OPHIS – The Dismal Circle
OPHIS-The-Dismal-Circle-COVER-500x500-WWWGenre: Death/Doom Metal
Label: FDA Records
Veröffentlichung: 20.10.2017
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Die dunkle Jahreszeit kommt mit schweren Schritten auf uns zu und es ist Zeit, die Winterdepression wieder in Gang zu bekommen. Pünktlich zum Herbstanfang präsentiert das deutsche Doom/Death-Quartett OPHIS aus Hamburg ihre neue Scheibe der Düsterkeit. Auf dem Cover des bereits vierten Longplayers ist schon der trübselige Strudel in einem Erdloch zu sehen, in den verlorene Seelen gezogen werden, um am Ende eine endlose Treppe zu bezwingen, die mit einem Licht am Ende des Tunnels lockt.

Der erste Song „Carne Noir“ dreht sich um die Verdammnis in der Hölle, die den sengenden Tod durch das Feuer bringt. Der Track beginnt mit einem schleppenden, tiefen und dunklen Riff, das einem letzten Marsch gleicht. Die Leadgitarre setzt mit einer schwermütigen schönen Melodie ein, bevor der kratzig-gurgelige Gesang hinzukommt, der mit viel Hall vernebelt wurde. Die Riffs sind repetitiv, halten sich aber an ein durchgängiges Thema, das in Tonart und Schlagzeugrhythmus leicht variiert wird. Die Gitarren sind schön nach unten gestimmt, was dem Ganzen den deathigen Anstrich verleiht, ebenso wie die Growls von Sänger Philipp. Die wehmütig-schwerblütigen Melodien gehen sofort ins Ohr und erinnern an alte Tiamat. Zudem sind die Rhythmusgitarren von einem dröhnenden Bass untermalt. Gegen Ende drückt das Quartett noch einmal mächtig aufs Gas und erhöht die Geschwindigkeit für einen Doom-Track enorm, so dass wir uns mit einer Doubleblass im Death-Bereich wiederfinden, um nahtlos in eine weitere schleppende Phase katapultiert zu werden, die den Bogen zum Anfang findet.

„Engulfed in White Noise“ beginnt mit sanft-klingenden Gitarrenhöhen, im Hintergrund ein Weinen und Jammern eines schauerlichen Tantrums. Es folgen Paradise Lost-artige Riffs, die sich in tiefgestimmten Lagen bewegen, dazwischen im Vordergrund der rau-kratzige Gesang. Die Melodien sind simple-besonnen, aber wunderschön und ausgewogen, wenngleich sie sich zwischen Dissonanzen und Harmonien bewegen. Das Schlagzeug begleitet die Rhythmik der Gitarren, verziert durch Becken und Tom-Einsatz, was dem Track eine gewisse Dynamik verleiht. Das Tempo ist nicht zu doomig, gar nicht im Funeral-Bereich, sondern sehr wohl im Dark/Death anzusiedeln. Der Song klingt nach einem kurzen Akustik-Part mit gesprochenen Lyrics in die Aufnahme des ersten Anfangsriffs aus.

„Dysmelian“ beginnt wieder mit einem mächtigen Riff, das mit Schlagzeug-Variationen mit Toms und einigen Doublebass-Schlägen untermalt und geschickt von nur einem ganz kurzen Akustik-Part unterbrochen wird. Der Gesang changiert zwischen tiefen gurgeligen Growls und einer zweiten Tonspur mit krächzenden kehligen Screams. Der Song endet wieder mit dem Thema vom Anfang, das in einer Doppelspur eine Oktave tiefer von der zweiten Gitarre begleitet wird.

Die Lyrics von „The Vermin Age“ spucken verächtlich die Abscheu und die Abneigung gegenüber der verfaulten Welt aus, deren Bevölkerung als Plage und Ungeziefer bezeichnet wird. Die dunklen Riffs sind wiederholend und stellenweise recht groovig, die tiefe Basslinie wird überlagert von einzelnen Lead-Gitarren-Tönen, die das Thema bilden. Die Growls bilden einen düsteren Teppich, fast wie auf instrumentaler Ebene. Bis auf wenige Ausreißer bleibt der Track auf dem vorgegebenen Thema der eingängigen Riffs und variiert auch im Gesang nur wenig.

Der nihilistische suizidale Track „Ephemeral“ bewegt sich deutlich mehr in der Death-Ecke, aber natürlich in gewohnt gediegenem Tempo. Auffallend sind die hohen Melodie- und Akustikparts, die eine friedvolle und meditative Atmosphäre schaffen. Der letzte der sechs ausgedehnten Tracks „Shrine of Humilation“ ist wieder doomiger und schleppt sich leidend durch die bedächtigen Riffs mit mächtig Bass bis zu einem kurzen Aufbäumen eines Blastbeats, endend in einzelnen Gitarrentönen.

Insgesamt habe ich keine Idee, wo ich hier nun Punkte abziehen soll. Das Songwriting ist konsistent und kreativ-unverbraucht, die Lyrics nicht überladen, die Melodien sind wunderschön, der Sound perfekt austariert, der Gesang gibt die nötige Härte und jedes Instrument kommt zum Zug. Wahnsinns Scheibe, darf in keiner Sammlung fehlen!