DEADFREIGHT OF SOULS – Tortured Puppets
Dfos_Tortured_Puppets_Cover_SquareGenre: Death Metal /Deathcore
Label: Kernkraftritter Records
Veröffentlichung: 20.10.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Vielleicht habt ihr ja letztens unseren Festivalbericht zu „The Day The Dead Walked V“ in der Ballonfabrik in Augsburg gelesen – dann ist euch auch nicht entgangen, dass dies auch gleichzeitig die Release-Party der neuen Scheibe von DEADFREIGHT OF SOULS gewesen ist. Nach ihrer ersten EP 2014 erscheint nun der erste Longplayer, mit dem sie sich auch einen Plattenvertrag sichern konnten. Die neue Scheibe führt sie etwas weg vom ursprünglichen Metalcore zum klassischen Death Metal. Da sie mich definitiv live überzeugen konnten, habe ich mir mal das Album der sympathischen Jungs aus dem bayrischen Augsburg zu Gemüte geführt, denn lokale Bands sind ja bekanntlich die wahren Helden.

Nach einem kurzen „exorzistischen“ Intro startet die Platte mit dem Track „Angeli Apostatae“, der zwischen schleppenden Midtempo-Passagen und doublebasslastigen Parts wechselt. Die abgrundtiefen Riffs sind abwechslungsreich gestaltet, die Leadgitarre steuert leichte Melodien bei. Besonders der Gesang, der zwischen Growls und Screams changiert, sticht hervor und bringt Variation. Der nächste Track „Strain Relief“ drückt etwas mehr aufs Gaspedal und lässt dem wirbelnden Schlagzeug mehr Raum, das ansonsten wenig dominant in den Hintergrund gemischt wurde. Die Power bringt die basslastige Rhythmusgitarren-Bass-Kombi, die den Hörer in die finstren Abgründe der Tonleiter führt. Sänger Andi growlt, keift und screamt hier, was die Stimmbänder hergeben und liefert die nötige Räudigkeit. An ihre Vergangenheit aus dem Metalcore erinnern bisweilen die breakdownartigen Verschnaufpausen, die zwar Tempo herausnehmen, aber auch den nötigen Groove verleihen, wie auch das eingestreute Basssolo.

Dass der Song „Grautöne“ deutschsprachig ist, wirkt heutzutage modern und erfrischend. Trotz des knurrend-gurgelnden Vocals sind die Lyrics teilweise recht gut zu verstehen. Hier wechseln sich Doublebass und verspielte, melancholische Melodien der flinken Gitarren mit den basslastigen Parts der tiefergestimmten Äxte ab. „Frenetic Crusader“ bedient sich im Hintergrund einiger Synthies, die ihres zu der beklemmend-drohenden Atmosphäre beitragen, ebenso wie die dissonanten Tonfolgen des mit unter drei Minuten eher knappen Songs.

„Incurable“ beginnt seinen Ritt durch die galoppierenden Riffs gemäßigt und nimmt nur langsam an Fahrt auf. Die Growls und die schleppenden Gitarren kriechen im Gleichschritt durch die Strophe, der Rhythmus variiert stark, bis der Song in der Mitte zu einem unheimlichen Halt kommt und nur noch geisterhafte Stimmen vor ein paar Rückkopplungen flüstern. Verhaltene Blastbeats und dissonante Gitarren unterbrechen die beunruhigende Stille wieder und spannen den Bogen zurück zum Anfang des Tracks. „Flagrancy“ unterbricht sich weniger oft, wechselt aber oft genug den Rhythmus, bevor er wieder eine klare Songlinie fährt. „Under the Sentence of Death“ präsentiert klassische Death Metal Gitarren, mit denen sich das Schlagzeug durch den Song prügelt. Die Gitarren frickeln sich die Tonleiter rauf und runter, der Bass folgt diesem Spiel zuverlässig. „Imbalance“ wartet mit einem spielerischen Interludium auf, das den Hörer an orientalische Beduinenstätten denken lässt und beweist, dass die Band ihrer Kreativität freien Lauf lässt. „Delusion or Reality“ sprengt das plätschernde Intro mit einem gewaltigen Riff, unterstützt von einem kraftvollen Schlagzeug. Im Folgenden battlen sich die Instrumente durch diverse Rhythmen, Breakdowns und variable Takte, wie auch im Titeltrack, der das Ende des Albums bildet.

Insgesamt zeigt das Album, dass die Jungs aus Augsburg vor Kreativität sprühen und das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Besonders Sänger Andi präsentiert in jedem Song seine weite Range, die Riffs sind abwechslungsreich, Schlagzeuger Jakob prügelt sich zu jeder Zeit problemlos durch die Komponenten seines Kits. Der etwas glattgebügelte Sound mag dagegen nicht so recht zur Gewalt der Riffs und des Gesangs passen. Auch würde ich mir mehr Geradlinigkeit im Songwriting wünschen, die durch durchgängige Melodien im Midtempo-Bereich die Stärken der Jungs hervorheben, die unbestritten sind.