WATAIN – Trident Wolf Eclipse
Watain_TWE_2018_CoverGenre: Black Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 5.1.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Meine ersten musikalischen Erinnerungen an WATAIN sind wenig klar und neblig, allerdings kann ich mich sehr genau an den Gestank erinnern, der von der kleinen Bühne unter Tage in München im Titanic City ausging, als die Schweden 2004 als Vorband von Dissection erschienen. Zunächst dachte ich, dass die Jungs vor mir so übel riechen würden, ich sah dann aber das Publikum fluchtartig die ersten Reihen verlassen. Ob sie tatsächlich für ihre Tour ihre Outfits in der Erde vergraben und verfaulen ließen, bleibt ungeklärt, Fakt ist, dass sie schon damals gern mit echtem Schweineblut und -köpfen hantierten, um ihr Image als trve Black Metaller aufzupolieren. Dass diese Tour den Niedergang der großen Dissection markieren und den Aufstieg von WATAIN einläuten würde, war keinem zu diesem Zeitpunkt bewusst. Musikalisch bewegen sich die Schweden, deren Sänger Danielsson ja auch kurzzeitig bei Dissection aushalf, in deren Fahrwasser, was die Melodien und die Komposition angeht, der Sound ihrer bereits fünften Langrille „Trident Wolf Eclipse“ orientiert sich aber eher am klassischen Black Metal, die schwedische Glasklarheit fehlt, es scheppert hier mächtig.

Ohne Vorgeplänkel wirbelt „Nuclear Alchemy“ von Beginn an über die wüste Welt und hält sich nicht wie der Vorgänger „Wild Hunt“ mit atmosphärischem Geplänkel auf. Das Schlagzeug klingt dumpf und hohl im Hintergrund, treibt aber die sirrenden Gitarren an, die von einem deutlichen Brummton des Verstärkers begleitet werden. Miss- und halbtönige Tonfolgen bestimmen die Melodie des Songs genauso wie das wütende Keifen des Sängers, der den Songtitel ins Micro geifert. „Sacred Damnation“ arbeitet mit Pauken und trommelnden Bassdrums, die Drumsticks fliegen über alles zur Verfügung Stehende, im Hintergrund ist eine Akustikgitarre (Synthie??) zu erhören, die Gitarren sind mit mächtig Effekt belegt, so dass eine kochend-gärende Soundbrühe entsteht. Der kehlige Gesang ist das i-Tüpfelchen auf dem Gift und Galle spuckenden Hass, der aus den schnellen Riffs sprüht.

„Teufelsreich“ beginnt etwas gediegener im Midtempo und erinnert mit den rhythmisch-wiegenden Gitarren wieder an die großen Dissection ohne diese jedoch zu kopieren. Die Zwischenpassagen geben etwas mehr Gas, aber die Doublebass hält den angenehmen melodischen Kurs, die soloartigen Gitarren kündigen das schnellere Tempo an. Sogar dem Bass wird hier etwas Raum gegeben, die Melodien voranzutreiben, so dass dieser Song Zeugnis eines extrem variablen Songwritings ist. Absoluter Anspieltipp!

„Furor Diabolicus“ wandelt zwischen blastbeatartigen Passagen und bombastischen Parts mit viel Gedöns. In der Mitte wird es ruhiger, bevor das Gitarrengewitter mit quietschenden Saiten wieder einsetzt. Hier gefällt mir, dass der Songtitel klar zu identifizieren ist – muss ja auch live zum Mitkeifen funktionieren. Ein bisschen schrilles Rückkoppeln als Outro kann ich akzeptieren. „A Throne Below“ eröffnet mit einem Black Metal-Teppich der Rhythmus-Gruppe, die Melodien des Songs bleiben trotz des Tremolo Pickings im Midtempo. In der Mitte des Songs wird’s schon fast groovig, die Leadgitarre tritt schön in den Vordergrund, der kehlige Gesang wird durch verschiedene Effekte verstärkt und wechselt sich mit den düsteren Melodien ab. „Ultra“ überrascht zu Beginn mit ungewöhnlichen Rhythmen, die gewollt neben dem Takt liegen. Blastbeats und schrille Sologitarren fehlen aber auch hier nicht. „Towards the Sancutary“ konzentriert sich wieder mehr auf das Tempo und weniger auf ausgefeilte Melodien, denen in der zweiten Hälfte in Form von hohen Soloparts der Gitarren Rechnung getragen wird. Ansonsten steht der geifernde Gesang von Danielsson im Fokus sowie das stürmisch brandende Schlagzeugspiel des Trommlers. „The Fire of Power“ bewegt sich noch einmal eher in maßvollem Tempo und lenkt mein Augenmerk erneut auf den brummenden rauschigen Sound, der in den Zwischenparts weniger auffällt als in den drängend fließenden Passagen. Auffällig sind hier ebenfalls die mächtigen Pauken und die leisen Akustikgitarren im Hintergrund, die noch einmal mehr Variation bringen.

WATAIN zeigen auf ihrer neuen Scheibe einmal mehr, warum sie zu den Größen des Black Metals gehören, und, dass sie hier keine Klischees zelebrieren, sondern die Inhalte und die Musik leben. Besonders gut gefällt mir, dass sie auf jegliche atmosphärische Schnörkel-Intro/Outro/Zwischenspiele verzichtet haben. Der Sound orientiert sich genretypisch an den Klassikern des Black Metals, mir persönlich ist er zu rauschig-matschig und übersteuert. Ein bisschen mehr Dissection hätte meinem Geschmack hier besser gefallen.