Bier, Eier, Politik und böse Metaller – Interview mit TURBOBIER am 21.10.2017

Letztes Wochenende waren wir ja auf dem Turbobier Konzert in Ulm und haben die Gunst der Stunde genutzt, um uns mit dem charmanten Frontman der Band zu unterhalten und ihm ein paar Fragen zu seiner Beziehung zu Bier, Politik und Metal zu stellen.

SMV: Wir haben euch dieses Jahr bereits am Summer Breeze gesehen und haben uns gefragt, ob ihr lieber große Festivals oder kleine Club Gigs wie hier in Ulm spielt?

Marco Pogo: Beides hat seinen Reiz. Natürlich ist es so, dass bei einem Festival ganz viele Leute zusammenkommen und schon früh nachmittags dem Alkohol frönen, was wir prinzipiell gutheißen, aber auch so eine Club Show hat das Mega Flair, wenn die Leute, die dich am Festival gesehen haben dann in den Club kommen. Das ergibt für uns als Band viel Sinn, denn auf dem Festival ist die Distanz so groß und die Leute sind so weit weg. Hier schwitzt man ganz gut zusammen und Bier vereint ja bekanntermaßen die Leute ganz gut. Also so gesehen, würde ich sagen, am liebsten spiele ich ein Club-Festival.

SMV: Wie hat euch das Summer Breeze gefallen?

Marco: Ja geil! Wir waren ja dieses Jahr auf einigen großen Metal Festivals wie dem Summer Breeze, dem Wacken oder Full Metal Mountain. Das ist für uns super, denn die Metaller sind supernette, aufgeschlossene Menschen. Sie schauen zwar aus, als würden sie kleine Kinder essen und man kann schon mal Angst kriegen, wenn sie böse aussehen, im Gegensatz zu den Punkern, die ganz lieb aussehen.

SMV: Ich glaube, wir empfinden das ganz anders!

Marco: Gut zu wissen! Ich hab eher Angst vor den Metallern. Auf dem Summer Breeze sind ja aber nicht so viele Black Metaller, denn die sind viel zu besoffen, sich ihr Corpse Paint aufzutragen und schlafen dann in ihren Sesseln ein. Nein, prinzipiell sind die Festivals für uns geil, denn die Leute sind so aufgeschlossen und wir mit einem Schlag ganz viel Leute aus dem Metal-Genre erreichen, was auch irgendwie witzig ist. Und es ist toll, dass dann die Metaller auch zu unseren Shows kommen, wie auch Punker, Studenten und Ältere. Heute ist zum Beispiel eine Familie mit Vater, Mutter und neunjährigem Sohn da.

SMV: War das vorher noch nicht so, dass auch Metaller auf eure Shows gekommen sind?

Marco: Naja sicher geben die großen Festivals da einen Push. Das merken wir erst seit ungefähr einem Jahr, dass immer mehr Metaller kommen. Wenn wir noch öfter eingeladen werden, spielen wir vielleicht einmal Shows nur vor Metallern. Da hab ich aber dann vielleicht zu viel Angst und kann nicht mehr spielen (lacht). Ich kanns nur noch mal betonen, ich fürchte mich vor allen Metallern, nicht nur vor Black Metallern.

SMV: Vor uns auch?

Marco: Ja natürlich! Ihr macht ja ein Metal Magazin! Ihr seid ja der Inbegriff des Bösen! Mich wundert es, dass ihr noch kein Lamm geopfert habt.

SMV: Hast nicht den Typ vorhin gesehen, der so geblutet hat? Das waren wir. Haben versucht, ihm den Kopf abzubeißen, aber war dann nur ne Fleischwunde.

Marco: Das unterstreicht alle meine Vorurteile (grinst).

SMV: Unsere Redaktion interessiert sich naturgemäß dafür, welches deutsche Bier ihr am besten findet.

Marco: Das kann ich so nicht beurteilen, da wir nur Turbobier trinken. Stell dir mal vor, du hast einen Bauernhof, und hast deine eigenen Eier – gehst dann in den Supermarkt und kaufst dir fremde Eier?

SMV: Naja, wenn wir sechs Wochen auf Tour wären, würd ich mir das vielleicht mit den Eiern überlegen…

Marco: Na, dann musst halt genügend Eier haben!

SMV: Bei mir jetzt eher schwierig, mit den Eiern (lacht).

Marco: Das sollte jetzt nicht sexistisch klingen! (grinst) Natürlich trinken wir deutsches Bier, wenns hart auf hart kommt, aber ansonsten bleiben wir bei unserer Eigenmarke. Ist ja auch das beste Bier der Welt! Ich seh überhaupt keinen Grund, ein anderes zu trinken (nimmt einen Schluck aus der Flasche).

SMV: Naja, wir haben es ja noch nicht probiert!

Marco: Naja, ist ja nicht so, als ob ich in diesem Interview nicht schon fünfmal ein Bier angeboten hätte…

SMV: Du hast uns von hier eins angeboten. Ist uns schon aufgefallen!

Wir wollten auch noch wissen, was ihr, wenn ihr auf Tour seid, den ganzen Tag über so treibt.

Marco: Ist das eine ernstgemeinte Frage?

SMV: Vielleicht hätte ich „treiben“ nicht sagen sollen – ich hab auch aufgeschrieben „verbringen“.

Marco: Ich glaube es war Keith Richards, der sagte: „50 Jahre Rock ‚n‘ Roll und 49 Jahre warten“. Das ist auch bei uns so, wenn man ehrlich ist – wir warten sehr viel und warten und warten und trinken ab und zu ein Bier. Wir sind ja leidenschaftliche Nixtuer, uns macht das auch richtig viel Spaß. Wir haben seit neuestem einen Fußball im Tourbus, aber die Witterung ist ja jetzt auch schon wieder schlechter. Im Sommer spielen wir eigentlich die ganze Zeit Fußball. Wir sitzen aber auch viel im Auto und fahren durch die Gegend. Wir müssen ja immer recht weit fahren, weil von Deutschland aus gesehen liegen wir ja am Arsch der Welt. Also sitzen wir im Auto, warten, kommen an, trinken ein paar Bier, spielen das Konzert, feiern die Aftershow Party, völlig übermüdet in den Bus steigen und dann beginnt das Rädchen von vorne.

SMV: Wir wollten natürlich auch gerne noch ein paar politische Themen ansprechen.

Marco: Sehr gerne, ich bin ja ein sehr politikbegeisterter Mensch.

SMV: Wie habt ihr die Wahlen in Österreich erlebt?

Marco: Wir haben ja auch eine eigene Partei, die Bierpartei Österreichs – (wird unterbrochen).

SMV: Aber ihr habt ja gekniffen!

Marco: Wir haben nicht gekniffen, wir haben die Arbeit vermieden! (mit erhobenem Zeigefinger) Das ist nicht verwerflich, das kann ja jeder nachvollziehen, du musst das Unterschriften sammeln und auf die Behörde bringen und das ist alles mit Aufwand verbunden. Wir haben uns dann gedacht, wir als arbeitsscheue Wesen machen dann einfach weiter starke Opposition. Mit Blick auf die Wahlen bin ich mir sicher, dass wir viele Stimmen von Parteiflüchtlinge, die mit ihrer politischen Ausrichtung nicht mehr zurande kommen, abgreifen hätten können. Wir sind ja die einzige Alternative für Österreich.

SMV: „Alternative“ ist ja das Stichwort!

Marco: Das ist jetzt negativ konnotiert. In Österreich die Wahl war eine Wahl des Umbruchs und der besagte Rechtsruck, den man in Deutschland feststellte, war in Österreich schon viel länger da. Ich würd mich einfach freuen, wenn die Leute mit weniger Hass durch den Tag gehen. Ganz generell, nicht nur die Parteien in ihrer Diktion, sondern auch die Menschen im alltäglichen Miteinander. Denn was so im Moment abgeht, ist ja wirklich zum Kotzen. Aber für die Nationalwahl 2022 bin ich sicher, dass wir die absolute Mehrheit schaffen und alles unter 50 Prozent ist indiskutabel.

(Im Hintergrund fordert der einzig Organisierte und Zurechnungsfähige die Anwesenden auf, ihr Zeug zusammen zu packen, da der Laden schließen möchte)

SMV: Wisst ihr eigentlich, dass es in Deutschland auch eine Biertrinker Partei gibt und das schon vor euch?

Marco: Wir reichen Gesinnungsgenossen immer gerne die Hand zum freundschaftlichen Miteinander. Wir begreifen das als sehr befruchtend. Vielleicht wäre eine Koalition machbar – wenn sie an ihrem Namen arbeiten würden.

SMV: Ein paar Fragen haben wir noch, bevor ihr rausgeschmissen werdet. Welchen Song spielt ihr denn live am liebsten?

Marco: Boah, des is eine echt schwierige Frage, weil die Hitdichte bei unseren Konzerten so überproportional hoch ist. Wenn du jetzt nur Hits schreibst, und du denkst dir, das ist der beste und dann kommt der nächste und der is noch besser und so weiter. Vielleicht „Fußboiplotz“, der ist schon eine Hymne, nicht nur für alle Fußballfans, sondern für alle, die gern positiv mit einem Bier in den Tag starten. Auch unser politisches Manifest „Die Bierpartei“ ist sehr witzig, und auch der erste Song der Welt, der ein polizeifeindlicher Liebessong ist: „Verliebt in einen Kiwara“. Das hat vorher noch keine Sau gemacht – oder kennt ihr einen?

SMV: Mmmhh…, ne, ich glaub des is im Metal net so Thema. (lacht)

Marco: Ja, weil ihr euch nur mit Köpfe abreißen beschäftigt. Ihr müsst euch mehr mit Polizeihass auseinandersetzen.

SMV: Naja, oder mit Tod und Zerstörung.

Marco: Da schneiden sich unsere Tangenten.

SMV: Polizei kommt jetzt im Metal nicht so vor – höchstens bei Sepultura, die sind auch nicht so mit der Polizei befreundet.

Marco: (verschmitzt) Liegt das vielleicht daran, dass es im Metal viele Polizisten gibt?

SMV: Ich glaube nicht – vielleicht Lehrer – ich bin ja auch einer.

Marco: Das tut mir sehr leid für dich – aber jetzt nicht aufgrund deiner Profession, sondern wegen einer generellen Erwerbstätigkeit, die ich ja ablehne. Aber als Beamter musst du ja kaum was machen.

SMV: Um zu unserer Frage zurückzukehren – welcher Song kommt denn beim Publikum am besten an? Wir sagen dir dann auch unseren Lieblingssong, der dich sicher nicht überraschen wird.

Marco: Das ist auch schwierig, weil es wie es für uns schwierig ist, zu sagen, welcher Song der beste ist, ist das auch für das Publikum schwierig, wenn Hit after Hit rausgeballert wird. Aber ich würd sagen „I hoss alle Leit“

SMV: Das ist übrigens auch unser absoluter Favourit – so als Metaller.

Marco: Das dacht ich mir! (lacht) Vor allem lässt sich dieser Song immer mit einer schönen Ansage verbinden. Heute hat sich mein Hass völlig gegen unseren Backliner Christoph entladen. Ich such mir dann immer ein Opfer, unsere Crew besteht ja generell nur aus Opfern.

SMV: Was uns auch noch beschäftigt ist, mit welcher Band würdet ihr denn gerne mal einen trinken gehen?

Marco: Ich glaube, das wäre wohl Mötorhead. Seit Lemmys Tod wird das aber immer schwieriger, ich glaube, das wird nix mehr. Oder mit Rancid – kennt ihr die überhaupt? Eine legendäre Punk-Band, deren Alben ich inhaliert habe und vor fünf Jahren hab ich sie das erste Mal gesehen, und der Tim, der Sänger, ein richtiger Assi, könnte richtig viele Geschichten aus seinem kreativen Schaffen erzählen. Den Typ hältst du aufgrund seines heruntergekommenen Aussehens, naja, er hat halt einen Bart und keine Haare mehr, für einen Trucker.

SMV: Das trifft jetzt aber auch irgendwie auf ein Drittel der Metal-Szene zu…

Marco: Ja, da schließt sich wieder der Kreis!

(Die nächsten fünf Minuten versuchen wir verzweifelt zu beweisen, dass wir auch Punk-Bands kennen und scheitern kläglich. Wir müssen auf „Tote Hosen“ und „Ärtzte“ zurückgreifen)

Marco: Da kommt dann aber die Punker-Polizei und sagt, das ist kein Punk!

SMV: Ja, eine Metal-Polizei gibt es auch definitiv – Metaller sind da auch recht intolerant. (lacht)

Wir haben gesehen, du hast ja auch einen Danzig-Backpatch – Backpatches sind ja im Metal ganz wichtig – welche anderen Metal-Bands stehen denn auf deiner Playlist?

Marco: Also prinzipiell sind Backpatches sehr wichtig, aber ich bin viel zu faul zum Nähen. Wenn es das mit so ner Klebefolie gäbe, wäre das viel besser.

SMV: Wären vier Sicherheitsnadeln nicht mehr Punk-Style?

Marco: Ne, da rutscht dann mein Gitarrengurt drüber und ich ramm mir die Sicherheitsnadeln in den Rücken. Ich bin sehr wehleidig.

Metalbands: Slayer, ganz klar. „Raining Blood“ ist ein Album, das ich mindestens einmal die Woche höre, das bläst mich weg und ich hab sie jetzt schon zweimal gesehen, weil es so geil ist. Ich glaub, ich kauf mir sogar vom Gary Holt, der Gitarrist, der nach Hannemann kam – ich bin gar nicht so unbewandert im Metal, die Gitarre und spiel mit einer Slayer-Gitarre Turbobier Konzerte. Das ist eine rote, die aussieht, wie mit Blut beschmiert, eine komische Axt, aber ich denke, ich kann das tragen.

SMV: Kannst Du zehn Metalbands aufzählen?

Marco: Kreator, Slayer, Megadeth – ist Metallica Metal?, Anthrax, Insanity Alert – Freunde von mir aus Innsbruck, Thrash-Metal, ganz geil, Children of Bodom, Iron Maiden – ich muss sie schon auch mögen?- Apokalyptica?? – Sodom, Helloween – Ist Helloween Metal? – uuuuuunndd… (überlegt scharf) – Destruction – Tankard (wir helfen mal ein bisschen) – ja, die find ich geil!

SMV: Das sind ja jetzt vor allem Klassiker und viel Thrash!

Marco: Jetzt hab ich noch eine abschließende Frage an euch: Wenn Volbeat Headliner auf dem Wacken ist, quasi die Nickelback des Metals…

SMV: Metal???

Marco: Ja, wenn die Headliner auf dem Wacken sind, macht des Volbeat dann zum Metal?

SMV: Ist das die Frage?

Marco: Stimmt, des is eigentlich selbstbeantwortend, denn wenn wir auf dem Wacken spielen, sind wir ja auch noch kein Metal. Jetzt hab ich mich mit meinen eigenen Waffen geschlagen – Touché! Aber auf dem Wacken war es wirklich geil.

SMV: Aber ihr habt auch nicht gezeltet, oder?

Marco: (zögert) Also ganz ehrlich, ich habe seit ich 16 bin, dem Camping abgeschworen. Ich lieg schon gern in einem Bett – schuldig! Ich putz mir auch die Zähne und wasch mir die Haare. Ich fahr höchstens mal mit dem Einkaufswagen mit meinen besoffenen Freunden über den Parkplatz beim Supermarkt. Das Hotel in Wacken ist am Flughafen – da fährst eine Stunde!

SMV: Unfassbar!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Marco Pogo, der trotz der späten Stunde in Plauderlaune war und alle unsere dämlichen Fragen beantwortet hat. Wir hoffen, euch bald wieder in einem Metal-Kontext zu sehen! Vielleicht können wir euch ja überzeugen, dass wir nur selten böse sind.

Iris

Hier noch der Link zum Konzertbericht: Turbobier Konzert Ulm

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