OCCULT BLACKENED DOOM RITUAL – Bambi Galore/ Hamburg, 26.05.18

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Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Kein Leitsatz ist passender, um den vergangenen Samstagabend zu beschreiben. Die Konzertreihe ‚Revolt!‘ stand dieses Mal unter dem Motto ‚Occult Blackened Doom Ritual‘ und bot ein Potpourri aus Black, Doom und Death Metal. Mit dabei waren die Italiener von HADIT und BLACK CAPRICORN sowie INTO COFFIN und SOUL CONQUEROR aus Deutschland. Nachdem die Veranstaltung beinahe nicht stattgefunden hätte, folgte doch noch so manche Überraschung.
Pünktlich um 20:00 Uhr öffnete das Bambi Galore am Samstag Tor und Tür, um einen fabulösen Metalabend zu zelebrieren, wie man ihn von vorangegangenen ‚Revolt!‘-Veranstaltungen kennt. Doch entgegen aller Erfahrungswerte herrschte gähnende Leere in Billstedt. Ob es an der Konkurrenzveranstaltung im Gängeviertel oder an der Sommerhitze lag, ist ungewiss. Knapp zehn Tickets gingen ledigich im Vorfeld über die Theke und so blieben die Bands zunächst unter sich. Es wurde schon über einen Rückzug diskutiert, doch dann trudelte kleckerweise ein Gast nach dem anderen ein. Den Anfang machten die Death-Metaller von SOUL CONQUEROR aus Bremen vor einem Publikum von einem Dutzend Menschen, von denen bestimmt die Hälfte mit der Band befreundet zu sein schien. Nicht nur die geringe Zuschaueranzahl, sondern auch die musikalische Darbietung der Bremer war mehr Trauerspiel als Genuss; bei einem recht langsamen Tenor standen einfache Riffs im Gitarrenspiel und der Gesang im Fokus. Das tiefe Growling war im Vergleich zur instrumentalen Untermalung nicht nur zu leise abgemischt, sondern wirkte mangels Gefühl auch nicht sonderlich authentisch. Zudem klang der Sound insgesamt eher holprig und scheppernd, ein gutes Zusammenspiel ließ sich nicht erkennen. Nicht zuletzt die Atmosphäre erweckte bei SOUL CONQUEROR den Anschein einer Schülerband. Als dann auch noch der Song ‚Vaginal Blood‘ den an einer halben Hand abzuzählenden ‚Ladies‘ gewidmet wurde, war der Ofen endgültig aus.

Im Anschluss entfachten allerdings zwei Italiener die erloschenen Flammen mit einer überragenden Präsenz. HADIT entpuppten sich unverhofft als Glanznummer des Abends. Unverhofft vor allem auch, weil von dem schmächtigen Sänger an der Gitarre auf den ersten Blick wahrscheinlich niemand ein derart tiefes Growling in Death-Metal-Manier erwartet hätte. Dazu ein überwiegend langsamer bis midtemporaler Tonus sowie dumpfe Riffs mit viel Bass und zugführenden Drums, die es in sich hatten. Besonders  markant war bei letzterem das vielfältige Zusammenspiel aus Becken, Ride Bell, Bassdrum und Doublebass, das zudem auch temporale Wechsel und damit zusammenfassend einen großen Anteil an Black Metal bot. Auch die Vocals blieben nicht eintönig; gelegentlich schwankte die Gesangsart vom Growling auch mal zum schwarz metallischen Krächzen. Die Technik lieferte bei dieser Darbietung ein paar Patzer, denn was Stroboskop-Licht in musikalisch langsamen Gefilden zu suchen hat, ist nicht ganz klar. Was HADIT im Gegensatz zum Opener hinterließen, war ein bleibender Eindruck von Hingabe und Passion gegenüber der Musik. Das blieb auch zum Schluss der Show durch den rot beleuchteten Nebel noch anhand von Mimik und Gestik der Band erkennbar. Umso enttäuschender war die verhaltene Reaktion des dünn gesäten Publikums; HADIT hätten für ihre Leistung deutlich mehr Elan verdient gehabt.

Als INTO COFFIN aus Marburg loslegten, betrug die maximale Sichtweite im Bambi vielleicht drei Meter, so trüb war der Nebel inzwischen geworden. Damit schuf er mithilfe der rot-gelblichen Lichter eine schaurig schöne Atmosphäre, die perfekt zum Doom Metal der Gruppe passte. Allerdings konnte man die Band auf der Bühne nur vage erahnen. Ebenso die Konzertbesucher. Hin und wieder tauchte aus dem Nichts jemand auf und verschwand gleich darauf wieder im dichten Nebelkleid, das von sehr langsamen Doom-Klängen untermalt wurde. Auch INTO COFFIN hatten einige Geschwindigkeitswechsel zu bieten, die im Vergleich zu den vorherigen Bands deutlich abrupter schienen. Gesanglich bewegte sich das Ganze mehr in Richtung tiefen Röhrens. Im Laufe des Konzerts wurde die Musik immer mehr zu einem homogenen Soundgemisch aus treibenden Instrumental-Wellen und klagenden Vocals. Sporadisch schlich sich mal ein Offbeat dazwischen, um die primär langsamen Klänge aufzubrechen.

Die ersten Songs vom Headliner BLACK CAPRICORN klangen wenig anders als die letzten ihrer Vorband. Damit gestalteten die Italiener einen galanten musikalischen Übergang, während auch die Sicht im Bambi wieder klarer wurde und der Nebel sich allmählich verzog. Die Katakomben-Atmosphäre und die gehörige Doom-Strömung hatte aus den Zuschauern offenbar eine müde Runde gemacht, die schon wie in Trance zu schunkeln anfing, als vereinzelte Kenner hinter dem Gesang à la ‚The Warning‘ stückweise Stoner-Einflüsse vernahmen und die Stimmung etwas wacher wurde. Seit 2007 haben BLACK CAPRICORN rund sieben Alben über verschiedene Labels veröffentlicht und sich dabei mit dem Etikett des Psychedelic Doom geschmückt. Mit jedem weiteren Track wurden an diesem Abend zunehmend psychedelische Einflüsse deutlich, die sich hauptsächlich im groovigen Gitarrenspiel zeigten. Das Schlagzeug blieb recht langsam, setzte in manchen Passagen sogar ganz aus, und der Gesang schien beinahe wehklagend, während die Siebzigerjahreklänge schleichend Überhand nahmen. Die gelungende Mischung aus schellenden Becken und bassig wummernden Gitarren wurde mitunter von klaren Gesangspassagen und Tempovariationen aufgebrochen und sorgte somit für eine große musikalische Bandbreite und einen super entspannten Abgang, den das Publikum, das gegen Ende passenderweise nur noch aus Menschen mit Barfußschuhen und langen zotteligen Haaren bestand, erst nach ein paar Zugaben gewährte.