HAMFERÐ – Támsins Likam
Hamferd-TámsinsLikam_webGenre: Doom Death Metal
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: 12.1.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Das Cover des neuen Albums der Faröer HAMFERÐ zeigt die Klimax des konzeptuellen Albums: eine Frau wird von rasierklingenscharfen Spitzen durchbohrt, bevor sie vor den Augen ihres verlorenen Ehemanns tot mit dem mörderischen Schatten in das wilde Wasser sinkt. Die Texte erzählen die Geschichte eines Paares, das einen Sohn durch eine unheilbare Krankheit verliert und sich dadurch in der Trauer und Hilflosigkeit voneinander entfernt. Während der Mann in Selbsthass und seinem Wahnsinn versinkt, knüpft die Frau Bande zu einer mysteriösen Kapuzengestalt, die ihr in der Natur einen Halt gibt. Der eifersüchtige Ehemann folgt dem mutmaßlichen Paar und wird Zeuge nicht nur des Todes seiner Frau, sondern auch seiner eigenen Verfehlung wie auch dem Ende ihrer Verbindung. So berührend und bildhaft diese Geschichte, die legendenhaft anmutet und dem Credo der Faröer folgt, traditions-, heimat- und naturverbunden zu klingen, kann auch die musikalische Umsetzung beschrieben werden. Bereits der erste Song jagt dem Hörer Schauer über den Rücken und versetzt ihn in die verschiedensten Gemütszustände, auch wenn Faröisch zunächst unverständlich bleibt.

Der erste Song “Fylgisflog” (Flight for Procession) beginnt mit einem sanften, zunächst nachdenklichen Intro mit einer dissonanten Akustik-Gitarre und einem zarten cleanen Gesang, der sowohl in den Tiefen voll als auch in den Höhen klar und ohne Mühen erklingt. Im Hintergrund tasten sich streicherartige Synthies und ein verhaltenes Schlagzeug heran. Dies mündet in einen schmerzvollen und verzweifelten Teil, in den die verzerrten Instrumente in verhaltenem Tempo einsteigen. Erinnerte der Track zunächst an Opeth, habe ich nun Ophis im Ohr. Raue tiefe Growls wechseln sich mit hohen Clean-Vocals ab, die auf der einen Seite die Wut, das Entgleiten des Verstandes und die Verzweiflung repräsentieren, auf der anderen Seite transportieren sie das Gefühl der Trauer. Die Riffs sind nicht zu verspielt, schöpfen aber tonlich aus den Vollen.

Der zweite Song „Stygd“ (Cowardice) beginnt mit dumpfen TomToms und einem Chor im Hintergrund, die Gitarren verweilen auf zwei Halbtönen, um eine trübe Stimmung zu erzeugen. Diese dienen als Anker, zu dem die Melodien immer wieder zurückkehren. Das Tempo ist zwar trotz der schwarzen Anzüge der Herren noch nicht ganz im Funeral-Bereich, aber deutlich im Doom-Bereich, von Midtempo kann hier keine Rede sein. Im Verlauf des Songs entsteht eine feine Balance zwischen den Growls, die von dumpfen Trommeln und Rückkopplungen unterstützt werden, und dem cleanen Gesang, der von melodischeren Gitarren begleitet wird, um von spannenden Rhythmus-Wechseln unterbrochen zu werden.

“Tvístevndur meldur” (The Two-Headed Whirlwind) behält dieses Muster bei und changiert zwischen den schleppenden und deathigen Passagen und den zarteren Parts mit dem cleanen Gesang. Durch die vielen Rhythmuswechsel vor allem in den Zwischenparts wird die klare Linie des Songs immer wieder gebrochen, was die Gebrochenheit und den Wahnsinn des Protagonisten perfekt wiederspiegelt. Allerdings ist der Track viel zu schnell vorbei. „Frosthvarv“ (Fleeting Frost) beginnt wesentlich zarter und nachdenklicher, die Erkenntnis des Protagonisten über seine Verfehlung und die Sehnsucht nach den Anfängen der romantischen Beziehung wächst, schreiende Gitarren, dramatische Keyboards im Hintergrund und tiefe Growls führen zu einer zierlichen Piano-Passage, die den Track beendet.

„Alt syndrast“ (She Disintegrates) bildet textlich das große Finale, in dem die Frau von dem Schatten gepfählt wird. Dementsprechend zieht hier das Tempo merklich an, düstere Gitarren, unterstützt von einem wummernden Bass und aufgebrachte Growls dominieren bis der cleane Gesang mit den dramatischen Bässen einsetzt, der die Tragik der Situation wiederspiegelt. Der Track changiert wieder zwischen melancholischem Leid und giftigem Hass. Der letzte Song „Vápn í anda“ (Armed in Spirit) wartet zunächst mit einem atmosphärischen Akustik-Part auf, um nach vier Minuten zwar nicht an Tempo, aber an Intensität zuzulegen und dann mit einem bedächtigen und nachdenklichen Outro zu enden.

Das Album hat mich auf allen Ebenen berührt und mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken gejagt. Es bietet musikalische Abwechslung ohne an Ohrwurmcharakter einzubüßen. Jetzt schon eines der besten Alben des Jahres!