zwei Minuten Spielzeit) mit Blastbeats in Maschinengewehr-Manier, flirrenden Gitarren, gepressten Growls und quietschigen Rückkopplungen. In den gemäßigteren Zwischenpassagen galoppiert das Schlagzeug munter voraus.

„Sota la creu de gentil“, „El culte“ und „De Dalt del campanar“  bleiben dem Muster treu und wechseln zwischen tief-dunklen Brutal Death Parts und fixerem Geknüppel. Musikalisch feiner ist das Ganze stets im etwas gebremsteren Tempo, wenn die Riffs nicht vom Gewirr der hastigen Tonfolgen verschwimmen und der Groove etwas zum Tragen kommt. Auf „El buit“ lassen der Bass und Soundexperimente wie voll aufgedrehte Regler die Trommelfelle beben, die Growls/Screams fauchen aus den hinteren Reihen des Dröhnens.

Alles in allem haben die Spanier hier den Extrem Metal nicht neu erfunden, sondern bewegen sich in sicheren Gewässern mit einfach-scharfen Riffs und Songstrukturen, einem Sound, der nicht zu roh oder überproduziert ist, und genügend Härte, die durch die Blastbeats erzeugt wird. Fans können hier sicher nix falsch machen, aber vom Hocker wird es auch nicht jeden hauen.