HERTZSCHLAG - Reaktion
Herzschlag - ReaktionGenre: Deutschrock
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 17.05.2017
Bewertung: Durchschnitt (5/10)

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HERTZSCHLAG besteht jetzt schon seit etwas mehr als 20 Jahren und hatte in dieser langen Zeit viele Mitglieder die kamen und gingen, teilweise aber auch wiederkamen. Jedoch hat sie das nicht davon abgehalten, konstant Musik zu machen und am (Achtung: Wortwitz) Puls des Geschehen zu bleiben. So ist es auch zu dem aktuellen Album „Reaktion“ gekommen, dass mit seinen insgesamt 13 Songs gesellschaftliche Themen behandelt und kritisiert.

Der Opener ist zugleich auch der Titeltrack und startet mit einem fisseligen Gitarrenintro, das jedoch schon gut mit ordentlich Tempo vorlegt. Nach ein paar Takten der Einsamkeit steigen die Drums mit ein, bis schmierige Synthesizer das Gesamtbild auffüllen. Ohne zu zögern startet dann auch der Verse mitsamt Gesang, allerdings wirkt er für das Genre zu glatt, dafür bekommt er im Chorus stellenweise eine deutlich rauere Note. Der C-Part ist ja eigentlich immer ein kleiner Einschub, der zwar das Thema des eigentlichen Songs aufgreift, aber ein Stückchen weiterentwickelt und folglich anders klingt. Hier ist er nichts weiter als ein Abklatsch vom Verse. Ausgeglichen wird dies wiederum mit einem Outro, welches zum Abschluss nochmal voll auf die 12 haut.

Der Track „Halt Mich“ bietet als einzige Abwechslung Synthesizer, die den Anfang machen und sich nachher im Geschehen verlaufen. Der Gesang ist diesmal so luschig wie ein nasser Waschlappen und hängt recht unbeholfen in der Luft. Die scheinbar geliebten Synthesizer entdecken in der Bridge wieder ein wenig Tageslicht, was ihnen aber generell nicht so gut zu tun scheint, denn diesmal haben sie einen echt kitschigen Touch. Allerdings passt dies wiederum gut zum Chorus, da dieser mehr als nur ein wenig schleimig klingt und man auf die Idee kommen könnte, dass HERTZSCHLAG nur eine im Rockkostüm verkleidete Schlagertruppe ist.

Leider nimmt das „Grauen“ seinen Lauf und in Richtung Outro werden die Vocals wieder etwas rauer, was aber nichts Gutes tut, denn der Gesamtklang wird nur noch makaberer.

Zwischenzeitlich taucht beispielsweise bei „Wilkommen“ ein Piano auf, das jedoch recht schnell wieder die Fliege macht und kaum etwas an dem sonstigen Geschehen ändert. Allerdings sind bei diesem Song die Lyrics sehr aktuell auf die Flüchtlichgsthematik und die daraus resultierende Diskriminierung gegenüber allem und jedem der nur ansatzweise nicht in die deutsche Gesinnung passtn zugeschnitten.

„Schrei“ ist der wohl härteste Song der Platte und glücklicherweise nicht mit einer Anlehnung an den grausamen Ohrwurm von TOKIO HOTEL verbunden. Im Verse gibt es neben den üblichen, beinahe eintönigen Gitarren wohltuende geigenartige Klänge zu hören, wodurch der Part deutlich aufgepeppt wird, da er ansonsten viel zu dröge nach den eh schon recht ähnlich klingenden Vorgängern wäre.

Einen kleinen Ausbruch aus der Tristheit wagen die Jungs mit „Nie im Leben“, der Pop-, Ska- sowie Punk-Elemente erkennen lässt und eine ersehnte Abwechslung bringt. Nur leider musste ich feststellen, dass dieser frische Aufwind nur für den Chorus bestimmt war und danach ein weiteres Mal auf das alte Schema zurückgegriffen wird.

Ein weiterer Song der heraus sticht, mag wohl „Clown“ sein, nur ist es diesmal nicht ganz so gut gelungen wie „Nie im Leben“. Hier scheint anfangs nichts so wirklich zusammenzupassen und HERTZSCHLAG bewegen sich gefährlich nahe an der Grenze zum unglücklichen Chaos. Die Drums sind in der Half Time verfallen, während die Gitarren versuchen gefühlt 50 mal so schnell ihr Riff drüberzubrettern und das Ganze nur noch zu einem wackeligen Konstrukt werden lassen.

Insgesamt ist dieses Album vermutlich eine komplette Geschmackssache: entweder man steht voll dahinter oder man hört es sich einmal an und verliert kein Wort mehr darüber. Die Arrangements beziehungsweise der Songaufbau könnte gerne etwas komplexer sein, da so ziemlich jeder Song eine ähnliche Struktur aufweist und somit leider das Entdecker-Feeling kaputt gemacht wird. Der Gesang scheint sich oft nicht sicher zu sein, ob er jetzt schön ballern soll oder sich lieber hinter einem Vorhang versteckt, obwohl Simon ja zeigt, dass er was zu bieten hat.

Nichtsdestotrotz lässt sich nicht abstreiten, dass sie mit den behandelten Themen voll dabei sind und wissen was sie übermitteln wollen, auch wenn sie das manchmal mit einer sehr gewöhnungsbedürftigen Wortwahl tun.