BATUSHKA – Bambi Galore / Hamburg, 25.01.2018

batushka 650x400

Es wurde mal wieder heiß im Bambi! Zu Räucherwerk, Hostien und rituellem Black Metal strömten letzten Donnerstag rund 400 Fans, Satanisten und solche, die es werden wollen, in den Kronensaal. Nach zwei sehr experimentiellen Musikdarbietungen brachten BATUSHKA den Saal zum Kochen – nicht nur durch Auslösen des Feueralarms.

Getreu dem satanischen Motto der Zeit zur Opfervorbereitung, die traditionell Ende Januar stattfindet, eröffnete TREPANERINGSRITUALEN den Abend mit einer Inszenierung, die musikalisch sehr an HAUS ARAFNA erinnerte. Alles was im Zuge dessen allerdings geopfert wurde, waren die Mägen der Fans, die von dem immer stärker werdenden Bass ordentlich durchgerüttelt wurden.
Auf einem kleinen Altar fanden sich neben ein paar schwarzen Kerzen und Hostien auch Räucherstäbchen, deren modrig-erdigem Duft sich die Nasen der vorderen Reihen nicht entziehen konnten. Das Bizarrste an dieser Darbietung war aber der schwedische Solokünstler Thomas Ekelund selbst: Etwa die Hälfte des Konzerts über verbarg er sein Gesicht unter einem Jutesack, aus dem nur sein langer Bart hervorlugte. In leicht gebeugter Haltung wippte er zum rhythmischen Playback aus Trommeln und kühlen Industrial-Klängen von einem Bein aufs andere und kreierte mit viel Hall auf den leisen Vocals etwas, das sich als Ritualmusik bezeichnen lässt.

Nach einer halben Stunde düsterer Mantras und teilweise übersteuertem Bass schien auch beim anfangs verhaltenen Publikum der nötige Trancezustand erreicht, um sich mit SCHAMMASCH musikalisch dem Headliner anzunähern. Die Schweizer warteten mit Widderschädeln auf zwei kleinen Altaren und langen Roben auf. Um den Übergang von elektronischer Ritualmusik zum handgemachten Black Metal nicht zu ruppig zu gestalten, schlugen SCHAMMASCH eine recht wacklige Brücke, die zunächst ein wenig an Darkwave á la ANNE CLARK erinnerte. Wieder lag sehr viel Hall auf dem Gesang, der zwischen Wispern, Sprechgesang und Chanting schwankte und von tiefen Trommeln und Akustikgitarre begleitet wurde. Als schließlich der typisch gutturale Gesang, E-Gitarre, Tempovariationen und Doublebass dazukamen, war der Black Metal aber deutlich erkennbar. Sehr schade waren sowohl die fehlende Interaktion mit dem Publikum als auch jene zähen Phasen von SCHAMMASCH, in denen sie weder mit atmosphärischen Soundwänden noch mit einer besonderen Bühnenshow überzeugen konnten. Trotzdem haben sie mit ihrer Musik einen guten Einstieg für BATUSHKA geliefert.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde Umbaupause glich das Bambi einer orthodoxen Kirche in rot-goldenem Gewand, und der verrauchte Saal erwartete mit merklicher Vorfreude die polnischen Black Metaller, die in ihrem katholischen Heimatland vor ihren Konzerten schon oft mit orthodoxen Christen ins Gehege gekommen sind. Blasphemie gewinnt mit BATUSHKA eine ganz neue Bedeutung: Die gesamte Bühnenshow folgte streng der orthodoxen Liturgie mit allem, was dazu gehört. Dabei distanziert sich die Band ausdrücklich vom Christentum.
Nachdem zu sakralen Gesängen einige Kerzen auf der Bühne angezündet worden waren, meldete sich noch während des Intros der Feueralarm. Das Flutlicht ging an, die Musik aus – und die Stimmung war zunächst dahin. Nach vier Minuten verflog der Gestank von verbranntem Plastik, das Licht ging wieder aus – und die Show weiter.
Mit dem Einsetzen der Drums kam nach und nach auch die restliche Hälfte der achtköpfigen Besatzung auf die Bühne. Barfuß, unter schwarzen Roben mit weißen okkulten Symbolen, ließ sich kein Blick in die Gesichter der Band erhaschen. Bis zum Schluss blieben bis auf den Sänger alle nahezu regungslos auf ihren Positionen stehen; nur die Hände schienen sich zu bewegen. Neben einigen umgedrehten Kreuzen – sowohl auf den Roben, als auch vor der Brust des Sängers geformt – verteilte er mit einem Turibulum zu melodischer E-Gitarre und den zunächst etwas blechern klingenden Drums Weihrauch über den Köpfen des Publikums. Dann läutete er mit sonorer Stimme auf Polnisch das Konzert ein.
2015 haben BATUSHKA das Album ‚Litourgiya‘ released, an das sie sich an diesem Abend, ganz im Sinne einer Liturgie, nach dem abweichenden Intro auch Song für Song hielten. Das Konzert war allerdings nicht nur im Hinblick auf die Bühnenshow ganz großes Kino, sondern auch musikalisch: Hier mischten sich kirchlicher Chorgesang und Glockenspiel mit klassischem Black Metal. Bei dem Song ‚Yekteniya III‘ klatsche der Saal das Glocken-Intro im Wechsel nach, was zusätzlich eine interessante Klangkomponente lieferte, bevor ein melodisches Sturmfeuer aus Doublebass und Shouts losbrach und die klatschenden Hände einem Meer aus fliegenden Haaren wichen.
Der Sound war während des einstündigen Konzerts gut abgemischt und mit kräftigem Bass bestückt. Die Wechsel zwischen zügigem Black Metal mit Doom-Einflüssen, Chanting und zeremoniellen Passagen haben die Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht und für Gänsehaut-Atmosphäre gesorgt. Wer in der ersten Reihe stand, bekam gegen Ende zur Abkühlung noch ein paar Spritzer Weihwasser ins Gesicht, ehe BATUSHKA die Bühne verließen.
Bis Mitte Mai gibt’s die Band nur noch in Polen und Schweden zu sehen, Festivalgigs wurden noch nicht bekannt gegeben, aber ein Konzertbesuch lohnt sich auf jeden Fall.