HEATHEN ROCK FESTIVAL – Der Festivalbericht

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Vergangenen Samstag öffnete der Rieckhof in Hamburg-Harburg wieder seine Tore, um einen Tag lang Fans der lauten und schweren Musik aus Nah und Fern zum Feiern einzuladen. Das Line-Up konnte sich sehen lassen und für Bier war auch gesorgt, also alles da, was das Publikumsherz begehrt.

Pünktlich um Mittag fangen die Jungs von NEOPHYTE an. Die junge Hamburger Band präsentiert modernen Metal mit verschiedenen Einflüssen, doch am klarsten hört man den Power Metal raus, da gerade Sänger Mel stimmlich nah an den Profis dran ist. Das Publikum ist eher spärlich vor der Bühne gesät, aber es ist ja auch noch früh. Trotzdem kann die Band das bestehende Publikum gut miteinbeziehen und motivieren mitzumachen. Gegen Ende des Auftritts haben sich dann doch ein paar mehr Leute vor der Bühne eingefunden. Auch den Spaß lässt sich die Band nicht nehmen und liefern somit einen soliden Einstieg in das Festival.

Als nächstes sind WASTED ROADS an der Reihe, die das Publikum auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Ebenfalls aus Hamburg, spielen die drei Jungs Blues Rock der alten Schule mit ein paar zeitgenössischen Einflüssen. Obwohl sie nur zu dritt sind, füllt die Band die Bühne mit ihrer Präsenz gut aus. Groovige Musik, ein (absichtlich) nuschelnder Sänger, der lässig Bass zockt und auch mal die Mundharmonika rausholt: das alles passt zum Gesamteindruck, den man von der Gruppe hat. Leider waren hier weniger Leute vor Bühne anzutreffen, sondern eher in der Peripherie, obwohl das erst die zweite Band des Tages war. Erfreulicherweise haben die Jungs am Ende dann doch noch viel Applaus erhalten.

Danach kommen NIGHTLASER auf die Bühne, die an diesem Tag wohl die schönsten auf der Bühne sind. Dem Glam Metal gerecht werdend tragen die Jungs Halstücher am Gürtel, enge Hosen bzw. Leggings und Oberteile, und die Haare haben sie natürlich auch schön. Die 80er lassen grüßen. Vor der Bühne haben sich nun wieder mehr Leute als zuvor eingefunden. Sie folgen wohl auch dem Aufruf des Sängers näher zu kommen. Der erste Song ist eher zum warm werden, da die Band erst ab dem zweiten Song wirklich Gas gibt. Die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne, sodass auch das Publikum gut mit einbezogen wird. Vor allem der Sänger ist hier Animateur, da er nicht nur dem Publikum Gesangseinlagen überlässt, sondern auch, weil er über die Bühne wirbelt und sich nach und nach seiner zahlreichen Oberteile entledigt. Da die Band recht zügig aufgebaut hat, war noch etwas Zeit übrig und die Jungs konnten einen weiteren Song zur Freude der Zuhörerschaft spielen.

Mit THEORY betritt die erste internationale Band des Tages die Bühne. Die Dänen bieten Progressive Metal mit einem Hauch Power Metal, wobei letztere Komponente sich mal wieder im Gesang widerspiegelt. Schon die dritte Band, die sich in die Gefilde der hohen Töne wagt. Zum Glück nicht durchgehend. Außerdem bringen die Jungs mehr Geschwindigkeit auf die Bühne, die sich am Mitwippen im Publikum auch beobachten lässt. Beim dritten Song werden am Anfang auch orientalische Klänge mit eingespielt, was dem heutigen Repertoire eine neue Facette entlockt. Auch hier werden Metalfans animiert mitzumachen. Die Band begeistert unter anderem mit schönen Gitarrensoli wie in „Escape“, was in der Menge mit fliegenden Haaren belohnt wird. Zum Abschied geben die Dänen nochmal ordentlich Gas.

Nun folgt das erste Hightlight des Tages: ARMORED DAWN kommen nämlich aus Brasilien und machen auf ihrer kurzen Europatour als erstes Halt im Rieckhof. Mit einem epischen Intro kommt die Band auf die Bühne, der Sänger zusätzlich mit War Paint im Gesicht und in ein Kettenhemd gekleidet. Hier fällt im Sound auf, dass das Schlagzeug etwas zu laut zu hören ist, aber für die Soli nimmt sich der Schlagzeuger etwas zurück. Auch diese Band hat viel Spaß auf der Bühne und obwohl das Publikum zunächst ein wenig verhalten ist, kann es sich bald für die Brasilianer erwärmen. Der Sänger spielt Luftgitarre, trinkt Bier aus dem Zuhörerraum und hält auch den von einer Zuschauerin mitgebrachten Metal-Tigger im Arm. Sogar ein kleiner Pit bildet sich später. Die Band redet nicht allzu viel, doch durch einen Zwischensoundcheck verlieren sie etwas Zeit, sodass sie den letzten Song nicht spielen können.

Es wird merklich kälter vor der Bühne, denn es folgen die heimlichen Favoriten des Festivals, nämlich ISTAPP. Die Schweden sollten ursprünglich schon letztes Jahr spielen, jedoch klappte das kurzfristig doch nicht. Nun sind die Fans umso zahlreicher vor der Bühne. Keine andere Band hat an dem Tag eine höhere Dichte im Zuschauerraum erreichen können. Wie es die Band propagiert, kreieren sie eine düstere Atmosphäre, die auch zu den kalten Temperaturen draußen sehr passend ist. Wie ein heftiger Schneesturm hauen die Jungs ihre, zum Teil sehr dröhnigen, Songs raus. Die Kostüme passen ebenso zum Auftritt, da die grauen Kutten aussehen, als wären sie von Frost überzogen. Den Leuten gefällt’s, viele Haar sind in der Luft und man kann viel Bewegung vor der Bühne beobachten. Zum Schluss wird nach das für ISTAPP typischer Zeichen, die durchgestrichene Sonne, hochgehalten.

Harter Schnitt. SPITFIRE aus München betreten die Bühne. Als Intro wird eine alte Aufnahme eingespielt und sofort hauen die Jungs ihre Interpretation des Rock’n’Roll dem Publikum um die Ohren. Zunächst bildet sich ein kleiner Pit, doch es folgen rasch weitere Pits. Der Raum vor der Bühne ist zwar nicht ganz so gefüllt wie zuvor, doch das hindert SPITFIRE nicht daran, den Zuschauern ordentlich einzuheizen. Die singen laut mit, auch zwischen den Songs, was die Band sichtlich begeistert. Auch diese Jungs sind nur zu dritt, aber sie nehmen die Bühne ganz für sich sein und lassen sich gebührend feiern. Für den letzten Song macht die Band auch nochmal richtig Dampf und bringt das Publikum in Wallung.

Die nächste Band legt das beste Konzert des Festivals hin und wird dem Motto am besten gerecht: FEJD liefern alles, was ein gutes Konzert haben muss. Die Zuhörer sind konstant in Bewegung und lassen ihre Haare in alle erdenklichen Richtungen fliegen. Es gibt mehrere Pits, Hüpfkreise und eine nicht koordinierte Wall of Death. Das Publikum ist durchgehend am Feiern und der Band gefällt’s. Die Schweden amüsieren sich ebenfalls prächtig und genießen ihren Auftritt. Die Folkinstrumente der Band sind gut abgestimmt, sodass jedes einzelne gut zu hören ist. Selbst nach der Zugabe erhallen noch Zugabenrufe aus dem Publikum, welches die Band nicht von der Bühne lassen will. Doch es muss ein Zeitplan eingehalten werden und so räumen sie die Bühne und machen Platz für die nächste Band.

Der nächste Headliner betritt die Bühne und überraschenderweise ist beim Intro der Zuschauerraum kaum gefüllt, doch dieser füllt sich sehr schnell, da schließlich keine geringeren als OBSCURITY nun an der Reihe sind. Die Mannen geben Vollgas und nehmen das Publikum von Anfang bis Ende mit. Wie sich herausstellt, hat der Sänger, Agalaz, Geburtstag und einige Leute haben sich deswegen etwas Besonderes einfallen lassen. Es werden ab dem zweiten Drittel der Show mehrere Banner ausgerollt, die so lang sind wie die Bühne selbst. Auf dem ersten steht „Happy Birthday Agalaz“, das zweite war schwer zu lesen, das dritte „Trollzorn & Northern Darkness ♥ Obscurity“ und das vierte war ebenfalls nicht gänzlich lesbar. Nr.2 und Nr.4 enthielten aber irgendwelche Spitzen gegen den Sänger, so viel steht fest. Dieser nimmt es mit Humor und nimmt auch die Gummipuppe auf die Schultern, die ihm danach entgegengetragen wird. Danach wird zwischen zwei Songs nochmals „Happy Birthday“ als Ständchen angestimmt, wofür sich Agalaz herzlich bedankt. Zum Ende des Auftritts bildet sich nochmal ein kleiner Pit und der Sänger geht samt Mikro ins Publikum, um die feiernde Meute hautnah zu erleben. OBSCURITY haben eine sehr gute Show abgeliefert, die wirklich jeden mitgerissen hat.

Den Abschluss des Festivals bilden TERRA ATLANTICA. Hier handelt es sich ebenfalls um eine Hamburger Band, sodass das Festival einen schönen Bogen zum Anfang schlägt und einen guten Abschluss liefert. Zu der späten Stunde haben sich nicht mehr ganz so viele Zuschauer vor der Bühne eingefunden. Die Band hat sich dadurch aber nicht entmutigen lassen und trotzdem gut mit dem Publikum interagiert. So ein Mitbrüllrefrain geht halt immer. Gerade der Sänger hat offensichtlich Spaß, wohingegen seine Bandkollegen eher statisch auf der Bühne sind. Bei einigen Songs kommt ein Plastikdreizack zum Einsatz, der im Nachhinein sogar an einen Fan im Publikum geht, der sich darüber eindeutig gefreut hat. Hier und da fliegen ein paar Haare, aber die Leute sind wohl mittlerweile ein wenig ermattet, sodass nicht mehr ganz so viel Bewegung in die Masse kommt. Ein würdiger Schlussakt. Nach dem letzten Song verstreuten sich die Leute auch schon in alle Winde.

Für diese Ausgabe des HEATHEN ROCKs lässt sich ein durchweg positives Fazit ziehen. Es gab so gut wie keine technischen Probleme, das Festivalteam war sehr gut organisiert und immer hilfsbereit. Es gab eine gute Auswahl an Getränken und auch ein paar Einkaufsmöglichkeiten. Das Publikum war gut drauf und in Feierlaune. Trotzdem fiel auf, dass es gefühlt weniger Leute waren als die Jahre zuvor, was beim (zumindest aus Zuschauersicht) reibungslosen Ablauf und gut sortierten Angebot des Festivals eher überrascht. Auch wenn es sich nur um einen Tag handelt, ist das HEATHEN ROCK ein schöner Einstieg in die kommende Festivalssaison.
Nächstes Jahr feiert das HEATHEN ROCK sein zehnjähriges Jubiläum und man darf gespannt sein, womit das Team dann aufwartet.