SHINING - X - Varg Utan Flock
SOM444-Shining-1500X1500px-300dpi-RGBGenre: Black Metal
Label: Season of Mist
Veröffentlichung: 5.1.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

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Fluch und Segen zugleich ist es, völlig unbedarft an ein Album eines Künstlers heranzugehen, der seit über zwanzig Jahren in der Black Metal Szene sein Unwesen treibt und sicher kein Unbekannter ist, auch weil er durch teils verstörende Auftritte durchaus des Öfteren in den Medien herumgeistert – von Selbstverletzung über Hitlergruß ist da alles dabei. Es entspricht vermutlich eher dem Zufall, dass sich unsere Audio-Wege bisher noch nie gekreuzt haben – außer bei einem eher enttäuschenden Auftritt auf dem Summer Breeze, auf dem ich etwas Spektakuläres mit Aufschlitzen und Blutspritzen sehen wollte, was leider nicht passiert ist.

Schon den zehnten Longplayer haut uns Mastermind Kvarforth hier um die Ohren, er weiß also, was er tut. In seiner eigenen Schublade, die er mit „Suicidal Metal“ beschriftet hat, befinden sich seine inneren Dämonen seiner mentalen Ungesundheit – auf Schwedisch. Der erste Track „Svart Ostoppbar Eld“ beginnt mit einem rauen Geflüstere und punkigen Gitarren- und Bassgeschrubbel mit einer saftigen Produktion. Die Blastbeats und das kehlig-schnarrende Black Gegurgel schieben den Song in die richtige Richtung. Die Akustikgitarren kreiieren als Unterbrechung der Songstruktur eine recht harmonische Atmosphäre, die vom gruslig-gräulichen Gestöhne Kvarforth aufgemischt wird. Dem Bass wird enorm viel Raum eingeräumt, was das Ganze nicht ungroovig macht. Durch die regelmäßigen Unterbrechungen zieht sich der Song etwas klebrig durch die gut sieben Minuten. Eine Spiegelung der Verwirrtheit, Desorientierung und des Hasses wird hier musikalisch erschaffen.

„Gyllene Portarnas Bro“ wartet mit gesanglichen Variationen von klargesangähnlichen Klagen über flüsternd-gedämpften Gestöhne bis hin zu würgendem Wehgeschrei auf, unterstützt vom Rollen des nordischen „r“s. Erst gegen Ende setzen hier ein paar klassische Blastbeats ein, die das Black Metal Schildchen rechtfertigen. „Jag Är Din Fiende“ setzt auf klarere Strukturen im Midtempo und jede Menge Bass, was den Track wesentlich eingängiger macht. Ein verträumtes klassisches Gitarrensolo unterstreicht diesen Eindruck. Die zweite Hälfte des Songs ist wieder geprägt von ruhigeren akustischen Spielereien. Anspieltipp!

„Han Som Lurar Inom“ wartet mit aufreibenden Dissonanzen gepaart mit Blastbeats und schnarrenden Vocals auf, die scheinbar einen Haufen schwedischer Wörter mit „r“s beinhalten. Die Stimmung lässt sich als alarmierend, akut und beunruhigend beschreiben. Auch wenn der Sound hier immer noch sehr mächtig ist, dominieren hier im Gegensatz zu den anderen Tracks die Höhen der Gitarren, die mit jeder Menge Effekten á la Wah-Wah gespickt sind. Auch hier lassen die acht Minuten wieder jede Menge Spielraum für Tempowechsel, Interludien und Spielereien. Am Ende schließt sich der Kreis zum Anfang mit den bedrohlichen Akkorden. „Tolvtusenfyrtioett“ ist ein reines akustisches Piano-Stück klassischer Natur. Der Schlusstrack „Mot Aokigahara“ bietet zunächst sechs Minuten Instrumental-Doom, bevor die Hölle losbricht, so dass der Song doch noch recht eingängig wird und mich musikalisch in manchen Akkorden leicht an Opeth erinnert. Ein letztes Solo darf dann auch noch ran.

Insgesamt ist das Album sicherlich keine leichte Kost, da es nur so übersprudelt vor songwriterischen Ideen. Die Songs sind alle nur lose miteinander verknüpft und bedienen sich jeglicher Art von Tempo, Atmosphäre und Variation in Gesang und Instrument. Da ich ja eher ein Freund der klaren Strukturen bin, trübt das für mich etwas das Hörerlebnis subjektiv, aber nichtsdestrotrotz hat Kvarforth hier Qualität abgeliefert – inklusive blitzsauberer Produktion, so dass es für alle zu empfehlen ist, die ihren Horizont gern auch einmal erweitern.