DRAGONHAMMER - Obscurity (Review)
Dragonhammer kleinGenre: Power Prog Metal
Label: My Kingdom Music
Veröffentlichung: 27.10.2017
Bewertung: Gut (6/10)

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„Darkness Is Coming“ – langsam, aber sicher. Das Intro des Albums ist von sich nähernden Trommeln und Keyboardklängen geprägt. Wie es bei gutem Power Metal sein sollte,  wirkt es so, als würde man sich kurz vor einer bedeutenden Schlacht befinden. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Endzeitstimmung mit, die durch Glockenläuten untermalt wird. Es ist Zeit für einen letzten tiefer Atemzug, bevor das Spektakel seinen Lauf nimmt.
Song Nummer zwei startet mit leicht nervigen Glöckchen, die sich für mich irgendwie zu schnell anhören. Die Grundmelodie von „The Eye Of The Storm“ ist okay und wird besser, sobald dieses Gebimmel aufhört. Max Aguzzis Stimme wirkt etwas gepresst, schließlich auch rufend – typisch Power Metal. Der Refrain ist ganz gut, hat auf den ersten Blick aber nichts Besonderes. Die Strophen gefallen mir wiederum gut, da hier der Gesang im Vordergrund steht; die folgenden Gitarren halten sich zurück. Ab der dritten Minute folgt ein instrumentaler Part mit zu viel Gedudel. Die Gitarrensoli sind ganz gut, genau so wie der Gesang und das Ende.
Der Beginn des dritten Liedes erinnert fast an ein Banjo; die Gitarren und Drums setzen schnell ein, die Stimme des Sängers gefällt mir. Das langgezogene „Brother“ im Refrain ist cool, die Gitarren zwischendurch wirken allerdings zu „böse“ für das Gesamtkonzept. Die Gitarrenriffs, besser gesagt die generellen Instrumentalparts zwischendurch, sind nicht schlecht und lang, aber nicht zu lang. Es passt einfach alles gut zusammen. Am Ende folgt noch ein überraschender Stimmwandel, der einen neuen interessanten Aspekt in das Lied einbringt.
Der folgende Song bietet uns einen typischen Power Metal-Anfang, bleibt aber für meinen Geschmack etwas zu lang nur im Instrumentalen, wobei das Keyboard zu sehr in den Vordergrund tritt. Der Gesang ist ebenso gut wie die langgezogenen Wörter und der Refrain insgesamt. Die Rhytmusänderungen der Strophen gefallen mir, dass die Stimme im Vordergrund steht auch. Das folgende Gitarrensolo ist gut, das darauf folgende Gebimmel weniger. Höre ich da etwa eine Orgel? Sie spiegelt den Songnamen „Under The Vatican’s Ground“ super wider und der Gesang wirkt vor diesem Hintergrund wirklich episch. Der herannahende nächste Teil ist typisch für Powermetal, ebenso wie das „woooaaaaooo“ , das ein gutes, wenn auch kurzes Ende markiert und einfach passt.
Schnelle, fast schrammelnde Gitarren und ebenso schnelle Drums; der Gesang geht neben dem lauten Schlagzeug fast etwas unter. Er ist ansonsten okay, allerdings gefallen mir beim Refrain nur die clearen Parts wirklich. Insgesamt ist mir das Zusammenspiel fast etwas zu viel des Guten; das Gitarrensolo ist zwar okay, aber das Keyboard zu hell und beides zusammen ziemlich schnell. Das Ende ist fulminant und passt zu „The Game Of Blood“.
Töne, ähnlich denen eines Computers, sind zu hören. Der Gesang steht beim sechsten Lied eindeutig im Vordergrund, die Instrumente fungieren eher als Unterstützung und Pausenfüller. Der Refrain wirkt fröhlich, ja, hoffnungsvoll, obwohl es in den Strophen  bedrohlich zugeht. Harte Gitarren leiten den neuen Übergang  zu einer abwartenden Sequenz mit Synthesizern ein. Die Gitarre steht im Mittelpunkt und sie bringt richtige Headbang-Riffs hervor. Der Gesang setzt unvermittelt wieder ein und das Gitarrenspiel erreicht zum Ende seinen leider eher kurzen Höhepunkt.
Der siebte Song bietet uns einen direkten Start, dessen Melodiebestandteile mir wirklich gut gefallen. Es folgt ein langsamerer Übergang mit dem Keyboard und der Gesang füllt hallend die scheinbar entstandene Leere. Der Text ist klar verständlich, obwohl kurz vor dem Refrain die Stimme in der Lautstärke der Instrumente fast untergeht. Dieser wird durch das Wiederaufgreifen der Anfangsmelodie ziemlich cool und die kommende Gitarre wirkt ebenso abgespaced wie die Keyboardelemente. Diese werden wiederum vom klassischen E-Gitarren-Stil abgelöst und alle Instrumente als Gesamtkomponente beenden „Children Of The Sun“.
„Fighting The Beast“ ist typischer Power Metal: alle Instrumente legen einen schnellen Start hin und der Gesang setzt fulminant ein; er ist voluminös, fordernd. Man fühlt sich durch das gesungene „you“ persönlich angesprochen. Ein tragischer Übergang zum gelungenen Refrain, der wiederum Tiefe hat. Das langgezogene Wort am Ende ist cool und ich muss sagen, dass das Lied bis jetzt gut gelungen ist. Das Keyboard ist allerdings im Gegensatz zu den Gitarren zu schnell und deshalb nervig. Die Melodie passt, ebenso wie der Übergang zum letztem Refrain. Insgesamt ist der achte Song in sich geschlossen,  auch wenn das Ende recht abrupt ist. Aber das kennt man vom Power Metal ja auch so.
Das folgende Lied beginnt im Gegensatz zu den vorherigen Songs sehr viel ruhiger und  gitarrenlastiger. Der Gesang hat Tiefe und ist ruhig und nachklingend, was mir gefällt. Eine leise Melodie mit Geigen ertönt im Hintergrund und die einsetzenden Drums passen sich diesem ruhigen Tempo an. Die Lyrics stehen mit der Stimme im Mittelpunkt, weshalb der Songtitel gut herauskommt. Nach etwas über der Hälfte von „Remember my Name“ wird die Ballade mit klagenden Gitarrenklängen interessanter und ein melancholisches Solo folgt, das den Inhalt des Songs widerspiegelt. Es bleibt ruhig, am Ende wird der Titel mehrmals wiederholt und Drums werden mit eingesetzt. Zum Schluss sind noch einmal Geigen zu hören, für meinen Geschmack aber leider zu kurz.
Das letzte Lied bietet uns wieder ein Paradebeispiel des Genres: Keyboard und harte Gitarren dominieren, darauf wechselt die Melodie und die Stimme setzt dunkel und voluminös ein. Sie wird von den Instrumenten fast übertönt, ist aber gerade noch laut genug. Der Gesang verändert den Rhythmus zum Refrain hin, in dem choraler Gesang beim Wort „Obscurity“ einsetzt, der von Aguzzi noch ergänzt wird. Es folgt eine Veränderung der Melodie, die Gitarren bilden nun den Mittelpunkt, bis es zu einer Synthese mit Gitarren und Drums kommt. Doch auf einmal setzt die Gitarre dudelig und nervig ein, was überhaupt nicht zum Rest des Liedes passt. Ein instrumentaler Teil folgt, bis der Refrain wieder einsetzt. Das Ende ist ausklingend; die Stimmen und Geigen entlassen uns aus dem Song, wie in einem kurzen Outro.

Fazit: Dem Anspruch an Power Metal werden DRAGONHAMMER hier auf jeden Fall gerecht, auch wenn zwischenzeitliches Gedudel und Gebimmel von der Qualität der Songs ablenkt; das ist wohl leider der Prog-Anteil. Natürlich ist auch eine Ballade dabei, denn ganz ohne geht es eben nicht. Die Stimme von Aguzzi rockt und die Gitarrensoli auch, wenn auf übermäßig schnelle und hohe Töne verzichtet wird. „Obscurity“ ist somit ein gut gelungenes Album mit kleinen Höhen und Tiefen, das ich nicht explizit empfehlen würde, vom Kauf allerdings auch nicht abrate.