CANNABIS CORPSE - Left Hand Pass
Cannabis Corpse - Left Hand PassGenre: Death Metal 
Label: Season of Mist 
Veröffentlichung: 08.09.2017 
Bewertung: Bombe (9/10)

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Da hat man sich seine Gummistiefel angezogen, um einen kleinen Spaziergang durch den Drogensumpf zu unternehmen und während man so durch die Gegend stapft, hört man Geräusche in der Ferne. Die Klänge verfolgend gelangt man auf einen Friedhof am Rande des moorigen Waldes.

*DEATH METAL MUSIC INTENSIFIES*

An den Gräbern vorbeischlendernd bemerkt man, dass es sehr nebelig ist und eine eigenartige Duftnote in der Luft liegt. Komischerweise riecht es nicht modrig, wie man es auf einem Friedhof erwarten würde, sondern eher wie auf dem Schulhof eines Gymnasiums während der großen Pause. Da entdeckt man, dass der Nebel der ganzen Umgebung aus einem einzigen offenen Grab entsteigt. Die Neugier überwiegt und man tritt näher. Und so wie man davor steht und in das von dichtem weißen Rauch ausgefüllte Grab blickt, ragen einem zwei gammelige Zombiehände entgegen. Die eine Hand reicht dir eine dicke Marihuana-Flinte und die andere das aktuelle Album von CANNABIS CORPSE. Prompt wird der Sony CD-Player aus den 80er Jahren aus der Tasche geholt und die Platte mit dem klangvollen Titel „Left Hand Pass“ eingeworfen. Der Titel der Platte erinnert an DEN Old-School-Death-Metal Klassiker von ENTOMBED, ist aber eher als witziges Wortspiel gedacht, als dass es einem Hoffnung darauf machen sollte, dass wir hier HM-2 Kettensägen-Sound zu erwarten haben. Dennoch springen wir im Pentagramm über den Platz und schwingen unser Prinzessinnenhaar zu den saftigen Riffs.

Empfangen wird der Hörer auf dem ersten Track „The 420th Crusade“ von einem atmosphärischen Intro, was einem das Gefühl gibt, in eine Krypta zu steigen oder Diablo II zu spielen. Mich persönlich erinnert der Sound und die Tonfolge stark an PANTERA Songs wie „This Love“, „Sleep“ oder passenderweise „Cementary Gates“. Das Intro hält aber nicht sehr lange an und so gibt es relativ schnell Double Bass mit saftigen Drum Fills zu orientalischen Clean-Gitarren auf die Ohren. Ein stimmiger Einstieg, denn ich fühle mich schon, als ob ich total zugedröhnt einen Film schiebe, bei dem ich auf den Keuzzügen unterwegs bin. Nach diesem ganzen Geplänkel gibt es dann aber endlich auf die Fresse mit einer Mischung aus stumpfen Geballer und rhythmisch abwechslungsreichen Parts. Dazu passendes Growlen in verschiedenen Stimmfärbungen, was alles andere als monoton klingt. Ob man zugekifft in einer schweren Ritterrüstung im Stande ist, großartig agile Moves über die Bühne zu bringen, bleibt noch zu erörtern, aber die Riffs wecken auf jeden Fall das Bestreben in mir, Dinge mit einem Zweihandschwert kaputt zu hauen. Besonders gefällt mir, dass das Schlagzeug durch seine variierenden Grundrhythmen über gleichbleibende Gitarrenriffs angenehme Abwechslung und Rastlosigkeit in die Gesamtkomposition bring.

Springen wir zu Track Nummer drei „Final Exhalation“. Ohne großartiges Vorspiel geht es mit einem Dropkick durch die Kryptapforte. Ein vertracktes Riffing ohne Beitun des Sängers ballert dem Hörer 18 Sekunden lang um die Ohren und liefert musikalische Untermalung für die eigene Schlagzeugperformance mit Menschenknochen auf einem Schädelhaufen. Gefolgt von gradlinigem Geballer, welches dank dem anorganischen Gitarrensound klingt wie ein Bienenschwarm, geht es im Gangnam-Style Galoppschritt durch eine düstere Soundlandschaft. Insgesamt gefällt mir die Produktion außerordentlich gut. „Bienenschwarm“ mag im ersten Moment negativ klingen, so ist es aber keinesfalls gemeint. Trotz anorganischem Gitarrensound, ist das Klangbild sehr angenehm und nicht nervig wie bei einer Rumpel-Black-Metal Band, die mit einem Microsoft Headset aus den 80ern aufgenommen wurde. Da würde ich den Gitarrensound auch als Bienenschwarm bezeichnen. Doch da würde ich es auch wirklich abwertend meinen. Zurück zum Thema. Auch „Final Exhalation“ kocht mit den selben Zutaten und liefert mit Half-Time Parts und Soli eine gehaltvolle Death-Metal Mahlzeit.

Mein Lieblingstrack des Albums ist der letzte mit der Nummer 10. Der namentlich an einen NILE Song angelehnte Track „The Fiends That Come To Steal The Weed Of The Deceased“ ist mit 3 Minuten und 49 Sekunden eher im Mittelfeld was die Tracklänge angeht, hat jedoch alles an geilen Parts und Spielereien, was ein guter Death-Metal Song braucht. Vor allem das Main-Riff wird nie langweilig. Aber bevor ich hier den ganzen Songs auseinandernehme, gebe ich hier die ausdrückliche Empfehlung:

Hört es euch selbst an!!!

Die Platte ist saugeil! Sie ist gut produziert und wird auch auf Dauer nicht langweilig. Und alleine schon das Lesen der Titel wie zum Beispiel von Track neun „Papyrus Containing The Spell To Protect Its Possessor Against Attacks From He Who Is In the Bong Water“ macht Spaß und fordert einen selbst herauszufinden, von welchem anderen Song dieser Titel abgeleitet ist.