RED APOLLO – The Laurels of Serenity
RedApollo-TheLaurelsOfSerenity-2018Genre: Post Metal
Label: Moment of Collapse Records
Veröffentlichung: 27.4.2018
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Nicht immer gilt ja, wer innovativ ist, ist erfolgreich oder fällt auf. Oft sind es gerade die guten Kopien erfolgreicher Konzepte, die Bands zunächst aus dem Fahrwasser herauskatapultieren, bevor sie dann – unter dem Buhen der Fans – neue Wege beschreiten. Das macht es für Newcomer mit neuen Ideen gar nicht einmal so einfach. Unter dem Label Post Metal läuft außerdem ja so einiges im Extrem Bereich und vereint die verschiedensten Einflüsse. RED APOLLO veröffentlichen mit „The Laurels of Serenity“ bereits ihr drittes Album, allerdings in sieben Jahren – von kommerzieller Massenproduktion also keine Spur. Und ihr Sound ist definitiv nicht kopiert oder ein unzählig neuer Aufguss.

Zunächst fällt neben dem ästhetischen und ansprechenden Coverart, das zwischen Jugendstil, Renaissance und Pop-Art wandelt, auf, dass die Lyrics nur aus wenigen Zeilen pro Song bestehen, neben zwei rein instrumentalen Stücken. Der Titelsong „The Laurels of Serenity“ macht den Anfang mit sehr schweren, einfachen und repetitiven Gitarren, die von einem sehr rau-kratzigen Sound geprägt sind. Das Tempo ist fast doomig-sludgig, der Gesang sehr urwüchsig-beißend. Musikalisch bewegen wir uns hier eher in Amorphis-Gefilden, die Songstrukturen sind etwas lose.

„Anguish & Purgatory“ bleibt in der Schiene der zurückhaltenden Tonfolgen. Die Grundstruktur geben Bass, Drums und Rhythmus-Gitarre vor, darüber liegen die Lead-Gitarren, die in gemäßigtem Tremolo-Style daherkommen. Dieser Song ist rein instrumental und arbeitet vor allem mit dem Wechsel von Bass/Gitarre und Leadgitarre, die in wenigen Variationen abwechseln. Kurz bevor man das Gefühl hat, die Platte hat einen Hänger, ist der Song dann vorbei, soll heißen, bevor das Gesangslose in die Langeweile driftet.

„The Ides of March“ ist dagegen wieder dominiert von dem räudigen Gekrächze von Sänger Christoph, wie auch den mit Hall versehenen versus Tremolo-Gitarren. Der Bass trägt dagegen eine Art Groove bei, der durch ein melodisches Riff erzeugt wird. „Deathwater Of Acheron“ ist noch ruhiger als die Vorgänger, vor allem das Schlagzeug ist sehr reduziert. Die Saiteninstrumente wechseln zwischen verzerrt und unverzerrt. Die grundlegenden Töne sind an einer Hand abzählbar, die hohen melodischen Töne darüber wiederholen ebenfalls verschiedene Themen, die lose miteinander verbunden sind, was eine sehr schwermütige und getragene Atmosphäre erzeugt. Die Leichtigkeit der Instrumente wird vom Gesang der Extrem Metal Ecke abgefangen, der dem Sanften gegenübersteht. Diese Opposition passt zum antithetischen Text, der ein tödlich-hoffnungsloses Licht beschreibt.

„The Mist We All Saw Coming” ist ein kurzes melancholisches Instrumental, das zu „Rituals & Repulsion“ überleitet, das lyrisch mit dem alttestamentarischen Bild eines zornigen Gottes spielt. Klavierähnliche Gitarren, untermalt von leisen Geigen-Synthies werden getragen von sanften Bass-Lines, die in dissonant-treibende Schlagzeugspuren enden und eine nachdenkliche Leere erzeugen, bevor es gegen Ende heavier wird. „Unyielding Void“ schafft nach einem grüblerisch-gedankenvollen Teil Platz für ein Bass-Solo wie auch zarte Gesangslinien, die gehaucht werden, bevor sie wieder in die Growls münden.

„A Sacred Kingdom Come“ beginnt sehr schroff mit drängenden Gitarren. Der Song ist bestimmt von Rhythmus-Wechseln, aber auch gleichbleibenden Tonlagen, wie auch geschichteten Gitarren-Kanon-Passagen.

Alles in allem ist das Album aufs erste Hören etwas verwirrend, da es keine gewöhnlichen Melodie-Hooks anbietet und auf repetitive Tonabfolgen setzt, die aber nur zuweilen miteinander verwebt sind. Die Musik ist im Tempo verhalten, nicht zu doomig, aber auch nicht zu metallisch. Der Gesang ist aggressiv, aber untergräbt die Melancholie und Trotzigkeit des Albums nicht. Für den Hörer gilt es also, sich auf die ungewöhnlichen Kompositionen einzulassen, die im schlechtesten Fall am Ohrwurmzentrum vorbeigehen.