WE COULD BUILD AN EMPIRE - In This Place
we could build an empire kleinGenre: Progressive Rock, Alternative 
Label: Mighty Music 
Veröffentlichung: 08.12.2017 
Bewertung: Durchschnitt (5/10)

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Der erste Song des Albums, „All in this together“, startet mit jaulenden Gitarren, gefolgt von stampfenden Drums. Die Stimme des Leadsängers ist zuerst eintönig, wird dann aber gefühlvoller, was von der Melodie der Gitarren untermalt wird. Danach wird wieder in den chorartigen, monotoneren Gesang gewechselt. Die Solis der Gitarren sind gut, ebenso wie der hellere Gesang. Die folgenden Gitarrenriffs kommen unerwartet und sind gleichzeitig etwas unheimlich angehaucht. Es erklingen unterdrückte Stimmen aus der Ferne, wobei ich mich fragen muss, ob der Gesang rhythmisch zur Melodie passt. Zum Schluss denkt man, als zwei Stimmen einsetzen, dass der Song beendet sei, aber es geht noch mehrmals weiter. Das Ende ist meiner Meinung nach zu lang, denn es zieht sich ziemlich hin, auch wenn der letzte Satz das Lied schön abrundet.
Der folgende Song klingt für mich irgendwie unmelodisch. Er ist melancholisch, schleppend und langsam, wird mit der Zeit aber besser. Der Gitarreneinsatz ist strange. Ich denke andauernd „Ah, jetzt wird es endlich gut“ und kurz darauf: „Hä, was ist das denn jetzt schon wieder?“. Der Refrain ist (fast als einziges Element des Liedes) melodisch, die Zwischenparts sehr gitarrenlastig, was ja okay wäre, wenn die Melodie nicht so komisch wäre. Der Gesang wirkt, als würde man ihn durch ein altes Radio o.ä. hören, was ein interessantes Stilmittel ist. Die Wiederholung des Songtitels „Great Escape“ am Schluss gefällt mir, wobei mir das Lied insgesamt so vorkommt, als hätten QUEENS OF THE STONE AGE hier als Inspirationsquelle gedient. Leider kommen WE COULD BUILD AN EMPIRE jedoch nicht an die musikalische Qualität dieser Band heran.
„The Worry Of The Heart“ legt einen harten Start hin, die Stimme klingt ganz anders, aber auch cooler und steht, bis die Gitarren einsetzen, im Vordergrund. Der Song ist sehr eigen, denn der Refrain ist ziemlich hart und instrumental viel auf einmal, was einen krassen Gegensatz zu vorher darstellt. In den Übergängen sind die Gitarren zu viel des Guten. Der Gesang wird nun zur Flüsterstimme, was eine dunkle Stimmung erzeugt, und die Wiederholung des Songstitels ist unangenehm, weil es so wirkt, als hätte man mehrere Stimmen im Kopf, die gleichzeitig auf einen einreden. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Wechsel zwischen hart und wirr ein interessantes , wenn auch nicht unbedingt angenehmes Bild erzeugt, das harsch durch das abrupte Ende zerschlagen wird.
Lied Nummer vier beginnt mit einem Geräusch, das wie fließendes Wasser klingt. Eine einzelne Gitarre spielt in diesem leer klingenden Raum, ihre Töne verklingen einsam, bis diese mehr werden und anhalten. Die Grundmelodie von „On The Run“ ist cool, der Gesang okay. Zudem werden die Rhythmuspausen hier besser als in den vorherigen Songs eingesetzt. Nun sind Windgeräusche im Hintergrund zu hören – zusammen mit dem Anfang ist hier also kreativer als in den anderen Liedern des Albums gearbeitet worden. Aus meinem Bauchgefühl heraus erinnert mich das Ganze etwas an PLACEBO. Wo der Refrain einsetzt oder wann bleibt mir jedoch etwas unklar. Zum Ende des Songs kehrt die einzelne Gitarre zurück – und das ist gut so! Das Solo rockt. Alles, was hier nach passiert, ist richtig gut! Eine erst verzogene, dann rufende Stimme, die in diesem Kontext super klingt und ein Ende, das nur mit dem Wort „spacig“ beschrieben werden kann.
Es folgen ein langsamer Beginn, getragene Riffs, ein mittelschnelles Schlagzeug und eine Differenz von Drums und Gitarre, die auf mich bizarr wirkt. Die Stimme ist anders als vorher, sie wirkt wieder unrhythmisch, und über die ganze Dauer von „In This Place“ wundere ich mich über die komische Konstellation der Klänge und Rhythmen. Nach einem Drittel wird durch den Ausruf „Oh, I feel“ endlich so etwas wie Rhythmus nachvollziehbar. Dies hält jedoch nicht lange an, denn die Komposition des sehr langen Liedes klingt direkt danach wieder komisch. Tatsächlich überlege ich nach drei Minuten, das Lied zu skippen, weil dieser in meinem Kopf zu unangenehm klingt und kaum zu verarbeiten ist; das Zuhören ist hier wirklich anstrengend. Zum ersten Mal in diesem Album kommt der Bass wirklich zum Tragen; aber leider jaulen die Gitarren ihre Soli in mein Ohr und werden mit der Zeit immer quietschender. Der Gesang überlagert sich und klingt somit für mich schon fast schrecklich; es ist wirklich unangenehm und nervig für mich, den Rest noch über mich ergehen zu lassen und ich habe eigentlich keine Lust mehr, weiterzuhören. Die Textpassage „In this Place“ wird zu oft wiederholt und Gitarren vergewaltigen weiterhin meine Ohren, bis ich endlich durch einen dunkleren Ton erlöst werde, der das Ende markiert.
Song acht hat wieder einen komischen, nervigen Anfang; die Grundmelodie gefällt mir nicht gerade gut. Mit einsetzender Härte der Gitarren wird es etwas besser, der Gesang im Refrain ist ziemlich gut, auch die verklingende Stimme im Hintergrund ist nicht schlecht. Nach einem zwischenzeitlichen, dudeligen Gitarrensolo klingt es wie ein anderes Lied; ich bin gerade tatsächlich ganz froh, mir „Astronaut“ weiter angehört zu haben. Das Duett im Refrain ist cool, den Klang des Liedes würde ich bei COLDPLAY  verorten. Die Melodie gefällt mir sehr, denn die harten Gitarren kontrastieren die ruhigere Stimme. Der Refrain wird mit jedem Mal, den man ihn anhört, besser. Der Songtitel „Astronaut“ wird gut transportiert und musikalisch nachvollziehbar wiedergegeben. Das Ende ist leider recht abrupt und den zusätzlichen Gitarrenpart halte ich für komplett unnötig; es wäre besser gewesen, durch die verklingende Stimme das Lied einfach langsam zu beenden.
Fazit: Diesem Album eine Gesamtnote geben zu müssen, fällt mir wirklich schwer. Denn viele Teile von „In This Place“ wirken auf mich so, als stünden sie einzeln für sich und nicht als ein Ganzes, was ein Album eigentlich tun sollte. Es gibt Lieder, die mir ziemlich gut gefallen haben und welche, die mir Kopfschmerzen bereiten und mich meine Augenbrauen zusammenziehen lassen, je länger ich sie höre. Sogar innerhalb mancher Songs wechseln sich Begeisterung und „Ekel“ ab. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb ich zwei Lieder des Albums komplett außen vor gelassen habe, denn diese sprachen nicht wirklich für sich. Ich habe das Gefühl, dass WE COULD BUILD AN EMPIRE ihren Stil noch nicht ganz gefunden haben und deswegen an einigen Stellen zu viel experimentieren; an anderen wiederum zu wenig. Die Schweden haben noch einiges an ihrer Musik zu feilen, zumindest, wenn sie für eine breitere Masse tauglich sein soll; falls nicht, und falls man sich als Fan mit viel jaulenden Gitarren anfreunden kann, bleiben die Prog-Rocker wohl auf lange Sicht einem kleinerem Publikum vorbehalten.