SUGARCANE - Minded For The Radio (Review)
PrintGenre: Melodic Rock
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 09.02.018
Bewertung: Klasse (8/10)
Website: Sugarcane Official

Die Gründung der dänischen drei-Mann-Formation geht auf das Jahr 2014 zurück. Nun ist die Zeit gekommen, dass sie ihr Debüt-Album „Minded For The Radio“ in die Welt der Musik entlassen. Um ehrlich zu sein, als ich die Genrebezeichnung das erste Mal gelesen habe, musste ich erst mal schlucken: „Bitte kein weichgespülter Kuschelrock… .“ Melodic Rock hin oder her, ich starte mal ohne weiteres Gesülze. So macht es übrigens auch SUGARCANE auf der Platte:

Denn die Scheibe startet ohne Introsong und auch der erste Song, „Let The Love Begin“, hat nur ein minimalistisches Intro. Stattdessen bekommen die Hörenden ziemlich direkt von der Chorusstimme die Phrase „Are you ready?“ entgegen gebrüllt -gerade zu programmatisch; jetzt müssen die Jungs auch was abliefern.

Der Refrain wird von einem klassischen Rock’n’Roll Riff dominiert und mit voller Power ein paar mal wiederholt, um schließlich einer langsameren Strophe zu weichen. Diese wird mit einer gediegenen Bassstimme gesungen, die dann wiederum in eine höhere Stimmlage ausbricht. Das stellt die Einleitung für den erneut einsetzenden, hymnenartigen Refrain dar und es wird natürlich auch direkt wieder lauter. So geht das Spielchen weiter. Ach ja, in der Bridge gibt es noch ein Gitarrensolo, das sich von langen, gehaltenen Tönen über schnelle, flinke Finger zum Ausgangsriff abarbeitet.

Mit dem Track „Speak To Me“ findet ein Songtypus den Weg auf das Album, den ich als „Power Ballade“ bezeichnen würde. Es geht ruhig los und zwar mit einem zarten Akustikgitarrenriff, begleitet von einem Marching Beat auf der Snare Drum -die richtige Atmosphäre entsteht auf alle Fälle. Eine Weile zieht es sich hin, entwickelt sich dann aber zu einer Mid-Tempo-Nummer und spätestens in der zweiten Hälfte des Refrains wird durch energischen Gesang vom Schunkel-Modus in den Böse-Kopf-Nick-Modus umgeschaltet. Mit diesen zwei Stimmungen zieht sich der Song durch. Das Gitarrensolo in der Bridge folgt außerdem klaren, kantigen Tonläufen, ist aber nicht übermäßig aggressiv oder schnell.

Der Titelsong „Minded For The Radio“ fällt musikalisch eindeutig in die Kategorie Rockhymne. Der Titel ist übrigens auch der tragende Vers im Refrain. Übersetzt heißt dieser so viel wie ‚Für das Radio bestimmt‘. Dazu gesellen sich Verse wie beispielsweise „I wanna be a star“(‚Ich will ein Star sein‘). Der Text vermittelt mir den unabschüttelbaren Eindruck, dass hier inhaltlich das Anerkennungsbedürfnis der Band präsentiert wird. Wie ich das finde, lasse ich mal offen. Nichtsdestotrotz hat der Song ein hohes Ohrwurmpotenzial.

Mit „Where The Lovers Go“ findet eine weitere Ballade Platz auf dem Album. Auch hier kommt in der Strophe wieder die gediegene Bassstimme des Sängers zum Einsatz. Stilistisch passt es einfach wie der Fahrstuhl in den Schacht: In Kombination mit den seichten Gitarrenklängen gibt die Stimme dem Song einfach einen Anstrich melancholischer Gelassenheit! Dieses Element wird dann im Refrain durch die nach oben gehende Stimme gebrochen, wodurch ein Gegenspiel zur melancholischen Gelassenheit und damit eine Zweispurigkeit entsteht, die Abwechslung reinbringt.

Mit dem Beginn von „Ride The Fate“ knattert direkt ein schnelles und saftiges Gitarrenriff los. Nach drei Wiederholungen geht die Geschwindigkeit runter auf ein paar gehaltene Töne, die dann aber ihrerseits wieder genutzt werden, um direkt noch mal das Riff anzuhängen und Gas zu geben -gelungener Hook! In der Strophe geht das Tempo aber so hart und unvermittelt nach unten, wäre ich ein Hund, würde ich den Schwanz zwischen die Beine kneifen und aufjaulen, weil ich noch am Haken der Intro hänge. Der Refrain zieht dann aber wieder mit eher hintergründigen Gitarren das Tempo an. Hier bietet sich übrigens auch noch gemäß des Rockhymnen-Charakters die Möglichkeit ohne Textkenntnisse mitzusingen: „Oh-oh ohu-oh…. .“ In der Bridge wird es dann wieder überaus gitarrenlastig. Denn auf das tragende Riff beginnt sich zusätzlich die Lead Gitarre an einem Solo abzufrickeln und in den Vordergrund zu drängen. Leider wirkt der Wettstreit zwischen Lead und Rythm teilweise überlastend fürs Ohr (aber eben nur teilweise). Auch als das Solo abbricht, knattert das Rythm Riff noch weiter und ebnet damit den Weg, um die letzten Wiederholungen des Refrains einzuleiten.

Geschlossen wird das Album mit der Akustikballade „Where Is My Home“, die interessanterweise mit einem hellen Sound überhaupt nicht melancholisch, sondern fast schon selbstzufrieden daher kommt. Das schlägt allerdings hier und da durch einen eher klagenden Stimmeinsatz um. Ein paar Streicher haben sich auch in den Background eingeschlichen, aber glücklicherweise ohne das Ganze pompös oder dick-auftragend wirken zu lassen -also ein lässiger Abschluss der Scheibe.

Um die anfängliche Befürchtung aufzugreifen: ‚weichgespülter Kuschelrock‘? -Auch wenn man das Album mit ‚Easy Listening‘ beschreiben kann, ‚weichgespült‘ und ‚Kuschel‘ treffen wohl eher nicht zu. Musikalisch dominieren ganz klar die klassischen Rock’n’Roll Riffs, in die sich auch Bass- und Drum-Spur einfügen. Aber prägnant bleiben auf alle Fälle die Gitarren und daneben der Gesang. Die stimmliche Varianz durch Bjørn Jensen und Søren Rosenkrands in den Vocals bringt Abwechslung und auch hier und da den nötigen Energieschub im Sound mit. Und auch die Balladen bedienen sich einer Spanne verschiedener Stimmungen und sind damit recht abwechslungsreich. Inhaltlich bleiben die besungenen Thematiken eher oberflächlich, bieten damit aber wohl den meisten Hörenden Anknüpfungspunkte. Wer also Lust auf einen soliden, aber nicht zu harten, rockigen Sound hat und sich auch nicht scheut, mal zu schmachten, findet auf „Minded For The Radio“ eine gute Mischung. Gerade wenn man bedenkt, dass die Platte unter der Bezeichnung Melodic Rock läuft, kann auch ich als Metaller nicht meckern.