MANIGANCE - Machine Nation
MANIGANCE Machine Nation Cover 140x140Genre: Melodic Power Metal
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 02.02.2018
Bewertung: Durchschnittlich (5/10)

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Das sechsköpfige Melodic-Power-Metal-Gespann aus Frankreich bringt mit „Machine Nation“ ihr siebtes Studioalbum auf den Weg. Die Band besteht seit 2002 und will 2018 die europäischen Bühnen erobern.

Die Texte der Jungs sind durchweg auf Französisch und da meine Französischkenntnisse so ziemlich für den ‚poubelle‘ sind, kann ich mich nicht mit den Inhalten der Lieder auseinandersetzen. Aber hey, wenn man mal ehrlich ist, erwartet man im Power Metal eh keine tiefgreifende Poesie. Allerdings geben das Cover Design mit einem übel gelaunten Roboterschädel als elektronischem Erdkern und der Titel „Machine Nation“ Aufschluss über das Setting: Wahrscheinlich wird hier eine dystopische Cyber-/ Hightech-/ Industrie- Welt besungen. Also los geht’s …

… mit einem ziemlich unspektakulären Intro. Der Song besteht überwiegend aus pseudo-sakral wirkenden Keyboardklängen und Akustikgitarrengeklimper. Spannender wird es auch nicht, als dies in einen elektronischen Sound umschlägt. Schließlich vervielfacht sich die Geschwindigkeit des Riffs und das Schlagzeug setzt ein. Jetzt geht’s wohl los.

Das Riff leitet direkt den nächsten Song, „Face Contre Terre“, ein. Das schnelle Motiv wird allerdings bald von der langsameren Strophe abgelöst, welche wiederum vom schnellen Refrain überrannt wird. Die Tempowechsel ziehen sich durch das gesamte Stück – teilweise eher unvermittelt. Besonders in den Strophen wirkt der Gesang sehr breit, wenige Worte werden gefühlt unendlich lange gehalten. Außerdem werden immer wieder einzelne gehaltene Töne mit einem stilistischen Zittern in der Stimme verschnörkelt. Insgesamt singt Didier Desaux recht hoch, dabei fällt aber auf, dass die Tonhöhe nur minimal variiert und lediglich am Ende der Verse nach oben geht. Gerade in Kombination mit den breitgesungenen Worten und den gleichförmigen Drums kommt unweigerlich der Beigeschmack von Popmusik auf. Gegen diesen unschönen Beigeschmack hilft allerdings die Gitarrensoli-Mundspülung, die zweimal – in der Bridge natürlich besonders ausgiebig – angewendet wird. Hier beweisen François Merle und Bruno Ramos an den Gitarren ihr Können! Die Bridge wird außerdem durch die in den Vordergrund tretenden synthetischen Sounds des Keyboards eingeleitet. Kurz tauchen auch Pieps-Geräusche gleich einem zurücksetzenden LKW auf. Also wirklich, wenn das kein ausgefallener Effekt ist, um das Ambiente einer Industriewelt zu schaffen, weiß ich auch nicht.

Im Wesentlichen sind die anderen Songs der Platte sehr ähnlich zu diesem. Gerade der Aufbau von schmetternden Gitarren und packenden Motiven in den Intros der Songs, abgelöst von einer langsameren Strophe und einem wiederum schnelleren Refrain mit hohem Gesang und der Bridge mit dem obligatorischen ausgiebigen und technisch akkuraten Gitarrensoli zieht sich durch. Besonders bei diesen Gitarrensoli mit ihren auf- und absteigenden Tonläufen höre ich immer wieder Gollum in meinem Kopf: „Rauf, rauf, rauf, immer schön die Tonleiter rauf.“ Auch wiederholt es sich, dass in den Refrains einzelne Schlüsselbegriffe durch eine dunkle Chorusstimme aufgegriffen werden. Das Keyboard begleitet stets mit wahrscheinlich atmosphärisch gemeinten Soundeffekten, übernimmt aber so gut wie nie die Führung der Melodie. Die Drums schieben zwar hier und da mal mit Blastbeats das Tempo an, insgesamt sind sie aber wenig abwechslungsreich. Und die Bassläufe… Hm ja… keinerlei Alleinstellungsmerkmale…

Im Song „Machination“ werden im Gegensatz zu den vorigen Stücken „Face Contre Terre“ und „Ennemi“ die einsetzenden Gitarren durch ein noch präsenteres Keyboard begleitet, das wohl einen industriellen Sound reinbringen soll. Meine Fantasie regt es allerdings nicht zu Bildern einer Cyberwelt vor dem inneren Auge an. Außerdem erledigt sich das schnell wieder in der Strophe, die auf diese Spielereien verzichtet.

Der nachfolgende Track heißt „Indiffèrent“. Das bedeutet nicht nur ‚gleichgültig‘ sondern auch ‚unterschiedslos‘. Und das trifft es ironischerweise ziemlich gut, denn auch in diesem Song wird das Schema F abgefeuert und mein Kopf freut sich umso mehr auf ein bisschen Abwechslung davon.

Mit dem Stück „Loin D’Ici“ wird das allerdings nichts, denn der Song ist so spektakulär wie ein Käsebrot. Solide und auf alle Fälle ein Melodic-Power-Metal-Käsebrot, aber immer noch ein Käsebrot. Und auch „La Donne Doit Changer“ im Anschluss bietet nichts Neues zu den Vorgängern, obwohl das Intro des Songs mich mit einem verdammt schnellen Riff vom Keyboard im Sound eines Cembalos richtig heiß macht. Allerdings blitzt dieses vielversprechende Motiv im restlichen Stück nur noch zweimal als blasse Erinnerung auf.

Mit „Méandres“ findet auch die im Power Metal irgendwie obligatorisch gewordene Ballade ihren Weg auf die Scheibe. Stark! Ein bisschen Klaviergeklimper begleitet die langsamen Vocals, später stattdessen Akustikgitarrengeklimper und in der Bridge kreischt noch eine schmachtende E-Gitarre auf. Dass ich nicht in Tränen aufgelöst zu den Klängen dahinschmelze, schiebe ich einfach mal auf die Sprachbarriere, die verhindert, dass ich den bestimmt unglaublich schönen Text verstehe.

Offen herausgeschrieben, beeindrucken mich die nachfolgenden Songs „L’un De L’Autre“, „Exutoire“ und „Nouvelle Ere“ nicht mehr und nicht weniger, als es die vorigen Tracks getan haben. Es sind auf jeden Fall echt coole Elemente vorhanden. Gerade die klaren, technisch sauberen Gitarrensounds machen immer wieder der Bezeichnung Power Metal Ehre. Mein Kopf nickt hier und da unweigerlich mit. Nichtsdestotrotz fehlt etwas wirklich Packendes, was die Songs voneinander abhebt und mich dazu bringt, in ekstatischer Freude meine Hände zur Faust zu ballen und in den Himmel zu schlagen.

Und das ist meiner Meinung nach symptomatisch für das gesamte Album. Power-Metal-Fans werden die Songs oder einzelne Passagen zu schätzen wissen. Insgesamt wirkt die Scheibe aber durch die permanente Wiederholung des selben Schemas wenig abwechslungsreich und sogar ein wenig uninspiriert.