LIGHT THE TORCH - Revival
1000x1000Genre: Metalcore / Modern Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 30.3.2018
Bewertung: Bombe (9/10)

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Sofort, aber sofort knallt der erste Song „Die Alone“ mit der einzigartigen Ohrwurm-Stimme von Ex-Killswitch Engage Frontmann Howard Jones und landet sofort auf meiner ewigen Playlist. Der fette Track, der die Marschrichtung ohne die typischen Metalcore Klischees bereits vorgibt, hat krassen Hitcharakter. „Revival“ ist – wie der Name schon andeutet – das erste Werk von Jones, Francesco Artusalo (Gitarre, ex-All Shall Perish) und Ryan Wombacher (Bass, ex-Bleeding Through), unterstützt von Gasttrommler Mike Scialara (Extinction A.D.) unter dem neuen Namen, nachdem DEVIL YOU KNOW der Vergangenheit angehören, seit Roy Lev-Ari und John Sankey die Band verlassen haben.

Die CD klingt insgesamt sehr modern, melodisch, aber durchaus an traditionellem Heavy Metal wie Iced Earth orientiert, dazu der unverkennbare Gesang von Howard Jones. Die Qualität des ersten Übersongs kann „The God I Deserve“ nicht ganz halten, hier bestehen für mich sehr gewöhnungsbedürftige Missklänge zwischen fetten heruntergestimmten Gitarren, dem melodischen Gesang und den dissonanten Melodien, die den Refrain nicht richtig markieren können. „Calm Before The Storm“ dagegen bietet wieder Gänsehaut pur mit einem Chorus, den man sofort mitsingen kann. Der Song findet genau die richtige Balance zwischen metallischer Härte und rockigen Melodien, ohne kitschig oder poppig zu werden – vom klassischen Metalcore oder Emo sind wir hier sehr weit entfernt.

„Raise the Dead“ bietet Raum für den slappigen Bass, der die Soloparts von Frontmann Jones untermalt, Zweitgesang im Hintergrund und nicht zu übertrieben massigen Gitarren. Der Spannungsbogen, der sich bis zum Gitarrensolo aufbaut, spannt die Nerven vielleicht etwas zu sehr bis zum Zerreißen und könnte etwas vorher und kräftiger knallen. „The Safety of Disbelief“ bewegt sich weiter in der gemäßigteren Schiene, auch wenn ein paar Growls im Hintergrund zu hören sind. Auch dies ist keine Schwäche von Jones, so dass ich mir das in manchen Songs etwas mehr und öfter gewünscht hätte, steht aber halt nicht im Konzept.

„Virus“ startet mit der Unterstützung von Synthies im Hintergrund, die Gitarren folgen der Melodie des Gesangs, während der Bass die Pausen mit einem weiteren Riff füllt, das zum Kopfnicken einlädt. Die schweren Gitarren im Zwischenpart in Kombination mit den Growls zeigen Anleihen an die Core-Vergangenheit der Musiker, was aber recht zügig von den modernen Passagen abgelöst wird. Auf dem Gesang liegt hier zudem ein seltsamer verzerrter Effekt.

„The Great Divide“ (erinnert mich sofort an Soilwork, nicht nur wegen des Titels) fährt ein sehr gedrosseltes Tempo und setzt auf akustische Gitarren und Pausen, die den Gesang in den Vordergrund rücken. Auch hier ist dem Bass genügend Raum eingeräumt, der wie die anderen Elemente glasklar abgemischt wurde. „The Bitter End“ gibt naturgemäß wieder mehr Gas und zeigt eine andere Spielart des traditionellen Heavy Metals zu Beginn, bevor es wieder in die melodisch-groovigen Gefilde geht. „Lost in the Fire“ beginnt mit schruppigen Cello-Tönen, die von den Gitarren aufgenommen werden und in den cleanen Gesang münden und später wieder als Motiv aufgenommen werden. Der dramatische Inhalt des Titels spiegelt sich dann erst im Zwischenpart mit den Growls wieder – so stelle ich mir doch den Feuertod vor, auch im metaphorischen Sinne. „The Sound of Violence“ dagegen beginnt auch mit brutalen Growls und dissonanten untiefen Gitarren, bevor das Tempo anzieht. Hier gibt es keinen Funken cleanen Gesang, es bleibt alles auf der harten Schiene.

„Pull My Heart Out“ kommt dagegen wieder zahmer daher, ohne auf basslastige Melodien zu verzichten. Der Gesang changiert zwischen Growls und Wehklagen, passend zum Titel. Der Refrain ist geprägt von sich durch die Randgebiete der Töne ziehendem Gesang. Der letzte Song „Judas Convention“ beginnt mit meditativen Akustikklängen, bevor die Lyrics „the end of the story“ verkünden und beste Wünsche senden. Das Tempo gestaltet sich als Abschiedssong zunächst zurückhaltend, bevor es zorniger wird, um wieder vom Akustikteils des Anfangs als Schleife unterbrochen zu werden.

Insgesamt lebt das Album natürlich von Ausnahmesänger Howard Jones, der in jeder Stimmlage brilliert. Mit „Die Alone“ ist den Amis ein absoluter Hit gelungen, auch ein paar andere Songs bewegen sich im Ohrwurmsektor. Der Sound ist glasklar produziert, die Songs halten sich alle in poppigen drei Minuten auf. Wer auf Killswitch Engage oder Bands wie Soilwork steht, kann getrost zugreifen, typischen Metalcore wird es hier aber nicht geben.