CHELSEA WOLFE – Hiss Spun
Chelsea Wolfe - Hiss Spun Cover 3000x3000 300 dpi (1)Genre: Experimental Doom Metal
Label: Sargent House
Veröffentlichung: 22.9.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Künstler fühlen sich naturgemäß in den meisten Fällen in den ihnen aufgedrückten Kategorien eingeengt und in ihrer Individualität und Kreativität eingeschränkt. Für Konsumenten dagegen ist das eine einfache Möglichkeit, den Überblick über die Flut an Veröffentlichungen zu bewahren, außer es handelt sich sowieso um Namen, die bereits ihre eigene Marke sind.

Die amerikanische Sängerin und Songwriterin CHELSEA WOLFE, die bereits Musik für The Walking Dead oder Game of Thrones ablieferte, legt bereits ihr fünftes Studioalbum vor und fordert damit wieder den Hörer heraus, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Die Songs leben natürlich von ihrer zarten elfengleichen Stimme, die oft nur zaghaft die Worte mit einem leichten Vibrato haucht, ohne sich zu sehr anstrengen zu müssen oder die Kopfstimme zu bemühen. Der Hall verleiht dem Gesang eine Portion Mysteriösität. Auf „Vex“ gibt es zusätzlich männliche Growls, die den nötigen Metal-Glanz verleihen. Zu den nachdenklichen teils folkig, teils rockigen Gitarren, die mich zum Teil an Soundgarden erinnern, gesellen sich düstere Synthies (Interludien), ein zurückhaltendes, beckenlastiges Schlagzeug und ein griesgrämiger Brummel-Bass. Die Verzerrung der Gitarren schaukelt stetig auf und ab, man weiß nie, wie sich der Song entwickeln wird.

Den Doom Faktor erhält das Album vor allem durch das bedächtige Tempo und die teils stark basslastigen Rhythmusgitarren und den nicht alltäglichen, introvertierten Gesang von CHELSEA WOLFE. Der Sound ist weit wenig von klinisch glasklar, aber trotzdem nicht zu randspartenmäßig. Dass es sich aber um kein reines Metal-Album handelt, machen die eher rockigen Songstrukturen aus, die auf Soli und Melodiebögen größtenteils verzichten. Für die Metal-Fraktion werden sicher die etwas krachigeren Passagen (Anspieltipp: „Twin Fawn“) was sein, aber vielleicht lasst ihr euch auch einfach von den elfengleichen Worten der Druidin besänftigen, die Geschichten aus dem Leben zwischen Licht und Dunkelheit erzählen. Da Kunst nun mal polarisiert und experimentiert, ist eine objektive Bewertung hier ausgeschlossen, aber persönlich kann ich hier definitiv eine Empfehlung aussprechen, wenn ihr auch einmal etwas weniger Ohrenbetäubendes vertragen könnt.