PHILIP H. ANSELMO & THE ILLEGALS - Choosing Mental Illnes As A Virtue
GDOB2-30CH-001.cdrGenre: Brutal Sludge Metal
Label: Season Of Mist
Veröffentlichung: 26.01.2018
Bewertung: Gut (6/10)

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„Little Fucking Heroes“ schlägt direkt ein, es geht hart und schnell zur Sache, Phil Anselmo schreit sich durch die Facetten des Gesangs. Das Riffing ist schnell und teilweise melodisch, die Drums treiben ordentlich nach vorne.

Mit High-Gain läuten die Gitarren „Utopian“ ein, um den Hörer anschließend mit der Death Metal – Walze zu überrollen. Ein schneller, aggressiver Song, der überraschend kommt und durch Stärke überzeugt.

Mittlerweile ist die Marschrichtung des Albums klar und sie wird auch bei „Choosing Mental Illnes“ eingehalten. Anselmo screamt, growlt, schreit sich durch den Song und zeigt unbekannte Facetten seiner Stimme. Sehr überzeugend!

„The Ignorant Point“ deckt zunächst das gesamte Griffbrett der Gitarren ab, die sich immer weiter in die hohen Lagen arbeiten. Während des Songs glänzen diese mit technisch anspruchsvollen Fill-Ins. Hier wird durchgehend geknüppelt, Gnade scheint für die Band ein Fremdwort zu sein.

Die Gitarren werden scheinbar mit jedem Track des Albums tiefer, so auch auf „Individual“, das direkt losstartet. Was am Mikrofon geschieht, ist teilweise so abstrakt, dass es schwerfällt, einzelne Worte zu identifizieren – zwischendurch ist dann doch die vertraute Stimme es Ex-PANTERA Sängers zu erkennen. Auffällig ist, dass dieser Song zeitweise klare Strukturen aufweist.

Stampfend beginnt „Delinquent“. Riffing und Drumming klingen cool und sind gut aufeinander abgestimmt. Wie bisher ist das Prinzip, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu spielen – zumindest, was die Gitarren angeht. Man könnte fast denken, man höre Grindcore. Geht schon hart ab.

Gerade wollte ich schreiben, „Photographic Taunts“ beginnt überraschend strukturiert, aber ich habe noch nicht angefangen, zu tippen, da war das schon Geschichte. Da hab ich mich wohl stark verschätzt und so geht es also rabiat mit Grind Core und einem Hauch Death Metal weiter.

„Finger Me“ folgt nicht den Erwartungen an einen Song mit diesem Titel, aber jeder hat ja individuelle Vorlieben, also wird brachial weitergemacht. Jedem das seine. Zur Mitte hin geht es rhythmischer zur Sache und alles wird etwas einheitlicher, was sehr cool wirkt und Erinnerungen an PANTERA wach werden lässt.

Mit einem Drumsolo und diversen Rückkopplungen lässt der Sturm bei „Invalid Colubrine Frauds“ länger als sonst auf sich warten. Aber er kommt und schlägt gnadenlos ein, wobei wir uns mittlerweile wieder in den Gefilden des Death Metal bewegen. Diese Beruhigung ist sehr angenehm und lässt den Song gut grooven.

„Mixed Lunatic Results“ beginnt überraschend atmosphärisch, kehrt aber schnell zum bekannten Muster zurück. Das Riffing ist hier etwas harmonischer, zusätzlich ist das Zusammenspiel mit der Rhythmusfraktion einheitlicher gestaltet, der Gesang klarer. Dieser Song enthält die für mich größte Überraschung: neben der Death Metal Marschrichtung geht es zeitweise sogar in Richtung Black Metal und das klingt sogar sehr geil! Vollendet wird das dann von einer ruhigen, atmosphärischen, von Drums und Gitarren geprägten Passage, die das Ende darstellt.

Um ehrlich zu sein, habe ich beim Namen Philip H. Anselmo eher Hardcore oder ähnliches erwartet, aber dass mir ein Death Metal – Album mit Ausflügen in Grindcore entgegenschlägt, hätte ich nicht erwartet. Die Überraschung ist Herrn Anselmo also gelungen. Das technische Niveau der Musiker ist sehr hoch, Anselmo präsentiert viele Facetten seiner Stimme – wobei nicht alles als eine menschliche Stimme zu identifizieren ist – was auf jeden Fall sehr interessant zu hören war. „Choosing Mental Illness As A Virtue“ ist kein Album, dass man sich einfach mal nebenbei anhören kann, eher für Momente, in denen man vom Bedürfnis nach sehr extremen Klängen eingeholt wird oder verkatert ist – da ist Grindcore nicht verkehrt.