DIKTATUR - La Voie Du Sang
diktatur_la-voie-du-sangGenre: Black Metal
Label: Melancholia Records
Veröffentlichung: 15.08.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Foudroyé
Mit einem rasanten, Blastbeat-gesteuerten Riff startet Diktatur in “La Voie Du Sang“. Wer sich bei Einsetzen des Gesangs und in den folgenden Minuten nun an Endstille erinnert fühlt, wird noch im selben Song eines Besseren belehrt: Nachdem sich in der ersten Hälfte harte, schnelle Passagen mit doomig stampfenden abwechseln, wird mit einem bisher unbekannten Riff das hohe Tempo gedrosselt, wobei die Double-Bass weiterhin regiert. Das folgende Solo, zunächst getappt, ist harmonisch und an die Grundatmosphäre angepasst. Das letzte Riff des Songs lädt zum Headbangen ein und spätestens, wenn nach einem Drop das Schlagzeug, dessen Rhythmus nun dem des Gitarrenriffs angepasst ist, einsetzt, dürfte jeder Kopf zumindest mitwippen. Dämonische Schreie beenden den gelungenen Song nach schnell vergangenen 6:30. Einziges Manko sind die ausgebliebenen Finessen an den Gitarren, aber wir befinden uns ja erst am Anfang des Albums.

L’Hymne à La Guerre
Auch hier starten wir wieder mit einem etwas entschleunigten, aber dennoch typischen Black-Metal-Riff, das angenehm be- und entschleunigt wird. Der Gesang wird hier rhythmisch gehalten, was sich über den größten Teil des Songs fortführt. Die neu vorgestellte Melodie der Gitarren erzeugt in Kombination mit dem Gesang eine sehr gute dämonische Atmosphäre. Das letzte Drittel ist sehr ansprechend gestaltet und lädt wieder einmal zum Headbangen ein, während die Riffs geschickte Übergänge erfahren. Das aprupte Ende des Songs erfolgt auch hier leider wieder viel zu früh.

Revélátion
„Revélátion“ steigt schnell und rasant ein und findet sich schnell in einer schönen Gitarrenmelodie wieder. Das Timing innerhalb der Band ist sehr gut, Tempowechsel sind passend herbeigeführt und gut akzentuiert. In der Mitte des Songs wird das Tempo merklich gesenkt, die gesamte Musik harmonischer und der Bass dominanter, was sehr gut in das Gesamtbild passt. Mit dem einsetzenden Gesang steigt das Tempo und der Song entwickelt sich weiter dazu, episch und der erste Höhepunkt des Albums zu werden. Hier stimmt alles: die Gitarrenarbeit, das bereits angesprochene Timing in der Band, die Drums und die hohe Abwechslung, die den Zuhörerer durch viele Emotionen führt. Bisher der beste Song des Albums.

Dernier Soupir
Der Einstieg in diesen Song gestaltet sich eher deathlastig, kommt aber schnell wieder in einem typischen Black-Metal-Schema an. Nach einem Rhythmus- und Riffwechsel findet man sich in einer schönen Doom-Atmosphäre wieder, die nach einem Break gekonnt von einer Führung durch die Kunst des Black-Metal-Riffings abgelöst wird. Der Gesang ist an jeder Stelle des Songs aggressiv und fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Schlagzeug, Gitarren und Bass sind auch hier technisch einwandfrei und leisten einen sehr schönen Beitrag zur Atmosphäre des Songs.

Legions
„Legions“ startet verhältnismäßig ruhig, dafür aber mit harmonischen Melodien und einem beruhigenden Basslauf, die mit dem Wechsel aus cleanem Gesangs und Screams die, meiner Meinung nach, schöne spirituelle Seite des Black-Metal demonstrieren. Die Temposteigerung wird geschickt und konsequent durchgeführt, wobei kein mit den vorherigen Songs vergleichbares Tempo erreicht wird, wodurch dieser Song zum durchschnaufen einlädt, ohne an Atmosphäre einzubüßen.

Larmes de Tranchees
Nach einem langsameren, harmonischen Riff starten Diktatur brachial und halten ein hohes Tempo aufrecht, ohne auf Melodien zu verzichten. Auffällig ist hier die starke Leistung an den Drums und am Gesang. Geschickt wird hier mit einer vermeintlichen Ruhepause gespielt, die nach nicht allzu langer Zeit wieder an Tempo und Aggressivität gewinnt und diese bis zum Schluss beibehält.

Interlude
Tribals und Sirenen geben sich die Hand und halten eine Atmosphäre der Spannung aufrecht, die auf neue Ausbrüche hoffen lässt.

Valse Macabre
Das erwartete Chaos bleibt anfangs leider aus, wird aber von einem ruhigen melodischen Riff wettgemacht, auf dem ein harmonisches Gitarrensolo gespielt wird – sehr schön! Doch das Chaos soll nicht ausbleiben: das Tempo steigt, ebenso die Aggressivität und mit dem Einsatz des Gesangs wird der Punkt erreicht, den “Interlude“ ankündigt. Unterbrochen wird das Chaos davon, dass die Gitarren im Hintergrund spielen, während aus vielen Stimmen der Gesang dämonisch hervorsticht, bevor der Song doomig endet.
La voie du sang
Wieder einmal wird das Bremspedal betätigt und mit einem langsamen, teilweise disharmonischen Riff gestartet, dass durch den Doublebass-Einsatz scheinbar beschleunigt wird. Doch das Tempo bleibt niedrig, während der Gesang zu spannungsvoll gestalteter Musik einsetzt. Die stampfende Atmosphäre wird von einem schnellen Riff mit Blastbeat-Begleitung unterbrochen, bevor eine lockere bass-dominierte Strophe einsetzt. Nach einem Break wird der Zuhörer in die Nargaroth-Songs des Jahreszeiten-Albums zurückversetzt, während die Atmosphäre zum Höhepunkt getragen wird. Schließlich endet dieser Song rasant mit sehr guter Arbeit an Gitarre und Gesang, die sich gegenseitig die Hand geben und somit trotz der höheren Dynamik die Atmosphäre der vorherigen Minuten beibehalten.

Revanche
Black-Metal-untypisch beginnt “Revanche“, aber schnell zeichnet sich auch hier die Marschrichtung ab: Tempo und Dynamik nehmen zeitnah zu und mit Einsetzen des Gesangs ist die Höchstgeschwindigkeit des Songs erreicht. Viel zu schnell wird das schöne Riff von einem ruhigen, aber nicht weniger gut ausgearbeiteten Part unterbrochen. Sogar die ruhigen Teile büßen in Kombination mit dem Gesang nichts an Atmosphäre und Spannung ein, sodass die gesamte Gestaltung wunderbar ineinandergreift. Ein langsames Moll-Riff, das später von einer Tremolo-gepickten Gitarre und cleanem, epischem Gesang überlagert wird, erzeugen eine großartige feierliche, aber dennoch schmerzhafte Stimmung.

L’Etendard Glorieux (Bonus Track)
Vielversprechend und bald schon Treibend kommt ein Bonus Track aus den Boxen, der von Anfang an einen sehr starken Eindruck macht. Dieser wird nicht getäuscht, das Tempo wird ebenso wie die Spannung stets hochgehalten, die Variation und gute Arbeit in den Gitarrenriffs und -melodien, die Präzision an den Drums und der gezielte Einsatz des Basses sind eine wahre Freude und der krächzende Gesang gibt das restliche dazu, sodass auch dieser Song durchgehend Spaß bereitet. Dieser Song bietet durchgehend erstklassiges Songwriting und mutiert zum besten Song des Albums.

Les Oublies (Bonus Track)
Der zweite Bonus Track fällt rasant und hart über den Zuhörer her und demonstriert anfangs noch einmal die Vielfalt des Black-Metal. Wieder gehen harte und ruhige Parts nahtlos ineinander über, der Gesang ist wie gewohnt stark, orientiert sich hier zusätzlich an der Melodie der Gitarren. Wenn der Song auch ab der Hälfte etwas monoton wirkt, wird er dennoch nicht langweilig, da sich immer wieder neue Facetten der Ausgestaltung offenbaren.

Die Franzosen Diktatur haben mit “La Voie Du Sang“ ein Black-Metal-Werk abgeliefert, dass seinem Genre alle Ehre macht. Nichts klingt hier abgedroschen oder erzwungen klischeehaft. Die Musiker haben sich durchgehend viele Gedanken um die Gestaltung ihrer Musik gemacht. Auch klanglich stimmt hier alles, kein Instrument geht unter oder klingt dünn, selbiges gilt für den durchgehend starken Gesang. Die Produktion ist sehr hochwertig, ohne dass das Feeling und der Klang eines typischen Black-Metal-Albums verloren gehen. Daher ein Album das durchgehend Spaß macht und ein aufwendigeres Review benötigte.