DARK TROLL FESTIVAL – Eindrücke

DT

„Das schönste Festival der Welt“ ist eine sehr selbstbewusste Aussage und man muss schon einiges anbieten, um dieser gerecht zu werden. Wer aber das DARK TROLL FESTIVAL in Bornstedt, Sachsen-Anhalt kennt, weiß, dass diese Aussage durchaus seine Berechtigung hat. Was gibt es Besseres, als ein Black/Pagan-Metal-Festival auf einer Burgruine auf einem bewaldeten Hügel stattfinden zu lassen? – Richtig, das ist eine rhetorische Frage.

Das Team vom DARK TROLL bemüht sich wirklich jedes Jahr besondere Gäste auf die Schweinsburg einzuladen und den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Klar findet man auch öfters die üblichen Verdächtigen im Line-Up wieder, doch sind auch immer ein paar Perlen dabei, die entweder ein besonderes Set spielen oder gar zum erstem Mal in Deutschland auftreten.

Mit diesem kurzen Bericht soll ein grober Eindruck vermittelt werden, da leider nicht alle Bands angesehen werden konnten. Manchmal ist auch der Campingplatz sehr unterhaltsam.

Am ersten offiziellen Tag wird zunächst mit Spannung das Akustikset von ODROERIR erwartet, doch diese Spannung wird getrübt, da die Band den Soundcheck kräftig überzieht und erst gut zwanzig Minuten nach eigentlichem Beginn anfängt zu spielen. Die Lieder sind eher andächtig, doch durch die Wartezeit will beim Publikum auch diese Atmosphäre nicht richtig ankommen, sodass die ganze Erfahrung recht nüchtern ausfällt.

Eines von den zuvor angesprochenen Highlights sind SOJOURNER, die am am späten Donnerstagnachmittag zum ersten Mal in Deutschland eine Bühne betreten. Die internationale Band liefern ein solides Set ab, zeigen viel Motivation und Energie, und können so das Publikum für sich gewinnen.

Neben ausgewählten Künstlern werden auch viele kleinere Bands eingeladen, die vielleicht schon eine Weile existieren, aber sich eher im Untergrund aufhalten. Dazu gehören auch KRATER. Die Black-Metal-Band liefert einen soliden Auftritt ab mit allem was dazugehört: ballerndes Schlagzeug, Gekeife und düstere Gitarren, Blut und Corpse Paint und natürlich böse Blicke.

Eher auf der Paganseite und melodienbasierter sieht es da bei den Finnen von CRIMFALL aus. Die Truppe bringt symphonisch-epische Klangwelten auf die Burg mit, doch wer meint, dass die Band fehl am Platz ist, der irrt sich. Die Band ist genauso motiviert wie jede andere und spielt ein gut durchmischtes Set, sodass sowohl zackigere als erhabenere Stücke dabei sind. Der Sound ist durchgehend gut und Helena, die Sängerin, singt sich voller Inbrunst durch die Lieder. Schade, dass das nur mit einem geringen Publikum belohnt wird.

Auch Bands, die bereits Kultstatus haben, geben sich die Ehre. So sind CRIMFALL nicht die einzigen Finnen, die auf der Schweinsburg auftreten.
Niemand geringeres als HORNA spielen für die Besucher des DARK TROLLs und während andere Bands eine (oftmals überzeugende) boshafte Show abziehen, so sind die Jungs von HORNA einfach von Natur aus böse. Der Sänger wollte wohl zwischendurch dem Publikum auch mal zeigen, wie hoch der Weizen steht, besinnte sich im letzten Moment aber dann doch noch eines Besseren. Wer jedenfalls seine Portion Hass abbekommen wollte auf dem Festival, hat sie auf jeden Fall bei HORNA erhalten.

Seit letztem Jahr startet ein gewisses Projekt so richtig durch und deswegen durfte es bei der neunten Ausgabe des Festivals nicht fehlen. Die Rede ist von HORN. Zur besten Stunde (also Mitternacht) betritt die Band die Bühne und liefert eine Auswahl der besten Stücke ab, die sie zu bieten hat. Das Publikum ist zahlreich erschienen und übernimmt die Energie, die die Musiker ausstrahlen komplett. Es werden Hände in den Himmel gereckt, es wird mitgewippt und genickt und ab und zu fliegen auch mal ein paar Haare durch die Gegend. Die Zuschauer gehen am Ende sichtlich zufrieden in ihr Camp zurück.

Am letzten Tag werden spätabends nochmal die ganz großen Geschütze aufgefahren, denn der Headliner für dieses Jahr sind niemand geringeres als ARKONA. Bei dieser Band ist Fläche natürlich besonders gut gefüllt. Die Setlist lässt sich quasi in zwei Hälften teilen: Zunächst werden die neueren Lieder aus den letzten beiden Alben gespielt, während es in der zweiten Hälfte dann mehr zur Sache geht, wenn die Publikumsfavoriten angestimmt werden. Die Band gibt wie immer alles auf der Bühne, doch das Publikum verhält sich vergleichsweise ruhig. Dieses zeigt die meisten Reaktionen erst bei den letzten zwei Songs, obwohl man es eigentlich gewohnt ist, dass sie Leute bei ARKONA-Konzerten komplett ausrasten. Da tut einem die Band schon ziemlich leid, wenn sie nicht die Energie zurückbekommen, die sie den Zuschauern entgegenschmettern.

Neben der musikalischen Hauptattraktionen gibt es natürlich auch die kleineren Attraktionen zu bewundern. Das Festival selbst stellt immer Essen zur Verfügung, doch werden auch immer ausgewählte Essensstände präsentiert, von denen dieses Jahr „Kitchen Riot“ am meisten hervorstachen, da sie frische, kreative Gerichte anboten.  Aber auch die Knobibrotmeister durften natürlich nicht fehlen, die viele Besucher mit ordentlich Knoblauch versorgten. Außerdem war natürlich auch wieder das Mittelalterlager vorhanden, welches nicht nur zur Atmosphäre beitrug, sondern den Festivalbesuchern auch Wissen,  z.B. zum Thema „Kampf“, vermittelte und auch Schaukämpfe darbot. Und da ist da noch der Ausblick von der Burgplatform auf das Umland. Das Wetter spielte dieses Jahr auch wieder mit, weshalb es grandiose Aussichten und schöne Sonnenuntergänge zu bestaunen und genießen gab.

Es ist sehr angenehm, dass das DARK TROLL FESTIVAL zu den kleineren Festivals gehört, weshalb immer eine familiäre Atmosphäre herrscht. Natürlich fallen immer mal wieder Leute aus dem Rahmen, aber diese hinterlassen zum Glück keinen bleibenden Eindruck.
Nächstes Jahr feiert das DARK TROLL zehnjähriges Jubiläum. Man darf also gespannt sein, was sich das Organisationsteam einfallen lässt, um den Fans ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Bereits bestätigt sind ENISUM. Aber auch ohne den besonderes Anlass kehrt man immer wieder gerne zu diesem Festival auf die Schweinsburg in Bornstedt zurück, da das Gesamtkonzept einfach unschlagbar ist.