WIEGEDOOD - De Doden Hebben Het Goed III
Wiegedood_-DDHHGIII_Cover_2018Genre: Black Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 20.4.2018
Bewertung: Klasse (8/10)

Facebook

Man muss schon sagen, Century Media haben in letzter Zeit ein gutes Händchen mit Neuerscheinungen. Für mich noch ein echter Geheimtipp auf der letzten Scheibe, haben die Belgier WIEGEDOOD nun einen Majordeal an Land gezogen, nachdem sie auf der letzten Tour Wolves in the Throne Room supportet und mehr als nur überzeugt hatten. Die im Titel ersichtliche Trilogie findet nun mit dieser Scheibe, die sich thematisch wieder mit dem Verlust (ursprünglich eines nahen Freundes) beschäftigt, ein Ende. Der Mensch klammere sich naturgemäß verzweifelt an Menschen und Dinge, die ihm lieb sind, so die Band über die Hintergründe der CD.

Bereits der erste Song „Prowl“ startet ohne Geplänkel und mit roher Wucht. In den gut sieben Minuten ist genügend Platz für Abwechslung zwischen nicht so sehr modernem, aber auch nicht reaktionärem Black Metal Gedresche und atmosphärischen Parts. Black Metal typisch für mich ist der sehr schwammig-blasse Sound, der fast völlig ohne Bässe auskommt, das wirbelnde monotone Schlagzeug und die flirrenden Rhythmus-Gitarren, die nur im Hintergrund von Leads begleitet werden. Auch der Gesang krächzt kehlig-heiser aus der Peripherie. Gut gelungen ist die Balance zwischen Prügel-Passagen und melodischeren Anteilen. Die atmosphärischen Einsprengsel präsentieren sich mit mantrischen Gebrummel im Gesangsbereich.

„Doodskalm“ zeigt, wie sich Klarheit und Aggressivität gut verbinden lassen, die Riffs sind in ihren Tonfolgen einfach gehalten und wechseln nicht besonders schnell. Durch ein klassisches Tremolo Picking gewinnen die Riffs aber naturgemäß an Brutalität. Besonders im zweiten Teil stehen die Melodien im Vordergrund, wenn auch der Speed noch etwas herausgenommen wird und das Schlagzeug einen Gang herunterschaltet. Dazu krächzt und faucht Sänger Levy, was die Kehle hergibt.

Der Titelsong beginnt verhalten mit einem verträumt-düsteren Akustikgitarren Riff und unheimlichen Geräuschen, bevor das Black Metal Gewitter zunächst im Midtempo losbricht und sogar ein bisschen Bass auf die Platte zaubert. Die geradlinige Songstruktur wirkt nicht langweilig, sondern besticht eher durch Ohrwurmcharakter, die erzeugte Atmosphäre kann als schmerzlich und wütend bezeichnet werden. Das Tempo bewegt sich mitnichten im Midtempo-Bereich, überschreitet aber definitiv nicht die Schwelle zum lärmigen Geprügel. Hier klingen die Belgier schon fast schwedisch-melodiös. Die Mitte des Songs unterbricht das Gewitter durch einen ruhigen Akustikpart, der den Bogen zum Anfang spannt, bevor der Sturm wieder aufgenommen wird. Das Schlagzeug ist an dieser Stelle etwas feiner hervorgemischt, was am klaren Sound der Snaredrum deutlich wird. Nach hinten wird der Song ausgefaded.

„Parool“ verfolgt das gleiche Konzept: mantrische, einfache, aber unverbrauchte Riffs, die mit genügend Tempo gepaart in den Ohrhärchen ankern. WIEGEDOOD schaffen hier eine interessante Mischung aus traditionellen Anleihen im Schweden Black und einem modernen Touch. Die Gitarren erfahren zum Teil einen gewollt übersteuerten Transistor-Radio Sound, der einer Insekteninvasion gleich über das Trommelfell schwirrt.

Insgesamt setzen WIEGEDOOD keinesfalls auf übertriebene Virtuosität oder Verspieltheit, sondern auf klare Strukturen und geradlinige Riffs, die die Atmosphäre in den Vordergrund rücken, ohne dabei Variationen oder das Erzeugen von Melodien außer Acht zu lassen. Ein kleiner Wehmutstropfen ist, dass das Album mit knapp 34 Minuten doch etwas abgespeckt ausgefallen ist. Nichtsdestotrotz ein schmackhafter Silberling einer großartigen Band.