BLEED FROM WITHIN – Era
1000x1000Genre: Melodic Death Metal / Metalcore
Label: Century Media
Veröffentlichung: 16.4.2018
Bewertung: Sehr Gut (7/10)

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Über fünf Jahre sind seit dem letzten Album „Uprising“ der Schotten vergangen, Grund dafür ist vor allem der Ausstieg von Gitarrist Martyn Evans. Zunächst versuchte die Band sich als Quartett, was aber nur mäßig funktionierte. Das neue Album war schon halb fertig, als sie mit Steven Jones endlich einen fähigen Ersatz fanden. Neu sind außerdem die vereinzelt auftretenden cleanen Vocals von Sänger Scott Kennedy, die unterstreichen, dass „Era“ noch melodischer ausgefallen ist, auch wenn diese die Combo etwas mehr in die Core-Ecke rücken. Neben den corigen abgehackten groovigen Gitarrenrhythmen findet sich der Fokus aber vor allem auf den fließenden Melodien, die den Melo Death Metal-Anteil der Schotten repräsentieren. Auch thematisch hat sich BLEED FROM WITHIN weiterentwickelt. Konzentrierte man sich auf den letzten Alben noch auf persönliche Probleme, rücken nun soziale und gesellschaftliche Thematiken in den Vordergrund. Das Cover wurde im Übrigen von Bassist Davie Provan gestaltet und zeigt wurzelähnliche Hände, die sich dem Himmel mit der düsteren Sonne entgegenstrecken.

„Clarity“ beginnt mit einem kurzen Intro, das mich sowohl an neuere In Flames, aber auch an Parkway Drive erinnert. Die Gitarren sind sehr melodisch, das Schlagzeug im Hintergrund folgt den Rhythmen der Saiteninstrumente akribisch. Der Refrain wartet sogleich mit einem Chor aus cleanen und gegrowlten Vocals auf, eine gewisse Verhaltenheit in den neuen Gefilden ist hier spürbar. Auf dem Chorus liegt zudem noch der typische Halleffekt, den man aus dem Core-Genre kennt. „Crown of Misery“ prügelt zunächst recht deathig á la The Crown auf die Felle, bevor es in einen sehr basslastig-groovigen Part und einen metalcorigen Refrain mit cleanen Vocals übergeht. Der Sound ist recht sauber und fein abgestimmt, könnte aber vielleicht ein paar mehr Höhen vertragen, vor allem im melodischen Part, der die Leadgitarre fast ein wenig zu sehr in den Hintergrund rutschen lässt. „Cast Down“ beginnt mit einem Synthie-Intro, das nahtlos zum Geprügel überleitet. Besonders stechen hier die bis zum Zerreißen geslappt-schwingenden Basslinien hervor, die leicht aus dem mächtigen Gewitter hervortreten. Zum anderen taucht hier ein fast klassisches Gitarrensolo auf, das teilweise sogar eine Doppelung erfährt. Die Samples schaffen den Wiedererkennungswert und die Überleitung zum Schlussteil.

„Afterlife“ hält das Tempo hoch und hangelt sich an groovig-melodiösen Passagen und einem dissonanten Riff zwischen Lead- und Rhythmusgitarre durch den Song. Die Mitte ist markiert vom eindringlichen Gesang, der in den Vordergrund rückt. Ansonsten bleibt das Muster hier erhalten, das auf basslastigen Rhythmen basiert, die vom Schlagzeug imitiert werden. „Shiver“ präsentiert einen melodischen Ohrwurm-Chorus, der zum Teil wieder mit cleanen Vocals bestritten wird, der wie auch die Samples einen Kitt für den Song bildet. Der zunächst starke Song „Bed of Snakes“ zeigt das Melodic Death Metal-Potential der Schotten, hier geht es mehr in die Mitten, die Melodien sind fließender und weniger von basslastigen Rhythmen unterbrochen. Auch das Schlagzeug orientiert sich in den Strophen mehr auf das Dauerfeuer durch die Doublebass. Gegen Ende fällt der Song dann aber in das breakige Core-Muster zurück, was hier de facto schade ist.

„I am Oblivion, Pt. II“ bewegt sich im Midtempo und gewinnt seine Aggressivität aus den geifernd-keifenden Growls. Die Riffs sind bassig-groovig, repetitiv und spielerisch. „Alone in the Sun“ besticht mit einem sangbaren Refrain mit einem cleanen Chor und einem schönen, aber kurzen Gitarrensolo. „Gatekeeper“ zeigt sich im Chorus dramatisch, im Hintergrund sind vage Synthies zu hören. Ansonsten frickeln sich die Gitarren gekonnt durch die Halbtöne. „Ruina“ führt zunächst ein gemäßigtes Intro vor, das sich dann in die üblichen basslastigen Grooves entwickelt und im Midtempo verbleibt. Die Growls klingen teilweise etwas tiefer und kehliger und damit etwas variabler. Der Schlusstrack „Alive“ folgt dem Muster.

Insgesamt ist das Album extrem kurzweilig und leicht verdaulich. Das Tempo wird stets hochgehalten, die Gitarren sind groovig, das Schlagzeug abwechslungsreich und anspruchsvoll im Rhythmus. Die Produktion ist sauber, vernachlässigt aber an manchen Stellen die Höhen. Die Growls schaffen zusätzliche Aggressivität, die Samples sind nicht übertrieben oder überladen. Die Zielgruppe ist definitiv der junge moderne Hörer, der mit der Core-Welle aufgewachsen ist. In dieser Ecke ist das Album aber leider eines von vielen ohne größeren Ohrwurmcharakter, auch wenn es ohne die Klischees des Breakdowns auskommt und technisch erstklassig ist. In der Melo Death Szene hätte es dagegen durch mehr Fluss in den Melodien und mutigeren Klargesang punkten können. Diese Fans werden das Zwitterwesen aber nur schwerlich akzeptieren.