WITCHERY – I Am Legion
Press_Cover_01Genre: Blackened Thrash Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 10.11.2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

Facebook

Bereits ihren siebten Longplayer veröffentlichen die Schweden aus Linköping mit „I Am Legion“ zum ungemütlichen Winteranfang. In der Besetzung der seit über 20 Jahren bestehenden Kombo finden sich Szenegrößen wie Jensen von The Haunted oder Sharlee D’Angelo von Arch Enemy, die mit ihren eigenen Bands eigentlich genügend eingespannt sind, trotzdem nach gut einem Jahr wieder ein Album am Start haben. Doch der Stil ist wahrlich ein ganz anderer. WITCHERY beschäftigen sich mit Okkult, Satanismus und Horror, musikalisch treten die Thrash-Einflüsse deutlich zu Tage. Bereits im Vorfeld bliesen die Nordmannen mit einem animierten, düsteren Video den eiskalt-frostigen Wind ihres Metals den Fans um die Ohren. Umso größer war die Neugier, ob das neue Album das Niveau der Single „True North“ halten kann.

Auf das rein instrumentale Intro „Legion“ von knapp über einer Minute folgt bereits der Superhit „True North“, der einen den grimmig-arktischen Atem Skandinaviens deutlich im Gesicht spüren lässt. Vorsichtige Orgeltöne leiten das Über-Riff des Tracks ein, das sich an Moll-Tönen entlang hangelt. Der Gesang von Angus Norder ist in seiner kraftvollen Rauheit einzigartig, er keift und gurgelt sich durch alle Höhen und Tiefen einer Black Metal Stimme. Den Ohrwurm-Refrain unterstützen feine Synthies wie aus einem Eiszapfen-Windspiel, mit verfrorenen Fingern gezupft. Verschiedene Gitarren-Soli wechseln sich ab, bevor es wieder in den basslastigen Refrain geht, der im Midtempo bleibt. Ein unfassbarer Song!

„Welcome, Night“ knüpft an das Gitarrenmuster an. Im Hintergrund baut sich durch die basslastige Rhythmusgruppe ein Soundteppich auf, der hypnotisch Spannung aufbaut. Der kratzige Sprechgesang rückt stark in den Vordergrund – „Welcome, Mr. Night, we’ve been expecting you“. Die Vocals, die gedoppelt und mit mal mehr mal weniger Hall versehen sind, verpassen dem Song den dämonischen Anstrich des Black Metals, die Instrumente fahren eher die rockige Okkult-Schiene, keine Double-Bass, kein Blastbeat, sondern grooviges Midtempo.

„Of Blackened Wing“ drückt etwas mehr aufs Gas, bleibt aber im Hoppel-Modus des Thrashs. Der Sound ist recht dumpf, vor allem die Bassdrum klingt sehr gedämpft, ebenso wie die Becken, so dass die Toms das Gros des Schlagzeugsounds ausmachen. Die Riffs im Song wirken etwas zerpflückt und scheinen zunächst etwas willkürlich aneinandergereiht zu sein. Zusammengehalten wird das Ganze durch die gut verständlichen Lyrics mit ihrem rollenden „R“.

„Dry Bones“ glänzt wieder mit groovigen Midtempo-Passagen, einem eingängigen Riff und einem schreiend-durchdringenden Solo. Der Refrain mit den gurgelnden Screams hat absoluten Ohrwurmcharakter. „Amun-Ra“ bewegt sich offensichtlich textlich im okkulten Bereich, der aber wenig nordisch anmutet. Hier ist das Schlagzeug treibend, wenngleich immer noch recht in den Hintergrund gerückt. Die Gitarrenläufe hasten bis zum ersten Break, der von deathig anmutenden Growls unterstützt wird und dann in ein flirrendes Solo übergeht. Der Refrain hat auf jeden Fall wieder Mitsing-Potential. „Seraphic Terror“ tritt ordentlich aufs Gas und prügelt sich gut durch die simple Riff-Struktur, die durch ein thrashiges Kreisch-Solo aufgepeppt wird. Der Midtempo-Part mutet hypnotisch an, gibt aber nur eine kurze Verschnaufpause.

Auf „A Faustian Deal“ beschäftigen sich die Schweden mit dem klassischen Goethe-Stück, in dem der Gelehrte Faust seine Seele an den Teufel verkauft. Die Strophe bietet melancholisch-düstere Tonfolgen, die sich in ein gediegenes Gitarrensolo aufschwingen, das eher verträumt wirkt. „An Unexpected Guest“ beginnt mit einer netten groovigen Basslinie, die von den restlichen Instrumenten dann übernommen wird, unterlegt von einem scheppernden Becken, bevor das Ganze in den Refrain geht. Allein der Gesang bricht aus der Harmonie des Songs aus. „The Alchemist“ startet mit Glockengeläut und ein bisschen Blastbeat, verzieht sich dann aber wieder in die Thrash-Ecke. Der Refrain ist dagegen düsterer gestaltet, bis sich die Strophe wieder munter durch den Rest prügelt.

Alles in allem kann das Album nicht ganz mit der Qualität der Single mithalten, auch wenn das vermutlich Meckern auf hohem Niveau ist. Der Gesang sticht in seiner Färbung und Power hervor, das Songwriting ist dagegen nicht immer rund und würgt den Flow an manchen Stellen etwas ab. Die blackigen Elemente gefallen mir natürlich besser als die flirrenden Thrash-Gefilde, aber das ist Geschmackssache. Trotzdem definitiv Daumen hoch!