NECROPHOBIC – Mark of the Necrogram
necrophobic_02_05c407bb13Genre: Blackened Death Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 23.2.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

Website

Dass die Schweden weder ihre Prinzipien vernachlässigen noch Wert auf Massentauglichkeit legen, beweisen sie mit ihrem achten Studioalbum, das ganze fünf Jahre bebrütet werden musste, bevor das Satanswerk endlich schlüpfen konnte. In ihrer 25-jähirgen Bandgeschichte haben die Routiniers mitnichten ein Album nach dem anderen veröffentlicht, sondern nur, wenn es wirklich an der Zeit war. Und obwohl sie ihre Wurzeln durchaus im Death Metal sehen, zeigt Joakim Sterner die großen Unterschiede zu dieser Szene deutlich auf: „In the old days, death metal bands used to pile on riffs, one after the other. Making great but not logical music. We do the opposite. The recipe of verse – bridge—verse—pre-chorus—chorus— bridge—solo—pre-chorus—double chorus is very effective.” Auch das Image muss für die Schweden stimmen: „We are not a 100% black metal band. We also have death metal roots, from the years we grew up, when death metal was new, but as you can see, we have nothing in common with many of the death metal bands. While death metal bands seem to dress down for their shows, we feel that attitudes and outfits shall go together, just like our heroes of the 80’s wore studs and leather in the very first wave of black metal. It also fits our music, which is called blackened death metal, because it’s a mix with black metal.”

Der erste Song ist bereits der Titeltrack des Albums „Mark of the Necrogram“ und beginnt mit genügend Tempo und glasklaren Gitarren, die mit dem wütenden Gekeife des neuen/alten Sängers Anders Strokirk direkt in die Blastbeats übergehen, der Strophenteil galoppiert drückend vorwärts. Auffällig sind hier bereits die vielspurigen Gesangslinien, die sich abwechseln oder doppeln. Der Basssound des Schlagzeuges ist überraschend mächtig und gibt dem ganzen mächtig Wums. Den klassischen Touch bekommt der Track durch das schreiend-jaulende Gitarrensolo. Junge, der Song legt die Latte für den Rest aber ordentlich hoch.

„Odium Caecum“ („Blinder Hass“) beginnt zunächst verhalten, bevor er überraschend basslastig und mit würgenden Screams Lucifer Tribut zollt. Drummer Joakim Sterner prügelt seine Felle ohne Unterlass, auch in den Zwischenpassagen, die von jaulenden Solo-Gitarren dominiert werden. Auch hier fällt noch einmal auf, wie fett der Sound für eine Black Metal-Scheibe ist, trotz der schwedischen Herkunft. „Tsar Bomba“ katapultiert NECROPHOBIC in die allererste Riege der schwedischen Black Metaller – so sollten Dissection heute klingen. Alle Instrumente sind perfekt ausbalanciert, der Gesang rückt in den Strophen schön in den Vordergrund, bevor die Frickel-Gitarren diesen Part übernehmen, eine Prise Satan-Hall-Effekt auf den Gesang gibt es noch oben drauf. Das Interludium ist instrumental, bevor eine Midtempo-Passage und flirrende Gitarren wieder Fahrt aufnehmen. Die krächzigen Vocals schaffen es trotz allem, die Lyrics einigermaßen verständlich zu artikulieren.

„Lamashtu“ erzeugt sofort eine sakral-rituale und beschwörende Atmosphäre, die das Böse und den Hass bis ins Stammhirn treibt. Hier dominieren sich mantrisch wiederholende Riffs, die einen leicht orientalen Touch haben. „Sacrosanct“ wartet mit mehr Tempo und einigen Blastbeats auf, der Titel wird schlüsselwortartig pausenlos wiederholt. Die Bridge bewegt sich in den Halbtönen rauf und runter, bevor sie nahtlos in die etwas zurückhaltendere Strophe wechselt. Insgesamt ein recht typischer Black Metal Song mit viel Spielereien und Tempo in allen Instrumenten. „Pesta“ beginnt dagegen etwas zurückhaltender, bevor es in den Vollgas-Modus schaltet. Das Interludium hat Ritual-Charakter und offeriert beängstigende Beschwörungsformeln. Nur wenige Bands kommen an derartigen atmosphärischen Passagen ohne Synthies und Trickkiste aus. „Requiem for A Dying Sun“ konzentriert sich vollends auf die Lyrics, die durch ein sanftes Schlagzeug und gedämpfte Gitarren getragen werden. Eine Passage in der Mitte erinnert den Zuhörer daran, dass auch der Black Metal seine Wurzeln im klassischen Rock / Heavy Metal hat. „Crown of Horns“ und „From the Great Above to the Great Below” bleiben großteils dieser Linie treu und zeigen sich im Tempo etwas reservierter, wenngleich nicht weniger böse und keifend. „Undergången“ ist ein rein instrumentales Outro, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.

Wow, was soll ich sagen – ich will ja nicht inflationär mit meinen zehn Punkten umgehen, aber das Album haut mich echt um! Ich weiß nicht, ob das nun ein Kompliment für NECROPHOBIC ist, aber mit diesem Werk haben sie endgültig die Lücke in meinem Herzen geschlossen, die Dissection hinterlassen hat.