INFINITE HORIZON - Illumination
Infinite Horizon - IlluminationGenre: Progressive Power Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffenlichung: 26.08.2017
Bewertung: Heavy (10/10)

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INFINITE HORIZON – dieser Name steht seit nunmehr zwanzig Jahren für qualitativ hochwertigen progressiven Power Metal aus Deutschland. Seit der Bandgründung 1997 hat sich die Band in zahlreichen Live-Auftritten ein umfangreiches Repertoire angeeignet und sich stets weiterentwickelt.

Es wurden zudem vier Studioalben und ein Demo in professionellen Tonstudios (u.a. das Dust-Music-Studio von S.L.Coe (ex-Angel Dust, ex-Scanner)) aufgenommen, welche in der Musikfachpresse durchweg positive Kritiken erhielten. Die weiteren Veröffentlichungen standen sich dem in nichts nach. So erreichten „Soul Reducer“ und „Dominion“ ebenfalls Höchstnoten.

In zahlreichen Konzerten, in denen die Band unter anderem Künstler wie Queensryche, Threshold, Annihilator, Rage, Vicious Rumors, Blaze Bayley oder Rob Rock supportete, konnte sie das Publikum durchweg begeistern. Das größte „Headliner“-Konzert gab INFINITE HORIZON anlässlich des „Rock am Schloss“- Festivals in Münster im Jahre 2016, wo man sich vor über 3000 Zuschauern präsentieren konnte.

Nach einigen Veröffentlichungen über diverse Labels entschied man sich im Jahre 2010 dazu, die geltenden Verträge aufzulösen und wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Ende 2011 ersetzte Boris Marcukaitis, ein Kumpel und jahrelanger Unterstützer der Band (produzierte unter anderem die ersten beiden Alben), den damaligen Schlagzeuger.  2016 wurde auch Martin Reinschmidt als neuer Bassist aus dem engeren Freundeskreis der Band rekrutiert. Pünktlich zum 20-jährigem Bandjubiläum veröffentlichen INFINITE HORIZON nun das eigens produzierte und von Dan Swanö gemasterte fünfte Full-length-Album „Illumination“.

Illumination – Ende bedeutet Dunkelheit. Illumination ist ein Neuanfang, eine Wiedergeburt, ein Licht in der Dunkelheit.

Und los geht es in typischer INFINITE HORIZON Manier. Kräftige Gitarrenriffs im Einklang mit den Drums, dem Bass und den Keyboards. Nach kurzem Intro erklingt die unverkennbare Stimme von Marc Lemler. Im fast hymnenhaften Mittelteil begreift man die ganze Spielstärke dieser Band. Musikalisch sind da alles Profis und Perfektionisten am Werk.

So beschreiben INFINITE HORIZON ihren Song: „The Infinition“ ist das, was wir sind, eine gereifte Band mit viel Spaß an der Musik und dem Sound, den wir seit jeher spielen und weiterentwickeln.

„Fallen Empires“ kommt auch flott daher mit all den Elementen, die Infinite Horizon auszeichnen. Saubere Gitarrenriffs, eingängige Melodien, die Beine wippen mit, der Kopf kreist und ich verreiße hier die Buchstaben. Nein, im Ernst, jedes Lied hat seine Einzigartigkeit, sei es in den Gitarrenriffs, gesanglich oder in ihrer Melodie.

INFINITE HORIZON: Mit dem Text möchte ich aussagen, dass wir nichts aus der Vergangenheit lernen und diese Schatten immer wiederkehren.

 „Lost In The Future“ steigt mit Gitarren und Keyboards ein, alles in einem fetten Sound. Als Marc mit dem Gesang einsetzt, wird das Ganze etwas ruhiger bis hin zum Refrain. Da legt man wieder los, der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Die Keyboardpassagen erinnern an die alten Deep Purple.

INFINITE HORIZON: Gemeinsame Erlebnisse bleiben in einer richtigen Freundschaft auf ewig unvergessen und halten so das vermeintlich Auseinanderdriftende zusammen.

 „Awaken“ mit einem eher ruhigen Beginn, bevor die Gitarren und der Gesang einsetzen. Auch dieses Lied kann gut und gerne als Hymne bezeichnet werden, wenn der Refrain ertönt. Da kann auch schon mal das Feuerzeug oder die Handylampe geschwungen werden. Weil der Song definitiv auf die Bühne gehört.

INFINITE HORIZON: Das Ergebnis wird sein, dass man die schlafenden Hunde wecken wird, die man für immer verbannt glaubte. Damit sind die verfassungsfeindlichen Bewegungen an unseren politischen Rändern gemeint. Die Mitte schweigt, trägt mit oder beschimpft sich untereinander, der Rand wächst. „Awaken“ ist ein Weckruf und gilt sowohl für die Anhänger der momentan Regierenden als auch für die Opposition.

 „Sun and Shield“ fängt mit Akustikgitarre an, Schlagzeug schließt sich an, der Gesang von Marc Lemler klingt flehend. Das klärt sich, wenn man sich richtig mit dem Text beschäftigt. Ein schöner langer Instrumentalteil folgt, bevor man weiter kritisch den Sinn von Kriegen hinterfragt.

INFINITE HORIZON: Schon in der Vergangenheit hatte ich mich mit der Thematik Krieg bzw. Auswirkungen von Krieg auf Menschen beschäftigt ( u.a. „The thin Line“ vom „Soul Reducer“-Album). „Sun and Shield“ behandelt die Frage, ob es für die ganzen Soldaten, die in sinnlose/-volle Kriege geschickt werden, auch Vergebung für ihre Taten gibt. Im Text stellt ein Soldat stellvertretend für alle diese Frage. Klar ist, dass ein Soldat keine weltliche Bestrafung bekommt (solange er keine Kriegsverbrechen begeht natürlich). Aber diese Männer und Frauen zerstören und töten im Extremfall andere Menschen, egal ob es richtig oder falsch ist. Sie werden nicht gefragt, sie führen Befehle aus. Aber diese Dinge müssen auch mental verarbeitet werden. Deswegen der Songtitel: Scheint auch für diese Menschen weiterhin die Sonne (=Licht) und erhalten sie einen Schutzschild (=Vergebung).

 „Thrones Of Grief“ beginnt mit futuristischen Keyboards, bevor sich der Rest der Band anschließt. Dieser Song klingt etwas aggressiver durch seine geilen Riffs. Dazu tragen auch die Growls von Gastsänger Martin Bäcker bei. Schöne Tempowechsel machen „Thrones Of Grief“ zu einer sehr kurzweiligen Nummer und zu einem meiner Favoriten auf diesem Album.

INFINITE HORIZON: Eine grobe Fortführung der „Sun and Shield“-Thematik, allerdings auf die gesamte Gesellschaft bezogen und um weitere negative Eigenschaften erweitert. Es klebt sozusagen Blut an dem Thron, auf dem wir sitzen. Viele fragen sich, warum Gott so viel Leid und Elend in der Welt zulässt, dabei sollte sich jeder selbst Fragen, ob das ganze Leid und Elend zum größten Teil nicht vom Menschen selbst herbeigeführt worden ist.

 „Testing The End Of All Times“, das wahrscheinlich ruhigste Stück auf dem Longplayer, das aber von den anderen Songs nicht abfällt. Auch hier wird qualitativ sauberer Metal abgeliefert, wieder mit schönen eingängigen Melodien und der kräftigen Stimme von Sänger Marc Lemler.

INFINITE HORIZON: Dieser Text entstand kurz nach der Geburt meiner ersten Tochter. Manchmal fragt man sich als Vater, ob es richtig ist/war Kinder in die Welt zu setzen, während in anderen Teilen der Welt der berühmte Tanz auf der Rasierklinge (z.B. mit Waffenhandel mit fragwürdigen Regierungen nur des eigenen Profits willen) getanzt wird.

Und nun zum eigentlichen Höhepunkt des Albums: „Revelation“. Ganze 16:42 Minuten kann man diesen Song genießen. Die Geschichte zu dem Song ist eigentlich schnell erzählt. INFINITE HORIZON hatten eigentlich schon immer Bock auf einen recht langen Song, jedoch haben die damaligen Label gesagt, da spielen wir nicht mit. Da INFINITE HORIZON dieses Album in Eigenregie durchgezogen hat, hat man sich also den Traum verwirklicht und herausgekommen ist eine Wahnsinnsnummer.

Natürlich fängt eine so lange Nummer sehr bedacht an, mit Klavierklängen, gar orchestral wirkt das Ganze. Langsam wird Spannung aufgebaut und die Gitarren und Drums ertönen aus den Boxen. Ein rasantes Tempo wird vorgelegt und das erste Gitarrensolo erklingt. Hier kommt der Headbanger voll auf seine Kosten. In diesem Lied sammelt sich alles, was man sich wünscht. Harte Metalpassagen, hymnenhafter Gesang, schöne Melodien und dazu noch Gastsänger Martin Bäcker und Gastsängerin Caroline Sander, die das Ganze noch abwechslungsreicher machen.

INFINITE HORIZON: ein Text, der den Albumtitel „Illumination“ zur Vollendung führt. Angelehnt an die Offenbarung des Johannes entsteht hier die endgültige Spaltung von Licht („ …eternal salvation“/ „…brightest Light“) und Dunkelheit („Darkness, there will be darkness“). Egal, ob man Christ ist oder nicht, am Ende gibt es für jeden nur diese zwei Möglichkeiten. Das beginnt schon damit, ob man bei den Menschen der eigenen direkten Umgebung positiv oder negativ in Erinnerung bleibt. Die Welt mag sehr oft nicht nur schwarz und weiß, sondern meist eher grau zu sein. Am Ende aber gibt es nur die Wahl zwischen Licht und Schatten.

 Tja, was soll ich euch noch über dieses Album erzählen? Mit ILLUMINATION haben die Siegerländer Jungs einmal mehr bewiesen, dass sie in der ersten Liga des Metals mitspielen und sich mit diesem Album selber ein Denkmal gesetzt.