BRIQUEVILLE – II
a3773863843_10Genre: Post Metal / Doom
Label: Pelagic Records
Veröffentlichung: 22.9.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Kunst in jeglicher Form war schon immer ein Ausdruck von persönlichen Gedanken, die in Form von mehr oder minder verschlüsselten Worten, musikalischen Kompositionen oder Gemälden Ausdruck finden. Um eine Redundanz der Thematiken zu vermeiden, sind die Künstler gezwungen, möglichst kreativ und individuell vorzugehen. Für den einen gilt, je abgefahrener, desto besser, für andere verschwimmen die Chiffren, Anspielungen und Verschnörkelungen dann aber irgendwann zu einem unverständlichen Nonsens. Die belgischen BRIQUEVILLE präsentieren sich als Band ideenreich – auf der Bühne wie auch im Proberaum tragen sie nur goldene Masken, die ihnen Anonymität verleihen (und es gestatten, Mitglieder unbemerkt auszutauschen) und eine Konzentration auf die musikalische Darbietung erzwingen. Für die Veröffentlichung ihres letzten Albums vergruben sie 20 Kopien überall in Europa, die die Fans dann ausbuddeln konnten – ein großer Spaß sicherlich, so eine schmuddelige Schatzsuche. Jetzt präsentieren sie uns ihr neues Album und es ist sicherlich keine leichte Kost, was es da auszugraben gilt.

Das Album „II“ enthält insgesamt drei Titel, die sich alle über zehn Minuten erstrecken. „Akte V“ beginnt mit dröhnend-repetitiven Rhythmusgitarren inklusive Bass, die in einen Nebel von kreischenden Schrupp-Gitarren übergehen, Gesang sucht man auf der ganzen Scheibe mit der Lupe. Das Schlagzeug schafft es dann so allmählich durch eine Temposteigerung, das sich aufstauende Gewitter in einem Brummen zu entladen. Ein paar einzelne verhallte und dissonante Töne leiten über zum ersten richtigen Riff, das rau und rotzig daherkommt. Nach und nach steigen alle anderen Instrumente in der gleichen Façon ein. Das Schlagzeug ist zunächst spärlich-reduziert und unterstützt den mantrischen Charakter der flirrend-jaulenden Gitarren. Die sich gegenüberstehenden Riffs entwickeln sich nun gegenseitig weiter, kreisen aber beide um das angesponnene Motiv. Der Bass mutet soundtechnisch recht elektronisch an und ist nicht bis in die Untiefen gestimmt.

Der zweite Song „Akte VI“ (man bemerke die logische Namensgebung) erfüllt das Ohr zunächst mit einem sanft-alarmierenden Geräuschpegel bis der groovige Bass mit der Gitarre einsetzt. Man gewinnt das Bild von okkulten Beschwörern, die um den auf dem Albumcover abgebildeten Tierknochenhaufen im Fackelschein in ihren schwarzen Mantelkutten tanzen. Die Leadgitarre entwickelt eine einfache Melodie, die an antike Kulturen erinnert, das Tempo bleibt verhalten. Diese Tonfolgen werden allein in der Anschlagsgeschwindigkeit der Saiten variiert, so dass dem Track der meditative Charakter erhalten bleibt, auch mit der Geräuschkulisse eines leichten Regenschauers und im Echo verhallender Töne im Nebelvorhang, was als Zwischenteil dient und zum nächsten Riff führt. Natürlich hätte man den Song auch in mehrere aufteilen können, so bleibt allerdings der okkult-mantra-artige Charakter erhalten. Hier hört man zum ersten Mal sich stets wiederholende und stark verzerrte menschliche Worte, die in eine Art Gesang übergehen, allerdings ohne zu viele Lyrics.

„Akte VII“ beginnt ebenfalls mit drone-artigen Gitarrenklängen, die die Schmerzgrenze des Ohres durch ihre unsteten Dissonanzen reizen. Sodann steigen die dunklen Tomtoms des Schlagzeugs mit dem Bass ein. Eine elektronisch verhallte Stimme spricht klagend-verzweifelnde Worte auf, woraufhin Klavier-Keyboards im Einklang mit der Gitarre folgen, die sich dann verzerrt entlädt. Ein weiteres Interludium besteht aus elektronischen Naturgeräuschen, im Hintergrund ein Ticken. Es folgt ein erneutes hippieartiges Riff mit einem Schellentambourin, was in Drone-Geräuschen endet.

Die Bewertung des Albums ist nicht ganz so einfach, denn Kunst lässt sich ja bekanntlich nur im Kontext verstehen. Die Tracks sind alle nicht leicht verdaulich, setzen sich aber durch ihren repetitiv-meditativen Charakter durchaus im Ohr fest. Der fehlende Gesang ist für mich dennoch ein Manko – aber natürlich auch reine Geschmackssache. Für Doom und Drone-Liebhaber ist die CD unbedingt zu empfehlen, sie lässt sich tatsächlich auch gut nebenbei abspielen ohne allzu große Fragezeichen in den Gehörgängen zu verursachen.