EXPULSION - Nightmare Future
cover kleinGenre: Grindcore, Death Metal
Label: Relapse Records
Veröffentlichung: 14. Juli 2017
Bewertung: Schwach (4/10) 
Website: http://expulsionband.com/

Ich sehe mir das Albumcover von „Nightmare Future“ an und befürchte das Schlimmste, auch wenn ich jetzt noch nicht genau weiß, was auf mich zukommt. „Dystopie“ ist das erste Wort, das mir beim Ansehen des Artworks durch den Kopf schießt; es ist gruselig, verstörend und lässt der eigenen Fantasie Spielraum, immer unheimlichere Dinge darin zu erkennen. Man sieht ineinander übergehende, schmerzerfüllte Gesichter, unter anderem auch eine Gasmaske. „Ooookaaaaay“ denke ich mir und klicke auf das erste Lied.

„Total Human Genocide“ – was für ein sympathischer Songtitel. Ungefähr so sympathisch geht es auch weiter: Gitarren werden geschrammelt, bis ein kehliges „Uuuuuurgh“ den Song erst richtig in Fahrt bringt. Der schnelle, ballernde, rotzige „Gesang“ zwingt die Musiker dazu, ihre Instrumente in einem ebenso schnellem Tempo zu quälen. Würden die Gitarrensoli durch ihre unglaubliche Schnelligkeit nicht so unmelodisch klingen, hätten diese Potential; man muss aber zumindest etwas talentiert sein, um einen Song solcher Schnelligkeit zu spielen.

„Altar of Slaughter“ ist der zweite Song des Albums, bei welchem sich wieder die blumige Namensgebung von EXPULSION zeigt. Es wird direkt wieder mit einem kehligen „Uuuuuurgh“ eingestiegen, auf das eintöniges Geschrei folgt, von dem ich mit Glück die Hälfte verstehen kann, welches wiederum von hämmernden, ebenso eintönigen Instrumenten untermalt wird. Zwischendurch, wenn der Gesang aussetzt, ist die Melodie tatsächlich ganz okay, da diese dann endlich einmal Variationen aufweist und in einem aushaltbaren Tempo gespielt wird. Am Ende des Songs klingt es fast so, als würden sich zwei Stimmen überlagern; das ist, wie ich finde, ein interessantes Stilmittel, das ruhig öfter eingesetzt werden könnte.

Beim dritten Song stelle ich mir vor, wie jemand unablässig seinen Kopf gegen eine Wand haut, dabei wild um sich schlägt und irgendwelche Sachen kurz und klein haut. Ich frage mich, wie Konzerte der Band aussehen. Wie soll man dazu moshen oder headbangen? Da kriegt man doch innerhalb eines Songs schon einen Herzinfarkt. Respekt an die Fans und die Band – ein besseres Ausdauertraining gibt es wahrscheinlich nicht.

Das folgende Lied trägt den Namen des Albums und beginnt erstmal erfrischend „entspannt“ – so entspannt, wie es bei Grindcore wohl geht. Man könnte fast meinen, die Instrumente gingen anfangs ein wenig in Richtung Heavy Metal; jedenfalls sind sie gar nicht sooo scheiße. Innerhalb des Liedes steigert sich die Schnelligkeit natürlich wieder ins Unerträgliche; das Ende ist jedoch durch das Ausklingen der Melodie gelungen und hinterlässt einen gewollt gruseligen Eindruck.

„Funeral Bells“ haut einem direkt in die Fresse. Der Gesang erinnert mich etwas an Lemmy mit Kehlkopfentzündung (und nein, das meine ich nicht als Kompliment). Der schleppende, stampfende Übergang zum Refrain ist gut, das darauf folgende „Aoooooh“ klingt in etwa so, als würde jemand im Strahl kotzen. Sobald der Gesang aussetzt, ist das Lied halbwegs okay, auch wenn man sich wie in einem Horror- oder Slasher-Film fühlt. Am Ende sind Glockenschläge und Wind zu hören, die den Namen des Songs wieder aufgreifen und diesen damit abrunden. Dieses Stilelement ist wirklich sehr gut gewählt, um den Song zu einem stimmigen Gesamtkonzept zu machen!

Der Gesang im sechsten Song klingt einfach nur unmelodisch und so, als hätte keiner der Beteiligten Rhythmusgefühl. Ich fühle mich, als wäre ich Protagonist in „The Walking Dead“ und müsste vor einer Horde Zombies weglaufen. Das Ende ist vollkommen abrupt; vielleicht war ich zu langsam und mir wurde der Kopf abgebissen.

Der letzte Song von „Nightmare Future“ beginnt instrumental nicht schlecht, allerdings setzt der Gesang zu früh ein und macht mal wieder alles kaputt. Wiedereinmal ein eintöniger, unmelodischer, viel zu schneller Song. Aufgrund der Schnelligkeit bin ich mir erneut nicht sicher, ob Matt Olivo gut oder einfach nur schnell ist. Wie auch bei „Altar of Slaughter“ klingt es für mich so, als würde sich die Stimme des Sängers überlagern, was hier wieder geschickt eingesetzt worden ist. Beim langgezogenen, kehligen „Aaaaaaaaah“ am Schluss bin ich froh, dass ich das Album jetzt endlich zu Ende gehört habe, denn so langsam bluten mir wirklich die Ohren – und dass nach nur etwa 15 Minuten, die diese Platte lang ist.

Fazit: Bei den wortlosen Schreien des Sängers formt sich ein Bild in meinem Kopf: Matt Harvey stößt sich seinen kleinen Zeh an der Ecke vom Schrank und ist darüber so erzürnt, dass er diesen nun mit wüsten, schmerzerfüllten Beleidigungen überschüttet. Ungefähr so hört sich für mich das gesamte Album an. Kein Wunder, dass alle Songs des Albums eine Spielzeit von 1-2:30 Minuten haben – länger ist diese Anstrengung auch nicht auszuhalten. Besonders als Hörer nicht. Zugegeben: EXPULSION schaffen eine gruselige Atmosphäre, die dem Titel des Albums, „Nightmare Future“, gerecht wird. Einige ihrer Stilmittel sind wirklich klug eingesetzt und unterstreichen die Songs auch inhaltlich. Die Schnelligkeit jedes Songs und die Art des Gesangs sind für mich persönlich, die nichts in diesem Bereich des Metals hört, jedoch so unerträglich, dass ich mich wirklich frage, wer freiwillig dafür bezahlt, 15 Minuten angeschrien zu werden. Und da bin ich wahrscheinlich nicht die Einzige.