SÓLSTAFIR – Hamburg, Grünspan – 17.12.17

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Die Namen der Bands lassen auf einen nordisch-atmosphärischen Abend schließen und genau so war es auch. Wer nun aber denkt, dass das Publikum deswegen einfach nur starr und mit verschränkten Armen vor der Bühne stand, irrt sich.

Eine halbe Stunde nach Einlass kamen ÁRSTÍÐIR auf die Bühne. Mit ihrem vor allem akustischen Set fielen sie instrumental gesehen minimal aus der Reihe, aber von der Atmosphäre passten sie perfekt zum Line-Up. Zunächst war der Saal noch nicht komplett gefühlt, doch nach und nach zog es die Leute vor die Bühne, denn den Jungs konnte man sich nicht wirklich entziehen. Nach dem dritten Song kam der Schlagzeuger von SÓLSTAFIR hinzu und unterstützte die Band an der Perkussion. Zwischendurch erklärte die Band, dass sie an einem neuen Album bereits arbeite und daraus schon neue Songs präsentieren möchte. Somit kam das Publikum in den Genuss von brandneuen, noch unveröffentlichten Songs. Einzig schade war nur, dass die Mehrheit der gespielten Lieder an dem Abend englische Texte hatten, die isländischen hätten noch ein bisschen besser gepasst.

Nun ist MYRKUR an der Reihe. Es wird ein wenig düsterer und mystischer auf der Bühne. Zunächst singt Amalie allein, ihr Haar vom Ventilator verweht. Sogleich wird es ruhig im Saal und fast alle Gespräche verebben, weil jeder gebannt auf die Bühne starrt. Als zweites Lied folgt „Ulvinde“, welches von ihrem neuen, gelobten Album „Mareridt“stammt. Hier überrascht es, dass der Scream-Part ausgelassen worden ist. Doch im späteren Verlauf lässt die Dame auf ihrer Black-Metal-Seite freien Lauf. Da MYRKUR einige ruhige, nur auf ihrer Stimme basierenden Lieder präsentiert, ist das Flaschengeklirre von der Bar teilweise so laut zu hören, dass die Atmosphäre doch ein wenig darunter leidet. Weiterhin spielt Amalie bei einigen Songs selbst mal Gitarre, mal Trommel. So auch beim letzten Stück, wo sie nur noch allein mit der Trommel auf der Bühne singt. Wären wir Seemänner gewesen und sie die Sirene, wir wären alle an dem Abend an Felsen zerschmettert.

Nach einer kurzen Umbaupause betritt nun der Headliner des Abends die Bühne. Auch SÓLSTAFIR haben sich Unterstützung geholt, da nun der Keyboarder von ÁRSTÍÐIR der Band aushilft. Schon bei MYRKUR war der Saal recht voll und im Publikum konnte man Bewegung feststellen. Beides steigerte sich mit der Anwesenheit von SÓLSTAFIR noch einmal. Den Einstieg machte „Silfur-Refur“, gefolgt von „Ótta“ (mit Banjo versteht sich). Nach dem dritten Lied begrüßte Aðalbjörn das Publikum und stimmte es auf die kommenden Lieder ein. Neben neuen Songs waren natürlich auch Klassiker wie „Fjara“ auf der Setlist vertreten. Nach ebenjenem Lied sprach Aðalbjörn das Thema „Depressionen“ an und bat jeden, der jemanden mit dieser Krankheit kennt, für diese Menschen da zu sein. So widmete er „Bjáfjall“ all jenen, die mit der Dunkelheit zu kämpfen haben. Danach bat er das Publikum um Hilfe, denn es sollte beim nächsten Song auf Kommando schreien. Nach erfolgreichem Abschluss der Übungen wurde der letzte Song des Abends angestimmt, nämlich „Goddess of the Ages“. Bei diesem Song entschloss sich der Sänger samt Mikro ins Publikum zu begeben und bis zum Bartresen zu wandern, um sich dort draufzustellen und von dort aus zu singen. Geistesgegenwärtig hielt das Publikum das Mikrokabel hoch, damit niemand darüber stolpert und es sich auch nicht verheddert. Kurz danach machte sich Aðalbjörn weiter singend auf den Rückweg, schüttelte unterwegs Hände, machte Fotos mit den Leuten oder umarmte sie. Auf der Bühne zurückgekehrt hörte er damit nicht auf. Leider gab es keine Zugabe, doch die Band kündigte zuvor an, am Merch-Stand auf die Fans zu warten, um Autogramme zu geben und noch weitere Fotos mit ihnen zu machen.

An diesem Abend lief alles richtig: Der Sound war bei allen Bands wirklich sehr gut, alle drei Bands passten zur leicht mystischen, aber auch durchaus besinnlichen Atmosphäre dieses Konzertabends. Auch die neuen Songs von SÓLSTAFIR fügten sich sehr gut in die restliche Setlist ein, live sogar besser als auf Platte. Die Fans gingen sichtlich zufrieden wieder nach Hause. So dürfen nordische Motto-Abende gerne immer ablaufen.

 

Setlist:

  1. Silfur-Refur
  2. Ótta
  3. Lágnætti
  4. Ísafold
  5. Köld
  6. Hula
  7. Fjara
  8. Bláfjall
  9. Goddess of the Ages

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