FALL OF CARTHAGE – Emma Green (Review)
foc-emma-green-coverGenre: Groove Metal 
Label: MDD Records
Veröffentlichung: 06.04.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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FOC haben mit „Emma Green“ ihre bereits dritte Scheibe auf den Markt gebracht und das nach etwas mehr als einem Jahr nach ihrer letzten Auskopplung. Die dritte Auskopplung von etwas ist, zumindest in der Filmindustrie, sehr gefürchtet. Die Frage, die sich stellt, ist nun: Ist „Emma Green“ eher ein „Die Rückkehr des Königs“ oder ein in den Sand gesetztes „Matrix Revolutions“?

FALL OF CARTHAGE haben die Latte mit ihrem letzten Album recht hoch gelegt. Dass jetzt „nur“ 10 Songs und etwa 33 Minuten auf der Platte sind, muss nicht gleich negativ sein, denn es geht immerhin um Qualität und nicht Quantität. Qualitativ ist zumindest die Produktion, wie man es von FOC gewohnt ist, einfach top. Wer hier etwas anderes behauptet, hat wohl was mit dem (Metal) Hammer auf den Kopf bekommen.
„Emma Green“ geht mit dem Opener „Sings Of Corruption“ direkt in die Vollen. Kein langsames ran tasten sondern direkt Vollgas. Verspielte Gitarrenriffs, die auch mal über die Genregrenzen schlagen, organische Drums und die gewohnt aggressive, dennoch gefühlvolle, Stimme von Sänger Sascha vereinen sich hier wie gehabt zum typischen FALL OF CARTHAGE – Stil. Eine Mischung aus Hardcore, Thrash- und Groove Metal, die so zweifelsohne einzigartig ist. Die ersten drei Songs preschen nur so daher und der Hörer hat kaum richtig Zeit das Gehörte zu verarbeiten. Beinahe bleibt bei der Vollgas-Attitüde die doch so wichtige Message der Songs auf der Strecke, denn FOC haben mit diesem Album in eine ungewohnt politische und mahnende Richtung eingeschlagen. So geht es im Opener direkt um die berüchtigten Fake News und falsche politische Entscheidungen.

Nach drei Vollgas-Songs kommt dann endlich ein Song, welcher mal wieder das gesamt Talent der Band und besonders von Sänger Sasha zeigt. „Down There“. Der ganze Song ruft eine „Alaska / Nordlichter“ Szenerie vor’s innere Auge und wirkt sehr entspannend. Perfekt gesetzt, um nach den ersten Songs einmal runterzukommen, um sich auf die nächsten Brecher vorzubereiten – den Titeltrack „Emma Green“! Die ersten paar Sekunden des Songs sind, so leid es mir auch tut, vollkommen daneben und klingen etwas nach Schülerband, die versucht böse zu sein – aber auch nur die ersten vier Sekunden. Der Bass knallt hier ordentlich über die Boxen und reißt den Hörer richtig mit. Das Album macht in der Gesamtaufmachung nun erst richtig Sinn: Das Cover zeigt eine Frau, die, scheinbar tot, auf der grünen Wiese liegt. Der Song selbst lehrte uns, dass es hierbei um Kindesmisshandlung geht. Ein Thema, welches, zumindest im Song, frei erfunden ist, aber leider in der Realität viel zu häufig vorkommt.

Weiter geht es mit knallenden Riffs und Headband-Momenten. Was auffällt ist, dass FOC bei diesem Album deutlich weniger verspielt sind. Keine Rap-Experimente mit einer betrunkenen Christy Mack oder Songs, die vom Sprachgesang geprägt sind. Alles in allem scheinen FOC sich immer mehr in die Ecke „Groove/Thrash“ zu begeben und eine eindeutige Schiene einzuschlagen. Genau das, was am letzten Album so herausragend war, fehlt hier also. Dennoch ist das Album eine absolute Wuchte und schlägt einem nur so in die Fresse und sobald man wieder aufstehen will kommt der nächste Song und streckt einen nieder. Das einzig verspielte ist hier eine grandiose Neuinterpretation von „Slow and Low“ der Beastie Boys. FALL OF CARTHAGE werden erwachsener, werden straigther und kritischer, das zeigt sich auch am Song „F.A. GOV“, welcher ganz offen Nazis und Trump kritisiert – tolles Statement btw.

„Emma Green“ ist inhaltlich ein Meilenstein, denn die Band spricht offen viele Probleme an und kritisiert diese ganz direkt, etwas, dass gerade deutsche Bands aus diesem Genre dieser Tage eher selten machen. Der Sound pegelt sich ein und ist im Vergleich zur ersten Scheibe schon etwas anders, muss sich aber vor nichts verstecken. Das Ganze ist auch eher meckern auf hohem Niveau. Peter Jackson hat ja auch keiner gesagt „9 Orks mehr wären besser gewesen“. So oder so: geiles Teil, auch wenn ein kleiner musikalischer Rückschritt.