CONFESSION BY SILENCE – Reach the Surface
Reach The Surface FrontGenre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 28.12.2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Nicht erst seit Trump ist wohl allen klar, dass unsere Welt im Untergang begriffen ist, sei es aus Sicht der Umwelt, der Politik oder der Menschlichkeit. Nicht verwunderlich also, dass sich sozialkritische Metalbands aus dem Genre des Melodic Death mit der düsteren Dystopie des Weltuntergangs und dem Niedergang der Menschlichkeit auseinandersetzen. Mit ihrem bereits zweiten selbstproduzierten Longplayer wollen sich die Jungs von CONFESSION BY SILENCE aus dem schönen Hamburg endlich in der Szene etablieren. Sie folgen soundtechnisch dem Fahrwasser der alten Göteborger Schule und haben diesen glasklar aufpoliert. Musikalisch sprüht das Album vor Spielfreude und Spielereien.

Das Intro gibt den Anfang der Reise vor, denn bevor ich „Reach the Surface“, muss ich doch erstmal eintauchen in die Metapher des Untergangs. Der erste Song „The Good Sheperd“ startet überraschend klassisch, man fühlt sich gleich zurückerinnert an „Whoracle“-Zeiten der untergegangenen Meister von In Flames: schnelle melodische Gitarrenläufe, ein wohl temperiertes und abwechslungsreiches Schlagzeug und mehr als nur eine Prise Bass. Ihren Fingerabdruck verpassen die Jungs ihren Songs vor allem durch die rauen Growls und das (manchmal etwas aufdringliche) Keyboard, dem an einigen Stellen Soli eingeräumt wurden. Ansonsten hetzt der Song angenehm die Noten rauf und runter.

„A Better Day to Die” changiert zwischen klassischem Melo Death mit harmonischen Melodien und moderneren Metalcore-Anleihen mit ihrem breakigeren Rhythmen. Jeder Musiker nimmt abwechselnd das Zepter in die Hand und führt die übrigen Instrumente durch den Song, mal ist es das Piano-Keyboard, mal die schruppigen Saiten des Basses, mal die galoppierenden Leadgitarren. In den ruppigeren Passagen fühle ich mich eher an Konsorten wie The Crown oder The Absence erinnert.  „Confess“ kramt wieder munter in der Wundertüte und vermischt treibende In Flames-Passagen, die sanft mit Synthies unterlegt sind, mit orchestral aufpolierten Parts, bei denen man auf den Frauengesang wartet, mit schroffen Growls, die eher an The Haunted erinnern. Das klassische hochtönige Solo fehlt aber natürlich ebenso wenig, so dass insgesamt auf das erste Hören der Wiedererkennungshook durch zu viel Angebot fehlt.

„Autumn Child“ bewegt sich eher im Midtempo-Bereich und bietet einen catchy Refrain, der an modernere In Flames wie zu „A Sense of Purpose“-Zeiten erinnert. Die Rhythmus-Gitarren bewegen sich hier eher in den mittleren Tonbereichen, während das obligatorische Gefrickel nicht fehlt. „Anyway“ gibt wieder hörbar mehr Gas und zeigt noch einmal deutlich die ausgewogene Produktion auf, die allen Instrumenten gleichberechtigt Raum gewährt, ohne überproduziert zu sein. Hier übernimmt das Keyboard an etlichen Stellen die Aufgabe der Leadgitarre und klimpert sich munter durch die abwechslungsreichen Melodien. Auf „Nothing To Say“ prügelt das Schlagzeug etwas mehr, die Gitarren sind grooviger gestaltet. Das Gitarren-Solo am Ende ist etwas eigenwillig gestaltet, bringt aber noch einmal Variation in den Song. Das ist definitiv mein Anspieltipp. „A Man’s Greed“ handelt zwar nicht ganz von Trump, aber von der Geldgier der Menschen und dem Konsum und Kapitalismus, die das moderne Leben beherrschen. Die virtuosen doppelläufigen Gitarren spielen sich in den Zwischenparts herrlich durch das Set, unterlegt vom schrummeligen Bass. Durch die vielen Einzelparts allerdings wirkt auch dieser Song etwas zerstückelt und braucht einen zweiten Anlauf, um mnemotechnisch Futter herzugeben.

„One Real World“ ist ein solider Song im Fahrwasser der vorherigen, wohingegen „Modern Requiem“ rein instrumental ist, aber nicht den Eindruck erweckt, dass etwas fehlen könnte. Hier fahren die Jungs noch einmal alles an Variation auf, was ihr Repertoire zu bieten hat. „Reach the Surface“ bietet groovige Passagen und – nennen wir es einmal – experimentelle Keyboard-Passagen, die dem Metal-Ohr jetzt nicht so taugen.

Insgesamt liegt hier ein sicherlich gelungenes Album von hörbar ambitionierten und technisch versierten, professionellen Musikern vor, das an vielen Stellen Spaß macht. Vielleicht ist es meiner persönlichen Abneigung geschuldet, aber auf die Keyboards hätte man gut verzichten können – die anderen Instrumente bieten genügend Spielereien. Der Sound dagegen ist schwedisch top, Hut ab für eine Eigenproduktion, die Songstrukturen sind mir nicht geradlinig genug, so dass die Songs vollgestopft sind mit (guten) Ideen.