SHE PAST AWAY – Fundbureau / Hamburg, 24.03.18

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Für rund 250 Nachtschwärmer öffnete das Fundbureau in Hamburg Altona am letzten Samstag Tor und Tür zu einem melancholischen Konzertabend im Stil des 80er Jahre Post Punk. Alle Tickets gingen bereits im Vorverkauf über die Theke und der Laden war demnach gut gefüllt. Zu erwarten wären bei einem Line Up mit SHE PAST AWAY unzählige zerrissene Strumpfhosen, toupierte Haare und Plateaustiefel gewesen. Da Hamburg aber nicht Leipzig ist, bekam die Band ein Publikum in gesetzterem Alter serviert. Der Authentizität ihrer Passion und Liebe zur Musik tat dies jedoch keinen Abbruch.

Den Anfang machten an diesem Abend zwei Hannoveraner, die mit ihrem Projekt WISBORG erst seit Anfang letzten Jahres am Start sind. Pünktlich zur Primetime boten sie den wenigen, zunächst noch recht verhaltenen Zuschauern ein facettenreiches Musikpaket aus Dark Rock und Post Punk. Drums, Bass und einige Elektrosounds kamen vom Band, während Gitarre, Synthesizer und Vocals live vorgetragen wurden. Leider war der Sound sehr dürftig abgemischt, sodass der verzerrte Gitarrensound über das gesamte Konzert eher störend wirkte.
Sowohl gesanglich als auch temporal lieferten WISBORG ein ordentliches Repertoire an Variationen. Nachdem sich anfänglich bereits instrumentale Einflüsse von Bands wie Type O Negative erkennen ließen, setzten die Niedersachsen mit der ersten Single „Becoming Caligari“ aus ihrem Debüt „The Tragedy of Seconds Gone“, das im April veröffentlicht wird, noch einen drauf: Tiefe, fast klagende Vocals wirkten durch viel Hall sehr düster und wurden von einem recht zügigen musikalischen Bett untermalt, das ein wenig an HIM erinnerte.
Die zweite offizielle Single „The Sick Rose“ ging hingegen mehr in Richtung APOPTYGMA BERZERK und rundete die gesamte Darbietung nicht zuletzt mit berührendem Gesang und poppigen Synthie-Sounds ab. An Bühnenshow hatten WISBORG eher wenig zu bieten. Das lag wohl zum Großteil an ihrem Multitasking, zu zweit möglichst viele Instrumente live vorzutragen.
Der Song „Winter Falls“ lieferte zum Ende hin vermehrt Post Punk Atmosphäre und zog damit den Vorhang für SHE PAST AWAY auf.

Während einer kurzen Umbaupause übertönte das laute Grollen der S-Bahn über den Köpfen der Gäste immer wieder das gespannte Raunen, das durch den mittlerweile dichtgedrängten Raum ging. Eine Begebenheit, die man in der Form auch nur aus dem Fundbureau kennt.

Mit tiefschwarz geschminkten Panda-Augen, toupierten Haaren und legerem ebenso schwarzen Flanellhemd betraten die beiden Türken von SHE PAST AWAY wenig später die Bühne und eröffneten ihre Show mit „Belirdi Gece“. Auch wenn die Band durchweg mit türkischen Lyrics arbeitet, die sich hauptsächlich mit Ängsten, persönlichen Konflikten oder der politischen Situation in ihrem Heimatland auseinandersetzen, ist der Gesang dennoch ausschlaggebend für ihre Musik. Umso ärgerlicher war es, dass die markanten, tiefen und verhallenden Vocals zunächst viel zu leise waren. Ansonsten schien der Sound im Allgemeinen sehr gut eingestellt.
Im Handumdrehen wurde mittels schummrigen Rotlichts und Nebels eine Atmosphäre geschaffen, welche die musikalische Darbietung perfekt ergänzte. Das änderte auch die Begrüßung seitens der Band nicht. Die wirkte nämlich fast ein bisschen wie die Durchsage eines Busfahrers bei den allseits beliebten Butterfahrten; der Schuh hätte bei der noch immer recht schläfrigen Crowd auch ganz gut gepasst. Während der Gesang weiterhin kaum hörbar blieb, spielte und tanzte sich das Duett auf der Bühne rasch ein. E-Drum, Gitarre und Synthesizer erzeugten dabei den typischen Dark-Wave-Sound, der partiell an BAUHAUS und THE CURE angelehnt schien.
Mit einem beschwingten ‚Moin, Moin!‘ des Sängers taute das Publikum nach dem dritten Song endlich auf und fing zum Takt des E-Schlagzeugs zu tanzen an. Die Titelauswahl war an diesem Abend gut durchmischt und bediente sich sowohl an Tanzflächen-Klassikern wie „Rituel“ und „Ruh“ vom ersten Album, als auch der etwas ruhigeren, emotionaleren Songs wie „Hayaller“ oder „Yanimda“ des zweiten Albums aus 2015.
Ab der Konzertmitte stimmte schließlich die Lautstärke des Gesangs und die Melancholie der Musik konnte sich vollends entfalten. Das blieb auch von der Menge nicht unbemerkt; zwischen den Tracks wurde der Applaus mit der Zeit ausgelassener. Nach drei Zugaben hinterließen SHE PAST AWAY ein verschwitztes und zufriedenes Publikum in einem total überhitzten Raum. Der Abend fand seinen Ausklang mit der beliebten Veranstaltungsreihe der „Schwarzlichtparty“, die bis in die Morgenstunden gut besucht blieb.

Aktuell touren SHE PAST AWAY noch durch Russland und Europa, bevor sie im November wieder nach Deutschland kommen und wir Ende dieses Jahres auch ein neues Album erwarten dürfen.

28.07.18 KÖLN – Amphi Festival
09.11.18 HANNOVER – Kulturzentrum Faust
10.11.18 BERLIN – Bi Nuu
23.11.18 KÖLN – Gebäude 9
24.11.18 BREMEN – Kulturzentrum Lagerhaus
07.12.18 BIELEFELD – Movie

Auch WISBORG haben für 2018 Termine bestätigt:

16.06.18 HANNOVER – Bruits De La Cave
22.06.18 HANNOVER – DarkRock Festival
14.07.18 HAMBURG – KIR