DIMMU BORGIR - EONIAN
Dimmu-Borgir-Eonian-ArtworkGenre: Symphonic Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 04.05.2018
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Ich habe eine Theorie. Wenn es um die Band DIMMU BORGIR geht, gibt es drei Kategorien: Leute die sie gerne hören, Leute die sie nicht mögen und Leute, denen die Band bisher schlichtweg egal war. Ich zähle mich eher zur letzteren Kategorie. Die rassistischen Äußerungen ihres Sängers Shagrath zu Beginn ihrer Karriere haben auch nicht wirklich an einem gesteigerten Interesse meinerseits beigetragen. Nichtsdestotrotz habe ich mich freiwillig gemeldet, dieses Album zu beurteilen. Nach vielen kleineren Bands, hatte ich einfach mal Lust auf eine bekanntere.

Und so richtig wusste ich auch nicht, was mich erwartet. In meiner Vorstellung war DIMMU BORGIR eine Black Metal Kapelle. Doch was mir nach dem Drücken auf den Play-Button über die Kopfhörer ins Gehirn gewummert wurde, hat nur noch entfernt etwas von dieser Spielart des extremeren Metals. Da musste ich erst mal kurz überprüfen, wie die Alben davor geklungen haben. Dabei habe ich dann festgestellt, dass ihr letztes Album „Abrahadabra“ bereits aus dem Jahr 2010 stammt. Eine ganz schön lange Zeit, sieht man mal von der Veröffentlichung eines Live-Albums in 2017 ab. Spult man sich durch die Diskographie von DIMMU BORGIR, stellt man fest, dass sich ein steter Wandel vom Black zum Symphonic Metal vollzogen hat. Doch lassen wir das Vergangene vergangen sein und beschäftigen uns mit der neuen Scheibe „Eonian“.

Der Opener „The Unveiling“ beginnt mit einem missglückten Electro-Sample. Schlechter könnte so ein Album eigentlich gar nicht starten. Aber zum Glück ist dieser nur von kurzer Dauer und weicht jagenden Gitarren-Riffs, die dann doch sogar wieder an Black Metal erinnern. Danach trällert ein Chor, das Keyboard spielt auf und schließlich setzt die mal murmelnde, mal kreischende, mal brüllende Stimme von Shagrath ein. Insofern stimmt einen der erste Song gut auf das komplette Album ein. Leider verpasst er es, so richtig Fahrt aufzunehmen. Aber etwas Entspannteres zu Anfang muss ja nichts schlechtes sein. „Interdimensional Summit“ ist da schon spannender. Die Keyboards hämmern dem Hörer eine treibende Melodieabfolge um die Ohren, die sich im Refrain wiederholt und passend vom Chor ergänzt werden. Ich gebe es zu: ich hatte noch Tage nach dem ersten Hören einen Ohrwurm dieser mitreißenden Stelle. Das Lied gipfelt dann auch noch in einem schönen Gitarren-Soli. Der beste Song ist wohl „Council of Wolves and Snakes“. Zwischendurch dachte ich, der Sänger von Korpiklaani hätte ein Feature mit seinem typischen traditionellen Volksgesang. Dazu kommen große Percussion-Trommeln zum Einsatz. Der Song wechselt ständig zwischen schnellen und ruhigen Passagen, der ordentliches Kopfkino erzeugt.

Danach flaut das Album leider etwas ab. “The Empyrean Phoenix“ trägt dem Album nichts neues bei und „Lightbringer“ plätschert etwas lustlos vor sich hin. „I Am Sovereign“ ist dann nochmal ein schöner Symphonic Metal Song, der so aber auch von vielen anderen Bands dieses Genres geschrieben hätte werden können. Es fehlt der Wiedererkennungswert. „Archaic Correspondence“ beginnt vielversprechend mit scheppernden Black Metal Riffs und verspielt es sich dann aber so dermaßen in der Mitte des Songs mit einem schrecklichen Techno-Part, dass ich jedes Mal genervt auf den „Weiter-Knopf“ drücke. Bei „Alpha Aeon Omega“ wird es dann doch nochmal richtig gut. Zu hören sind Streicher. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Band schon jetzt wieder mit einem Orchester auf der Bühne. Und dann schießen einem die schwarzmetallischen Gitarren um die Ohren. Chor und Gebrüll gehen Hand in Hand. Sehr fett. Zum Schluss gibt es mit „Rite of Passage“ den ruhigsten Song des Albums. Ein Intrumental-Song, der genau an der richtigen Stelle platziert wurde.

Was soll man nun als Fazit schreiben? „Eonian“ ist kein schlechtes Album. Den meisten DIMMU BORGIR Anhängern der frühen Tage wird das Album nicht taugen. Zu weit ist die Band inzwischen vom Black Metal entfernt. Klar, hier und dort spielen die typischen Gitarren-Riffs auf, aber in seiner Gesamtheit vermischt die Band Dark und Symphonic Metal mit einem Kirchenchor und dem ein oder anderen Minimal Electro Part. Leider verballert das Album die besten Stücke gleich in den ersten vier Songs. Danach verliert es an Spannung, Wiedererkennungswert und Eigenständigkeit. Trotzdem bin ich mir sicher, dass das Album vielen Leuten gefallen wird. Gerade Fans der jüngeren Alben kommen auf ihre Kosten. Es ist ordentlich produziert und der Sound ist klasse. Zehn Titel sind weder zu viel, noch zu wenig und kommen dank Songs, die oft weit über die Fünf-Minuten Marke gehen auf eine angenehme Spielzeit von 54 Minuten. Die klassischen Metal-Instrumente, der Chor und die Keyboards stehen sich nicht gegenseitig im Wege, sondern lassen entweder genug Raum oder ergänzen einander. Auch das Artwork ist fett geworden. Von den Verkleidungen mag man halten was man will, aber in der heutigen Zeit, spielt bei manchen Bands eine aufwendige Bühnenshow zum Entertainment bei. Ist bei vielen Bands wie GHOST, POWERWOLF oder AMON AMARTH nicht anders. Textlich geht es natürlich immer noch um Dunkelheit und Tod, auch wenn die Band ihr satanisches Image längst eingebüßt hat. Sie sind Unterhalter geworden. Aber warum auch nicht? Auch ich kann mir nun vorstellen DIMMU BORGIR live zu sehen. Auf einem Festival, bei dem sie durch Zufall spielen. Von weiter hinten. Mit fünf Bier im Bauch. Und dem Sechsten in der Kralle.