HAUNTED BY SILHOUETTES – Shortcuts to Dead Ends
Shortcuts to dead ends artwork - ferdigGenre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 9.3.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Das norwegische Quintett aus Trondheim besteht bereits seit 2013, hat bereits zwei EPs veröffentlicht und bringt jetzt endlich ihr Debütalbum auf den Weg. Von der Produktion bis zum Artwork liegt die Arbeit komplett in den Händen der Band, die keinen anderen mit der Verwirklichung ihrer künstlerischen Vision betrauen möchte. Was hier vorliegt, beschreiben sie selbst als Mix aus jeder Art von Metal, die ihnen Spaß macht – nicht verwunderlich, dass dabei ein gutes Stück Melo Death herauskommt – meine persönliche Königsklasse der Metalgenres.

Der erste Song „Exhumer“ startet mit einem kurzen Instrumental-Intro, das dann ins Midtempo übergeht. Getragen wird der Song von In Flames-artigen sehr melodischen Gitarrenläufen, wenig Synthies, die sich dezent im Hintergrund abspielen und den sehr dominanten Growls, die die nötige Härte schaffen. Diese erinnern sehr an alte Old School Death Metal Haudegen und machen sicher den Unterschied zu anderen Bands in diesem Genre. „Vindicta“ gestaltet sich ähnlich groovig, die fehlenden Blastbeats gehen mir gar nicht ab. Die Rhythmusgruppe bleibt im Midtempo, im Refrain schalten sich wieder die melodischen Leadgitarren ein. Soundtechnisch wurde an der weichgespülten klinischen Produktion gespart, so dass die Songs sehr rotzig-roh daherkommen. Die Drums sind dann konsequenterweise recht dumpf und schaffen eine gewisse heruntergestimmte Basslastigkeit.

„Shadowless“ drückt etwas mehr aufs Tempo und rückt damit etwas näher in Richtung Schwedentod. Mir gefällt die Geradlinigkeit der Songs, die strukturiert übersichtlich komponiert sind ohne zu langweilen. Die Refrains bringen die Melodie, die Strophen das unerlässliche Geklopfe. Für meinen Geschmack könnten die Leadgitarren ruhig etwas mehr in den Vordergrund treten. Der Gesang wechselt hier von gekonntem Geröchel hin zu quetschigem Gekreische zurück zu den tiefen Growls. „Only you know“ zügelt das Tempo etwas, zwischen den klangvollen Melodien wird sogar geflüstert, Keyboards und Cleangesang haben einen Kurzauftritt. Wären nicht die Old School Growls könnte man glatt an Insomnium denken. „A Plea for Silence“ schwimmt im Fahrwasser der klassischen Melodeath Songs von Sacrilege oder Ablaze my Sorrow: gemäßigtes Geballer und klare Melodien, auch von der Doppelaxt. „The Age of Narcissus“ growlt sich in die tiefsten Magengegenden vor und knüppelt sich auch durch die tiefsten Stimmungen, Melodieläufe kommen hier etwas zu kurz, auch wenn diese am Ende noch einmal in Heavy Metal-Solo-Manier einsteigen.

„Ubasute“ (verwirrenderweise japanisch für „ein Elternteil zurücklassen“) und „Iskalde Blikk“ (Singleauskopplung mit Video) zeigen die übliche geradlinige Struktur, die dem Hörer einen einfachen Zugang verschaffen und weder verkopft noch vollgestopft klingen. Verschnaufpausen gibt es durch Instrumentalinterludien mit leichtem Synthie-Einsatz. Die Hooks klingen fast schon ähnlich. „Fanning the Flames“ klingt dagegen etwas moderner und abwechslungsreicher und legt den Fokus auf die Melodien, denen auch die Growls folgen – wohl der am wenigsten deathige Song auf dem Album. „The Clearing“ lärm dagegen in den Strophen wieder etwas mehr und spielt ebenfalls mit akustischen Zwischenpausen. Der letzte Track „Into the Abyss“ ist ein akustisches Outro mit Meeresrauschen.

Insgesamt kann man sagen, dass den Norwegern ein Melodic Death Metal Album gelungen ist, das sich an verschiedenen Vorbildern orientiert, diese aber weder kopiert noch zitiert, sondern eine eigene Nische in dieser Nische kreiert, was vor allem durch den old schooligen Gesang gelingt. Die Melodien sind herrlich und unverbraucht. Der Sound ist nicht überproduziert und sicherlich keinem keimfreien OP entsprungen. Für alle Liebhaber des Genres heißt es also: zugreifen!