OBSCURA, DESERTED FEAR, THULCANDRA, SEKTOR, Alte Kaserne, Landshut, 30.4.2018 (Konzertbericht inkl. Galerie)

Das niederbayrische Landshut ist zwar nicht gerade für seine ausgeprägte Metalszene bekannt, trotzdem ist es Geburtsort von zwei grandiosen Combos: OBSCURA und THULCANDRA, die sich auch den gleichen Gitarristen/Sänger teilen trotz der unterschiedlichen Ausrichtungen. Zum fünfzehnjährigen Bandjubiläum luden die Niederbayern in ihre Heimat östlich von München ein. Auch wenn der Vorverkauf wohl nur schleppend lief, war die Alte Kaserne gut gefüllt, nicht nur mit lokalen Bombenlegern, sondern auch bekannten Gesichtern aus dem Münchener Umland. Mit vier Bands für schlappe fünfzehn Euro hatte die Jubiläumsveranstaltung aber auch ein unschlagbares Angebot geschaffen.

Die erste Band SEKTOR, ebenfalls aus Landshut, zockte zunächst Death/Thrash der etwas härteren Gangart, was bei den Anwesenden schon ganz gut ankam. Das Quartett überraschte vor allem damit, dass sie keinen Bassisten im Line-up präsentierten, was aber nicht weiter negativ auffiel. Der Sound war von Anfang an etwas schwankend, wahrscheinlich wurde permanent nachgebessert. Diesem fielen vielleicht auch die etwas dünnen Growls des Sängers zum Opfer.

Danach enterten die Münchener/Landshuter THULCANDRA die Bühne, die mit ihrem schwedischen Todesmetall á la Dissection stets die Meute überzeugen können, vor allem weil sich die Anzahl ihrer Auftritte in den letzten Jahren sehr in Grenzen gehalten hat. Dafür wurde ihnen an diesem Abend genügend Spielzeit eingeräumt, um Songs von allen Alben zu zocken. Die ungewohnt euphorische Spielfreude und Publikumsinteraktion lag sicher auch am Heimspielort und dem besonderen Event. Dieser Spaßt übertrug sich natürlich ebenfalls auf das Publikum. Mein persönliches Highlight ist bei ihren Auftritten eigentlich immer „Frozen Kingdom“. Gefeiert wurde natürlich am Ende außerdem noch das obligatorische Dissection-Cover „Night’s Blood“ von dem Meisterwerk „Storm of the Light’s Bane“ von 1995. Hier die Setlist von THULCANDRA:

  1. Black Flags of Hate
  2. Throne of Will
  3. Frozen Kingdom
  4. The Second Fall
  5. Deliverance in Sin and Death
  6. Spirit of the Night
  7. Night’s Blood

Als drittes betraten die wie immer gutgelaunten Deather DESERTED FEAR aus Thüringen die Bühne, die es konstant schaffen, ihr Publikum durch ihre Partylaune, harmonisch-brutalen Riffs und ihren witzigen Ansagen in Fahrt zu bringen. Ich muss mich immer wieder wundern, wo die Jungs, die sich in den letzten Jahren so den Arsch abgespielt haben, diese Energie hernehmen und wie es ihnen nie langweilig wird – sogar die Jungs am Merchandise sind immer zu einem netten Pläuschchen aufgelegt. Zusätzlich hatten sie an diesem Abend noch den besten Sound erwischt. Der ein oder andere Pfeffi war wohl auch konsumiert worden, da laut eigener Aussage wohl „die eine Hälfte des ersten Songs unterschlagen worden war“. Zeit und Lust für ein Publikumsfoto war am Schluss dann außerdem noch.

Die letzte Band des Abends war sozusagen auch das Geburtstagskind, das sein fünfzehnjähriges Bandjubiläum feierte. Bereits der zweite Auftritt war es für Sänger Steffen nun mit OBSCURA, der sich aber die Strapazen nicht anmerken ließ und eine gute Show bot. Scheinbar war es ja sowieso der Abend der zuvielsaitigen Instrumente, aber was OBSCURA bieten, ist schon manchmal zum Staunen, sowohl an der Gitarre, als auch am Bass. Besonders der Gitarrist ließ uns Sterbliche mit seinem überirdischen Gitarrenspiel ziemlich den Mund offenstehen lassen. Da muss sogar der technisch versierte Drummer manchmal zurücktreten. Leider war der Sound durchweg recht basslastig, so dass die Virtuosität des Leadgitarristen an manchen Stellen ziemlich unterging. Gegen 24 Uhr waren bei einigen nicht nur die alkoholgetränkten Zungen schon etwas schwer, sondern auch die Beine, so dass sich die Location etwas zugunsten der Aftershow Party leerte. Dies lag aber sicher vor allem an den über vier Stunden Geballer, die ja jedem genügend Spielzeit einräumten. Insgesamt war der Abend optimal organisiert, sehr unterhaltsam und bot jede Menge versierte Musiker, die alle ihre Spielfreude transportieren konnten, auch wenn acht Nebelmaschinen für die Location vielleicht etwas überambitioniert waren. Dafür gab es in den Umbaupausen eine große Leinwand, die Impressionen der Bands zeigte. Es hat sich also durchaus gelohnt, den nicht ganz so nahen Weg nach Landshut anzutreten und sich dieses klasse Line-up anzusehen. Hier noch die Setlist von OBSCURA:

 

  1. Ten Sepiroth
  2. The Monist
  3. Ocean Gateways
  4. Akróasis
  5. The Anticosmic Overload
  6. Perpetual Infinity
  7. Ode to the Sun
  8. Centric Flow
  9. Incarnated