THE HIRSCH EFFEKT + PEROPERO – Hamburg – Molotow – 11.11.2017

Im August veröffentlichten die Jungs von THE HIRSCH EFFEKT ihr viertes Album „Eskapist“, welches sich vom Sound deutlich von der Vorgängertrilogie unterscheidet und so etwas wie Genregrenzen völlig außer Acht lässt. Nach fast acht Jahren Bandgeschichte, ist eine schöne Entwicklung zu sehen, die man sich für jeden Künstler wünscht und dies wurde in ihrer Heimatstadt Hannover anscheinend besonders geschätzt, denn das Konzert dort war verhältnismäßig schnell ausverkauft.

Als Support spielten in Hamburg die Österreicher PEROPERO, die genau wie der Hauptact, vor kurzem eine neue Platte veröffentlicht haben, die auf den Namen „Lizards“ hört. Den Stil können sie selbst auch nicht so richtig definieren, es ist eine bunte Mischung aus Synthesizern, Progressive sowie Stoner Rock, die durch die charismastarken Jungs die Kirsche auf der Sahnehaube verliehen bekommt.

Als der Gitarrist von PEROPERO das erste mal auf der Bühne zu sehen ist, weiß man nicht so recht, ob er nur ein verirrter stilsicherer Hipsterschamane, gefangen in ein paar Lichterketten ist oder ob er tatsächlich zur Veranstaltung dazu gehört. Sobald dann aber der Drummer, ebenso extravagant gekleidet, mit auf die Bühne kraxelt, ist klar, dass dies wohl die Vorband ist. Allzu bekannt ist sie dem Publikum allerdings nicht und während der ersten paar Songs wird mit dem zufriedenen Kopfnicken gespart.

Aufgrund des kürzlichen Releases wurden Singles wie „Tongue“ oder „Ehm“ natürlich mit Stolz präsentiert, auch wenn womöglich nur ein Bruchteil des Publikums zwischen neu und alt unterscheiden konnte, trotzdem aber die künstlerische Darbietung voller Präzision genoss.

Doch obwohl das Duo keine große Publikumsinteraktion startete oder lange Reden schwang, haben PEROPERO zumindest gegen Ende alle mit ihrer eigenwilligen Musik überzeugt und sicherlich ein paar neue Fans dazu gewinnen können. Denn live sind die Jungs nicht nur eine Augenweide, sondern bieten hochqualitative Musik, die man sich auch gut als völliger Neuling anhören kann, ohne einen Knoten im Kopf zu bekommen.

Bis zur Umbaupause Publikumsgröße noch recht überschaubar, doch dann holt man sich mal eben kurz ein weiteres Bierchen um Wartezeit zu überbrücken, dreht sich wieder um und steht in einem gefüllten Molotow. Da kommt es schon einer Herausforderung gleich, sich bis ganz nach vorne zu kämpfen.

Als man dann endlich die ersten Töne von „Lifnej“ vernimmt scheinen alle wie gefesselt mit den Augen an der Bühne zu kleben. In den ersten Reihen beginnt dann auch die Party, während die Zuhörer drumherum lieber beim wilden Kopfnicken bleiben, anstatt sich zu den tanzenden Leuten zu bewegen.

Mit gezielten Übergängen zwischen den einzelnen Songs leiten THE HIRSCH EFFEKT durch die Setlist, die eine gute Abwechslung zwischen aktuellen Singles und alten Goldstücken bietet. So kommt jeder auf seine Kosten, wobei es womöglich egal wäre, was für eine Wahl das Trio getroffen hätte: die familiäre Fanbase hätte auch eine reine Covershow im Hirsch-Stil gefeiert.

Stellenweise haben THE HIRSCH EFFEKT die Songs mit ein paar neuen Takten aufgefüllt  und zudem noch ausreichend instrumentale Parts einfließen lassen, in denen man das Talent der Jungs in vollen Zügen genießen konnte. Und dass das Trio genug Ideen dafür hat, zeigt sich in beinahe jedem Song, selbst wenn es nur mal ein paar Takte sind.

Zum Schluss wurde dann sogar noch eine zweite Zugabe drangehängt, da sowohl das Publikum als auch die Band einfach nicht zum Stillstand gebracht werden konnten. Der finale Song „Datorie“ wurde nur von Sänger Nils und seiner Akustikklampfe performt, während der Publikumschor lauthals mitgesungen hat.

Dementsprechend war es ein sehr gelungener Abend, in vertrauter Atmosphäre und mit zwei super Bands, bei denen es Spaß gemacht hat, einfach nur anwesend zu sein. PEROPERO konnten mit ihrem eigenwilligen aber dennoch liebenswürdigen Konzept überzeugen und hätten für THE HIRSCH EFFEKT keine bessere Vorband sein können.

Die Stars des Abends haben danach den Laden nur noch weggefegt und das trotz keinem einzigen Circle Pit, was man auch erst mal schaffen muss. Allein schon wegen der Stimmung und der Interaktion mit dem Publikum, sollte man sich die Jungs mal live anschauen, von der musikalischen Darbietung ganz zu schweigen.

Was mit der Zeit allerdings dezent gestört hat, war, dass der Gesang im Verhältnis zu den Drums einfach zu leise war. Man hat zwar schon was vom Text mitbekommen, aber es war einfach zu wenig. Nichtsdestotrotz konnte diese kleine Schwäche, die Qualität des Abends in keinster Weise mindern.

 

Setlist von PERO PERO:

  1. The Royal Banquet Hall
  2. Ehm
  3. Lizards
  4. Interlude
  5. Milk
  6. Tongue

 

Setlist von THE HIRSCH EFFEKT:

  1. Lifnej
  2. Agnosie
  3. Cotard
  4. Inukshuk
  5. Ligaphob
  6. Lentevelt
  7. Laxamentum
  8. Xenophotopia
  9. Berceuse
  10. Tardigrada
  11. Mara
  12. Athesie (Encore I)
  13. Agitation (Encore I)
  14. Datorie (Encore II)