SOMALI YACHT CLUB - The Sea
somaliyachtclub_thesea_coverGenre: Stoner/Psychedelic/Shoegaze
Label: Robustfellow prods.
Veröffentlichung:22.02.2018
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Vorneweg: dass ein Album von Anfang an begeistert und fesselt ist selten, aber SOMALI YACHT CLUB aus der Ukraine haben es bei mir definitv geschafft. Stoner-Rock und Shoegaze bin ich ohnehin schon zugeneigt, aber mit einem derartigen Album hätte ich nicht gerechnet.

Delay ist immer gut und so beginnt „Vero“ also vielversprechend. Der Song ist sehr melodisch, steigert sich schön und hat eine coole, noch nicht ganz zuordenbare Atmosphäre. Genial ist die sehr langsame Gitarrenmelodie zum schnellen Riff am Anfang, die einen ungewohnten Kontrast bildet. Nach einem Break mit vielen Effekten und Feedback setzt der Gesang ein und der Song geht wieder vorwärts. Das stetige Wiederholen einer Phrase gesellt sich sehr passend zur restlichen Atmosphäre des Songs. Nach einem Solo erfolgt ein geschickter Rhythmuswechsel, der das gesamte Feeling ändert, es heller und klarer werden lässt, und gleichzeitig das Tempo anhebt. Stetige Verlangsamungen ebnen letztlich den Weg zum Schluss.

Aber es geht direkt weiter mit „Religion Of Man“, ein Song, der rhythmisch beginnt und zu dem schnell der Gesang einsetzt. Der Song hat einen eigenen Fluss und man findet sich schnell im Träumen wieder, aus dem man nur vom Gesang gerissen wird, was aber nicht stört. Auffällig ist, dass die Vocals sehr anpassungsfähig sind – so fügen sie sich auch hervorragend in doomige Parts ein. Das Songwriting ist durchwegs stark, die Arbeit an und mit sämtlichen Instrumenten ist sehr präzise und macht aus einem einfachen Hörerlebnis einen O(h)rgasmus.

Gehen wir also über zu „Blood Leave A Trail“, einem mit 6:19 Minuten auffällig kurzen Song. Generell fällt dieser Song anfangs etwas aus dem Raster, er wirkt offener, der Gesang freier – ja, es geht fast schon in Richtung Indie, aber nur fast. Die Grundatmosphäre bleibt bestehen, die Dynamik nimmt immer weiter zu. Wo bisher die Gitarren glänzten, glänzt hier unter anderem der Gesang, der seine volle Macht entfalten darf, was absolut gut zieht.

Mit einem Bassintro, zu dem sich langsam Gitarre und Schlagzeug gesellen, beginnt „Hydrophobia“ und jener Gegenstand der Angst scheint fühlbar zu werden. Sämtliche Effekte werden gekonnt eingesetzt und erzeugen nicht nur akustisch eine Spannung. Ab der Mitte entwickelt sich ein cooles Stoner-Riff, zu dem ein ruhiges Solo gespielt wird. Zum folgenden schnelleren Riff setzt der Gesang ein und der Song groovt richtig. Sehr gelungen!

Ruhiger startet „84 Days“, nur Gitarre und Bass schmücken das Bild, ohne mit Effekten zu geizen. Immer dominanter werdende Drums kündigen die Steigerung an, aber weit gefehlt, es wird wieder entspannter. Kurz bevor der Song Gefahr läuft, monoton zu werden, wird ins Geschehen eingegriffen, das Muster durchbrochen und ein neues Riff eingeführt und die Vocals gesellen sich dazu.

„Crows“ beginnt doomig, der Gesang steigt früh ein und spielt sich mit den Gitarren die Bälle zu. Während es bei den Parts mit Gesang eher ruhig und atmosphärisch bleibt, hellen die Gitarren den Song auf und bringen neue Dynamik hinein. Die Wechsel sind geschickt arrangiert, sodass verschiedene Parts oft so nahtlos ineinander übergehen, dass man es kaum wahrnimmt. So schafft es das Trio beispielsweise in der Mitte des Songs von einem zügigen Riff in ein fast cleanes und langsames Schema überzugehen, ohne das es holprig oder erzwungen klingt. Großartig!

Den ukrainern SOMALI YACHT CLUB ist mit „The Sea“ ein sehr starkes Album gelungen, das trotz teilweise sehr langer Songs und langer Instrumentalparts zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Die Sounds sind immer sehr fett, die Effekte gut abgestimmt und das Songwriting ist sehr präzise. „The Sea“ ist eines der Alben, das man sehr oft hören muss und kann, um es in seiner Vielfalt zu erfahren. Dabei wird man bei jedem Durchlauf neue Details entdecken.